Mein schlimmster Job Böse Erinnerungen an "Wild Wild West"

Wenn sich der Regisseur für Gott hält: Michael Ballhaus bereut, dass er den Film Wild Wild West gedreht hat. Seine Lehre: Lass dich niemals aus Bequemlichkeit auf einen Job ein, selbst wenn Will Smith und Salma Hayek dabei sind.

Mariam Schaghaghi | , aktualisiert

Mein schlimmster Job? Das war der Film Wild Wild West. Ursprünglich hatte ich ihn abgelehnt, weil zeitgleich ein Projekt mit Martin Scorsese geplant war. Aber dann wurde es verschoben und prompt rief mich der Regisseur von Wild Wild West wieder an, der bei demselben Studio beschäftigt war wie ich. Ob ich nun nicht doch Interesse hätte? ,Naja, schick mir mal das Drehbuch', sagte ich etwas lahm.

Das erwies sich aber als ganz lustig, außerdem waren gute Schauspieler dabei, Will Smith, Kevin Kline und Salma Hayek. Das könnte ja doch Spaß machen, dachte ich. Außerdem wurde in Los Angeles gedreht, direkt vor meiner Haustür, und ich hatte noch einen Vertrag mit dem Studio Warner zu erfüllen. Also sagte ich zu.

Zuerst lief der Dreh auch ganz gut. Dann stellte sich aber heraus, dass der Regisseur mal Kameramann gewesen ist und dass er einen ganz eigenen Stil hatte. Und mehr und mehr versuchte er, seinen Stil nun auch mir aufzuzwingen. Er wollte zum Beispiel, dass ich ein Close-up einer Frau mit einem Weitwinkelobjektiv mache. Das ist nicht ganz so mein Ding.

Außerdem wurden viele Bilder für den Film am Computer erstellt. Wir mussten eigentlich nur noch den Vorder- oder den Hintergrund drehen. Eine sehr technische Aufgabe, gar nicht spannend - und überhaupt nicht kreativ! Denn man muss sich sehr präzise an die Vorgaben der Leute halten, die die Bilder am Computer fertigstellen. Wenn aber ein Drittel eines Films am Rechner entsteht, dann ist mein Job als Director of Photography doch sehr reduziert. Das gefiel mir noch nie. Ich möchte schon gerne, dass alle Bilder von mir sind. So hat sich diese Arbeit als schmerzhaft entwickelt.

Wild Wild West wurde nicht so gut und erfolgreich, wie er hätte werden können. Was vielleicht auch daran lag, dass der Regisseur - nachdem er Hits wie Men in Black gedreht hatte - sich für The King of Hollywood hielt. Das tat diesem Film nicht gut. Ich bin nun wirklich ein Gemütsmensch, trotzdem sagte ich mir innerlich fünfmal am Tag: ,Ich habe die Faxen dicke!' Aber ich hatte einen Vertrag und konnte nicht einfach so aussteigen.

Die Moral von der Geschicht? Dass man sich nicht aus Bequemlichkeit auf einen Job einlassen sollte. Dass man bei Regisseuren immer ganz genau hinguckt. Und dass ich computerlastige Filme grundsätzlich nicht mehr machen möchte. Das ist einfach nicht meine Welt."

Zur Person
Michael Ballhaus, 73, gilt als einer der besten Kameramänner der Welt und hat u.a. Good Fellas und The Departed gedreht. Sein erster eigener Film, In Berlin, startete am 14. Mai.

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