Mein schlimmster Job In Teufels Küche

Militärischer Kochdrill: Tim Mälzers erster Chef demütigte seine Mitarbeiter selbst nach Spitzenleistungen. Entertainer Mälzer dachte sogar kurzzeitig daran, seine Kochjacke endgültig an den Nagel zu hängen.

Mariam Schaghaghi | , aktualisiert

Ich habe am Fließband Sicherheitsgurte gefertigt, Häuser abgerissen, Karpfen gekillt, Lackklamotten verkauft und war mal Bodyguard der Band The Mamas and the Papas. Aber seit ich 17 war, habe ich nur noch in der Gastronomie gearbeitet. Nach meiner Kochausbildung wollte ich ins Ausland - und schaffte es nach London, in die Küche vom Ritz.

Aber das wurde mein schlimmster Job: Der Ton dort war total militärisch, die Umgangsformen sehr hart. Wir durften nicht in der Küche essen, haben 14, 15 Stunden ohne Pause geplockert. Da gab’s oft Aggressionen. Ich sah mal, wie jemandem ein Messer in den Arm gedrückt wurde, weil er die Gänsestopfleber zu langsam putzte. Ein Kollege hat sich mal heiße Flüssigkeit über die Füße gegossen, hatte aber so einen Schiss vor dem Küchenchef, dass er nicht zum Arzt ging - obwohl sich die Socken in den Fuß eingefressen hatten.

 Es gab beim Chef drei Varianten von Anschiss: Den leichtesten kassierte man in der Küche, den hat jeder täglich zehnmal gehört. Den mittleren gab’s im Geschirrlager, da hatte er dich schon persönlich auf dem Kieker. Das Heftigste war der Anschiss im Küchenchef-Büro, das war dann kurz vor Kündigung. Ich stand mal dort, weil ich mir ,Born to cook‘ auf die Kochmütze gemalt hatte und den gekreuzten Rinderkopf, der mich bis heute begleitet. Der Chef brüllte, das wäre Kasperkram, ich würde meinen Beruf nicht ernst genug nehmen.

Desaster bei der Queen

An einem Tag hat’s mir echt gereicht: Die Queen kam und wir haben für die Königsfamilie gekocht. Das Menü war mehr als perfekt. Aber als es vorbei war, gab es den härtesten Anschiss, den wir je bekommen haben. Gerichtet war er an den Sous-Chef, einen dreifachen Familienvater. Der Chef hat ihn so erniedrigt, dass dieser gestandene Mann zusammenbrach, auf dem Boden lag und weinte.

Am nächsten Tag habe ich gekündigt. Und dem Chef erklärt: ,Wenn das Spitzenküche ist, möchte ich damit nie wieder mehr was zu tun haben.‘ Es war mir ernst, ich wollte ganz aufhören. Erst Antonio Carluccio, der Spitzenkoch, den ich zufällig in London traf, brachte mich wieder in die Spur und gab mir den Spaß am Kochen zurück.

Geblieben ist, dass ich nicht so sein will wie mein Chef im Ritz. Nicht als Chef, nicht als Koch, nicht als Mensch. In London habe ich komprimiert all das gesehen, wovon ich mich fernhalten möchte. Kritik kann und muss es geben - aber sie darf nicht den Menschen selbst angreifen. Man weiß nicht, was man damit anrichtet."

Tim Mälzer, 38, Koch-Entertainer, kocht seit 2003 im Fernsehen und ist jeden Samstag um 15.30 Uhr in der ARD-Sendung "Tim Mälzer kocht!" zu sehen. In Hamburg hat er im Sommer sein neues Restaurant "Bullerei" eröffnet.

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