Verschwiegenheitsklauseln Warum Gehälter geheim bleiben sollen

Warum viele Unternehmen aus den Gehältern ihrer Mitarbeiter ein großes Geheimnis machen und Verschwiegenheitsklauseln in Verträgen meist unwirksam sind. Erklärungen eines Fachanwalts.

Interview: Claudia Obmann |

Warum Gehälter geheim bleiben sollen

Hohe Gehälter bleiben oft ein Geheimnis

© E+/Getty Images

Der Jurist und Chef der Berliner Kanzlei Abeln Fachanwälte für Arbeitsrecht ist spezialisiert auf die Vertretung von Managern, die Streit mit ihrem Arbeitgeber haben. Nicht selten geht es dabei um die korrekte Vergütung.

Herr Abeln, um Gehälter machen Arbeitgeber ein großes Geheimnis. Warum eigentlich?

Unternehmen wollen Personalkosten sparen, darum versuchen sie, Gehältertransparenz zu vermeiden.

Was machen denn Unternehmen dazu ganz konkret?

Das geschieht beispielsweise dadurch, dass die Funktion einer Führungskraft nicht mehr einem festen Gehalt, sondern Arbeitstätigkeiten einer Funktionsstufe zugeordnet werden, sogenannten Gradings. Diese sehen dann Gehaltsspannen vor, ohne dass die Kriterien der einzelnen Gradings jedoch transparent und sauber definiert werden.

Gerade Führungskräfte werden so bewusst im Unklaren  gelassen über die Höhe der möglichen Gesamtbezüge. Denn die Spanne dieser Gradings oder Gehaltskorridore kann leicht mehrere Tausend Euro pro Monat ausmachen.

Können Sie das an einem Beispiel veranschaulichen?

Klar. Nehmen Sie einen Bereichsleiter mit der Funktionsstufe "VS1", einem jährlichen Fixgehalt von 240.000 Euro brutto und einem Zielbonus von 80 000 Euro brutto. Dann wird ein neues Gradingsystem eingeführt. Das Grading für "VS1"-Führungskräfte sieht jetzt einen Gehaltsrahmen von 180.000 bis zu 240.000 Euro brutto vor.

Verkauft wird dies dem Manager damit, dass der Bonus gleich bliebe und der Vertrag nur angepasst werden soll. Man wolle den Einzelnen schließlich angeblich gar nicht schlechterstellen. Tatsächlich aber verliert der Manager bis zu 60.000 Euro – falls er am unteren Ende des neuen Gehaltskorridors einsortiert wird. 

Ganz schön dreist. Diese Methode lebt ja offenbar von Intransparenz, nämlich dass der einzelne Manager weder den Rahmen des jeweiligen Gradings kennt, noch weiß, wo seine vergleichbaren Kollegen innerhalb des Gehaltskorridors angesiedelt sind. Aber für den einzelnen Mitarbeiter ist darüber hinaus auch nicht immer klar, wie viel Bonus am Jahresende drin ist.

Stimmt. Das ist etwa dann der Fall, wenn bei variablen Bezügen die Kriterien für die Bemessung von Bonuszahlungen bewusst nur unzureichend vom Arbeitgeber definiert werden. Die Leistung des einzelnen Mitarbeiters wird als Ermessenssache ausgewiesen und ist somit der Willkür des Vorgesetzten ausgeliefert. 

Arbeitsverträge sehen zum Teil ja vor, dass Arbeitnehmer und Führungskräfte nicht über das Gehalt und die Höhe ihrer Bezüge sprechen dürfen. Sind solche Klauseln eigentlich wirksam?

Nein, in der Regel sind derartige Verbote unwirksam. Arbeitnehmer, die über das Gehalt sprechen, obwohl der Arbeitsvertrag etwas anderes vorsieht, machen sich somit nicht strafbar. Auch angedrohte arbeitsvertragliche Sanktionen wie Abmahnung oder Kündigung sind nicht zu fürchten.

Gibt es Ausnahmen?

Nur wenn ein berechtigtes Interesse des Unternehmens angenommen werden kann, kann ein Verbot vor Gericht Bestand haben. Dies kann beispielsweise dann der Fall sein, wenn die Gehaltsdaten eines Arbeitnehmers oder einer Gruppe von Arbeitnehmern für den wirtschaftlichen Erfolg des Betriebs von Vorteil sind und die Konkurrenz durch Kenntnis der Daten die eigene wirtschaftliche Wettbewerbsfähigkeit steigern kann.

In der Praxis ist das aber wirklich nur im Ausnahmefall denkbar, denn in welchen Fall erhalten Konkurrenten durch die Kenntnis solcher Daten schon echte Wettbewerbsvorteile? Und ganz wichtig noch in diesem Zusammenhang: Voraussetzung ist zusätzlich eine vertragliche Verbotsklausel. Gerichte kontrollieren immer, ob Arbeitsverträge transparent und gerecht sind. Das heißt also konkret: Der Arbeitgeber muss ein Interesse am Verbot besitzen, und die Klausel muss für jedermann verständlich formuliert sein. Meiner Erfahrung nach scheitert es aber genau daran häufig.

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