Mein schlimmster Job Haarige Situationen im Friseursalon

Mit der Ausbildung zum Friseur hat Thomas D seinen Eltern den Wunsch erfüllt, einen anständigen Beruf zu erlernen. Das öffnete ihm anschließend die Chance, seinen Traum von der Musik auch vor seinen Eltern zu rechtfertigen. Aber die Ausbildung hatte auch ihre dunklen Seiten. Hier ist eine von ihnen.

Mariam Schaghaghi | , aktualisiert

Bevor ich Musiker wurde, habe ich eine Ausbildung zum Friseur gemacht, und in meiner Karriere als Lehrling gab es einige Momente, in denen ich mir persönlich sagte: Das ist jetzt der schlimmste Job überhaupt.

Ich erinnere mich zum Beispiel an eine Frau, die einmal im Monat zu uns kam. Immer wenn sie unseren Salon verließ, hatte sie einen akkurat geschnittenen und groß auftoupierten Pagenkopf. Für alle, die es nicht wissen: Wenn alle Haare am Hals gleich lang abgeschnitten sind, hat man einen Pagenkopf. Und der war bei ihr so richtig buschig.

Zu oft, das ist ein sehr relativer Begriff

Nach einem Monat kam sie dann wieder, zum Waschen, Schneiden und Auftoupieren - und alle Haare lagen ganz glatt am Kopf an. Sie hatte sie in der Zwischenzeit nicht einmal gewaschen! Sie hatte eine ganz eigene Philosophie. Sie lautete: Es sei ungesund, wenn man sich die Haare zu oft wäscht. Zu oft, das ist ein sehr relativer Begriff.

Wenn sie den Laden betrat, gab es diesen Moment, in dem alle Lehrlinge plötzlich ganz dringend zu tun hatten. "Du, ich muss mal an den Kunstkopf gehen und Dauerwellen üben", sagte der eine - das macht man nie. Ein anderer: "Ich muss mal in den Keller und Handtücher waschen." Ich war neu, gerade mal 17 Jahre alt, und stand plötzlich alleine am Waschbecken. Also musste ich ran.

Ich weiß noch, ich habe das Wasser auf den Kopf gegossen, und es perlte einfach ab. Die Haare wurden gar nicht nass. Die waren so fettig, dass das Wasser einfach abperlte, wie bei einem Auto, wenn da nach der Waschanlage eine Schicht Kunstwachs raufkommt. Das war ekelerregend.

Wer etwas anständiges gelernt hat, der darf auch Popstar werden

Später hatte ich das Glück, dass meine Eltern gegenüber meiner Idee, Popstar zu werden, sehr tolerant waren. Sie haben immer in bester schwäbischer Manier gesagt: "Der Junge hat was Anständiges g'lernt! Der kann darauf jederzeit zurückgreifen." Auch wenn ich das hoffentlich nie machen muss: Die Ausbildung war keine verschwendete Zeit.

Letztens habe ich meiner sechsjährigen Tochter die Haare geschnitten, zum ersten Mal. Meine Frau war skeptisch. "Bist du sicher, dass du das machen willst? Wenn ihr das nicht gefällt, ist sie die nächsten zwei Jahre sauer auf dich!" - "Sag' mal, was is'n los, ich hab' des g'lernt, ich kann des!" Ich habe ihr eine Frisur verpasst, auf die alle stolz sind. Meine Tochter am meisten. Da kam's dann wieder zurück: Was man einmal gelernt hat, kann man immer wieder anwenden. Auch 20 Jahre später."

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