Brückenteilzeit Zurück in die Vollzeit

Ein neues Gesetz soll es Angestellten erleichtern, aus der Teilzeit in die Vollzeit zurückzukehren. Doch was bringt der neue Rechtsanspruch auf Brückenteilzeit?

Anne Koschik |

Zurück in die Vollzeit

Jenseits von Nine-to-five

Ein Gallery-Mitarbeiter wechselt in der Talbot Rice Gallery in Edinburgh eine von insgesamt neun Uhren aus, die die Zeit auf allen Planeten in unserem Sonnensystem anzeigen sollen.

© dpa

Teilzeitarbeit ist beliebt: Ob in der Elternzeit, Familienphase, Pflegezeit oder auch schlicht, um mehr Freizeit in den grauen Berufsalltag zu bringen – der Anteil der Teilzeitbeschäftigten wächst und wächst.

Auf 40 Prozent ist der Anteil der Beschäftigten, die Teilzeit arbeiten, in den letzten 20 Jahren gestiegen. 24 Prozent waren es kurz vor der Jahrtausendwende, so das Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB). Insgesamt gibt es laut den Statistikern rund 15 Millionen Teilzeitkräfte in Deutschland.

Doch bislang war die Gefahr groß, durch Teilzeitarbeit die eigene Karriere aufs Spiel zu setzen. Denn oft gilt in der Praxis der Leitsatz: Einmal Teilzeit, immer Teilzeit. Der neue, zum 1. Januar 2019 gültige Rechtsanspruch auf sogenannte Brückenteilzeit soll dem entgegenwirken und Arbeitnehmern helfen, wieder in die Vollzeit zurückkehren zu können. Auf den ersten Blick wirkt das positiv – aus mehreren Gründen:

Das verspricht das neue Gesetz

K(l)eine Lücke bei der Rente: Angestellte haben nach dem neuen Gesetz einen Rechtsanspruch auf eine befristete Teilzeitphase, die zwischen einem und fünf Jahren dauern kann. Diese kurze Unterbrechung schmälert das Gehalt für eine überschaubare Zeit. So nehmen auch die Rentenansprüche keinen großen Schaden.

Bessere Work-Life-Balance: Bundesarbeitsminister Hubertus Heil ist der Überzeugung, dass die Arbeit zum Leben passen müsse – "und nicht umgekehrt". Dies erklärte er bereits bei Verkündigung seiner Pläne zum neuen Gesetz. "Die Menschen bevorzugen Arbeitsumfelder, die Familie und Beruf miteinander vereinbar machen und eine sichere Zukunftsperspektive bieten", sagt auch Lucia Falkenberg, Produktchefin und Leiterin der Kompetenzgruppe New Work im Eco-Verband der Internetwirtschaft. Studien verweisen außerdem ohnehin darauf, dass echte Leistungsfähigkeit auf rund 25 Stunden in der Woche begrenzt ist.

Langfristig längere Arbeitsleistung: Um Personal zu rekrutieren und im Unternehmen zu halten, sei es wichtig, sich auf Veränderungen im Arbeitsrhythmus einzustellen, sagt Enzo Weber, Forschungsbereichsleiter am IAB. Der Bedarf an flexibler Arbeitszeit wachse, nicht zuletzt auch dadurch, dass das Arbeitsleben deutlich länger wird. "Ich gehe davon aus, dass von zeitweisen Arbeitszeitreduktionen immer mehr Gebrauch gemacht wird", so Weber.

Raus aus der beruflichen Sackgasse: Nach wie vor sind es vor allem Frauen, die den Schritt in die Teilzeitbeschäftigung gehen – vor allem wegen der Familie. Als geeignete Brücke "Raus aus der beruflichen Sackgasse" sieht daher der Bundesverband alleinerziehender Mütter und Väter (BAMV) das neue Gesetz. Vom Rückkehrrecht profitierten aber nicht nur Frauen. Das Gesetz entspreche vielmehr auch dem Wunsch vieler Männer, mehr Familienverantwortung übernehmen zu wollen, „aber aus Angst vor der Teilzeit bislang davor zurückschrecken“, so der Verband.

Das sind Reibungspunkte

Mär vom Ende der Teilzeitfalle? Was Familienverbände als Vorteil sehen, stellen Arbeitgebervertreter infrage. "Die Brückenteilzeit ist nicht dazu geeignet, das sogenannte Karrieredilemma aufzulösen", heißt es von Seiten der Bundesvereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände (BDA). Die Problematik liege in der großen organisatorischen Herausforderung für ein Unternehmen, insbesondere wenn ein Arbeitnehmer "grundlos in Teilzeit geht und dann automatisch wieder auf seine ursprünglich vereinbarte Arbeitszeit zurückkehren kann". An diesen Komplikationen ändere auch das Gesetz wenig.

Zu viele Ausnahmen? Das neue Gesetz soll nur für Betriebe mit mindestens 45 Arbeitnehmern gelten. Die Linken-Abgeordnete Susanne Ferschl kritisiert, dass damit 38 Prozent aller Beschäftigten von der Brückenteilzeit ausgenommen seien, weil sie in Firmen mit weniger als 45 Angestellten arbeiteten. Bei 46 bis 200 Arbeitnehmern kann der Arbeitgeber außerdem das Begehren nach Brückenteilzeit ablehnen, wenn zu viele Mitarbeiter den Anspruch wahrnehmen möchten. Wie viele Angestellte Brückenteilzeit nehmen dürfen, ist bei diesen Firmen nach Unternehmensgröße gestaffelt. Das macht das Ausklamüsern kompliziert.

Wer seine Arbeitszeit verringern möchte, kann die persönlichen Auswirkungen auf dem Teilzeitrechner des Bundesarbeitsministeriums ermitteln. Die Abgaben und Differenzen im Vergleich zum Vollzeitgehalt sind dort schnell und übersichtlich dargestellt.

 

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