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Unbezahlte Zeit Beschäftigte machen im ersten Halbjahr fast 1 Milliarde Überstunden

Die Statistik zeigt: Nur die Hälfte aller Extrastunden wird auch bezahlt.

eva, dpa |

Im ersten Halbjahr 2019 haben Beschäftigte in Deutschland 962 Millionen Überstunden angehäuft – etwas mehr als die Hälfte davon unbezahlt. Das geht aus einer Erhebung des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) hervor, die kürzlich vom Redaktionsnetzwerk Deutschland (RND) veröffentlicht wurde.

Im Vergleich zum Vorjahr sind die Zahlen leicht rückläufig. 2018 wurden den Angaben zufolge insgesamt 2,02 Milliarden Überstunden gezählt. Nur etwas mehr als die Hälfte davon wurde vergütet, das heißt: Fast 50 Prozent aller Überstunden in Deutschland wird unbezahlt geleistet.

Das sagt das Arbeitsrecht

"Der Begriff Überstunden bezieht sich auf die vertraglich geschuldete Arbeitszeit, Mehrarbeit meint dagegen die Überschreitung der gesetzlichen Höchstgrenzen nach dem Arbeitszeitgesetz", erläutert Robert C. Mudter, Fachanwalt für Arbeitsrecht die Begrifflichkeiten.

In der Regel bestehe bestehe eine Verpflichtung zur Leistung von Überstunden nur, wenn dies in einem Tarifvertrag, einer Betriebsvereinbarung oder dem Arbeitsvertrag geregelt sei. Fehlt eine solche Regelung, dann schuldet ein Arbeitnehmer grundsätzlich nur die Erbringung der Arbeitsleistung während der Regelarbeitszeit.

Ohne eine ausdrückliche Regelung kann der Arbeitgeber nur in besonderen Situationen - insbesondere in betrieblichen Notfällen - Überstunden anordnen. Lehnt ein Arbeitnehmer es in begründeten Ausnahmefällen mehrfach ab, Überstunden oder Mehrarbeit zu leisten, kann ihm wegen Arbeitsverweigerung eine Abmahnung ausgesprochen werden oder auch gekündigt werden, erklärt Anwalt Mudter.

Mehr Überstunden im Home-Office

Laut der IAB-Erhebung tragen die Überstunden der Beschäftigten, die hauptsächlich oder teilweise von zuhause arbeiten, überproportional zu dem Ergebnis bei. Arbeitnehmer mit Homeoffice-Nutzung leisten wöchentlich durchschnittlich 5,6 Überstunden, Beschäftigte ohne Heimarbeit liegen bei etwa 2,9 Überstunden pro Woche.

Seit 2017 hat sich das Angebot der Home Office-Stellen in Deutschland mehr als verdoppelt, zeigt eine Studie des Bildungsanbieters WBS Gruppe.

Laut Statistischem Bundesamt arbeitete 2017 etwa jeder neunte Beschäftigte gewöhnlich oder gelegentlich zu Hause.

Einer Umfrage der AOK-Krankenkasse nach, führt die Home-Office-Arbeit zu einer erhöhten Belastung und zu Mehrarbeit.

Einerseits sei eine bessere Vereinbarkeit von Beruf und Familie gegeben – andererseits sei die permanente Arbeit auch an Wochenenden oder abends erschöpfend für viele Betroffene.

Laut der AOK-Umfrage empfindet knapp jeder Fünfte das Arbeiten von zu Hause als Belastung, die die Vereinbarkeit von Beruf und Familie erschwert. Drei Viertel fühlten sich im vergangenen Jahr erschöpft. Der Grund dafür: Jeder Dritte arbeitet im Home Office auch abends und am Wochenende. Überstunden sind da keine Seltenheit.

Manche Überstunden lassen sich nicht vermeiden. Oft ist langes Arbeiten aber auch eine Frage der Selbstorganisation – und der eigenen Haltung. Lesen Sie dazu auch diesen Beitrag: „Warum es nicht schlimm ist, wenn Sie Ihre To-Do-Liste nicht schaffen“.

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