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Was ändert sich 2019 für Arbeitnehmer? Steuervergünstigungen & Jobticket

Arbeitsrecht, Sozialversicherung, Steuer Was ändert sich 2019 für Arbeitnehmer?

Im neuen Jahr können Arbeitnehmer und Selbstständige von einer Vielzahl von gesetzlichen Änderungen profitieren. Daraus ergeben sich finanzielle Vorteile, persönliche Erleichterungen und gerechtere Behandlungen. Eine erhellende Übersicht.

Von Anne Koschik |

Was ändert sich 2019 für Arbeitnehmer?

Änderungen für Arbeitnehmer im Jahr 2019

Arbeitnehmer genießen 2019 finanzielle und persönliche Vorteile.

© mauritius images

Brückenteilzeit

Durch Teilzeitarbeit hat so mancher seine Karriere aufs Spiel gesetzt oder sogar vernichtet. Das neue Brückenteilzeitgesetz soll das verhindern und sorgt mit einem Rechtsanspruch dafür, dass Mitarbeiter in die Vollzeit zurückkehren dürfen.

So können Berufstätige vermeiden, in der beruflichen Sackgasse zu landen, und müssen gleichzeitig ihre Rentenansprüche nicht aufs Spiel setzen.

Mini- und Midijobs

Minijobber aufgepasst: Da der Mindestlohn zum 1. Januar 2019 auf 9,19 Euro pro Stunde steigt, darf die Arbeitszeit nur noch knapp 49 Stunden monatlich betragen. Denn ansonsten würde die 450 Euro-Minijobgrenze überschritten und damit der sozialversicherungsfreie Minijob in Gefahr geraten.

Für die andere Form der Minijobs, also solche Beschäftigungen, die nur kurzfristig ausgeübt werden, kommt es nicht zu einer befürchteten Veränderung der Zeitgrenzen: Drei Monate oder 70 Arbeitstage bleiben dauerhaft als Zeitrahmen bestehen.

Bei Midijobs kommt es zu einer Änderung der sogenannten Gleitzone, die bislang für Vergütungen zwischen 450,01 Euro und 850 Euro galt und sich reduzierend auf die Sozialversicherungsbeiträge auswirkt. Im neuen „Übergangsbereich“, der laut Bundesratsbeschluss ab dem 1. Juli 2019 gilt, wird die obere Verdienstgrenze nun auf 1300 Euro erhöht und die Formel zur Berechnung der Sozialbeiträge so angepasst, dass mehr geringfügig Beschäftigte von geringeren Beiträgen profitieren können.

Außerdem erhalten alle Midijobber mehr Entgeltpunkte in der Rentenkasse: Obwohl sie geringere Beiträge entrichten, sollen sie so behandelt werden, als hätten sie den vollen Arbeitnehmeranteil abgeführt.

Geschäftsgeheimnisse und Whistleblowing

Die deutsche Justiz muss die vor zwei Jahren vom Europäischen Parlament verabschiedete Richtlinie zu Geschäftsgeheimnissen zeitnah in deutsches Recht umsetzen. Unternehmen und Behörden erhalten dadurch mehr Rechte, um betriebliche Informationen als Geschäftsgeheimnisse einzustufen.

Whistleblower müssen nach dem deutschen Gesetzesentwurf in der Absicht handeln, dem allgemeinen öffentlichen Interesse dienen zu wollen, wenn sie Geschäftsgeheimnisse offenlegen. Nur dann sind sie vor Strafverfolgung geschützt. Das ist nicht unumstritten: Denn das Motiv des Handelns bekomme in Deutschland mehr Gewicht als das zu erwartende Ergebnis, sagen Kritiker.

Qualifizierungschancengesetz

Die Qualifizierungsoffensive der Bundesregierung macht sich in den Unternehmen bemerkbar: Beschäftigte, die vom Strukturwandel durch die Digitalisierung betroffen sind, erhalten eine stärkere Weiterbildungsförderung. Der grundsätzliche Zugang zur Weiterbildungsförderung wird unabhängig von Qualifikation, Lebensalter und Betriebsgröße sein und die Leistungen durch Zuschüsse zum Arbeitsentgelt erweitert werden.

Personenstandsgesetz

Auswirkungen auf das Arbeitsleben hat in dem Zusammenhang auch das geänderte Personenstandsgesetz, in dem es um die Anpassung an das dritte Geschlecht (diversgeschlechtliche Personen) geht. So werden Stellenanzeigen neu formuliert werden müssen, um mögliche Diskriminierung zu verhindern. Der Klammerzusatz (m/w) wird um das Kürzel „div.“ oder „int.“ erweitert werden müssen.

Auch auf die Betriebsratswahl könnte das Einfluss nehmen, da gemäß § 15 Abs. 2 BetrVG das Geschlecht, welches in der Belegschaft in der Minderheit ist, entsprechend seines zahlenmäßigen Verhältnisses im Betrieb vertreten sein soll.

Sozialversicherungsbeiträge

1. Krankenversicherung
Die Beiträge zur Gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) tragen Arbeitnehmer und Arbeitgeber (bzw. der Rentenkasse) ab dem 1.1.2019 zu gleichen Teilen. Das gilt jetzt auch für den individuellen Zusatzbeitrag, den die Krankenkassen selbst bestimmen. So sieht es das GKV-Versichertenentlastungsgesetz vor. Der allgemeine Beitragssatz von 14,6 Prozent bleibt bestehen. Insgesamt werden die Beitragszahler um acht Milliarden Euro entlastet.

Auch hauptberuflich Selbstständige mit einem geringen Einkommen, die freiwillig in der GKV versichert sind, gewinnen: Ihre monatlichen Mindestbeiträge werden halbiert und sinken auf 171 Euro, wenn sie nicht mehr als 1142 Euro pro Monat verdienen.

2. Pflegeversicherung
Um dem Pflegenotstand besser entgegenwirken zu können, sollen die Beiträge steigen. Arbeitnehmer mit Kind müssen dann 2,85 Prozent ihres Bruttoeinkommens an die Pflegekasse abgeben. Die Kosten trägt der Arbeitgeber zur Hälfte. Konkret bedeutet das, dass Angestellte statt bislang 1,275 Prozent bald 1,425 Prozent für die Pflegekasse zahlen.

3. Arbeitslosenversicherung
Um sechs Milliarden Euro sollen die Beitragszahler insgesamt entlastet werden. Der Beitragssatz zur Arbeitslosenversicherung wird dauerhaft um 0,4 Prozentpunkte auf 2,6 Prozent und um weitere 0,1 Prozentpunkte bis zum Jahr 2022 gesenkt. Somit ist laut Bundesarbeitsministerium ab dem 1. Januar 2019 mit einem Arbeitslosenversicherungsbeitrag von 2,5 Prozent zu rechnen.

Zudem wird die Mindestversicherungszeit von 24 Monaten aufgehoben, um Arbeitslosengeld beziehen zu dürfen: Anspruch auf Arbeitslosenversicherung hat nun, wer innerhalb von 30 Monaten auf Versicherungszeiten von 12 Monaten kommt.

Steuerregeln

  • Erhöhter Grundfreibetrag: Er steigt in den kommenden beiden Jahren wie folgt an:
    2019: von 9000 Euro auf 9168 Euro
    2020: von 9168 Euro auf 9408 Euro
  • Fristen zur Abgabe der Steuererklärung: Bislang mussten Arbeitnehmer ihre Steuererklärung immer bis zum 31. Mai des Folgejahres einreichen. Diese Frist ist mit Inkrafttreten des Steuermodernisierungsgesetzes um zwei Monate auf den 31. Juli verlängert worden. Ist ein Steuerberater mit von der Partie, bleibt Zeit bis Ende Februar des darauffolgenden Jahres.
  • Steuerfreies Job-Ticket: Arbeitnehmer, die mittels öffentlichem Personennahverkehr zur Arbeit gelangen, erhalten Steuervergünstigungen. Die Zuschüsse des Arbeitgebers zum Jobticket werden steuerfrei.
  • Elektro- und Hybridfahrzeuge als Dienstwagen: Im Rahmen der Berechnung des geldwerten Vorteils muss nur noch die Hälfte des Neuwagenpreises angesetzt werden. Die monatliche Versteuerung für die private Nutzung des Dienstwagens sinkt von einem auf 0,5 Prozent des inländischen Listenpreises. Diese Regelung gilt für Anschaffungen zwischen dem 1.1.2019 bis zum 31.12.2021.
  • Steuerfreies Dienstfahrrad: Fahrräder und auch E-Bikes, die nicht schneller als 25 km/h fahren, sind ab dem 1. Januar 2019 steuerbefreit. Bislang galt für sie der gleiche Steuersatz wie für Dienstwagen, die ein Prozent auf den Bruttolistenpreis für die private Nutzung zahlen mussten.
  • Kampf gegen die „Kalte Progression“: Einkommenssteigerungen sollen im Falle einer Inflation nicht durch den progressiven Steuersatz aufgezehrt werden. Deshalb werden die Eckwerte des Einkommensteuertarifs ab Januar 2019 um die Inflationsrate des Vorjahres verschoben. So steht es im neuen Familienentlastungsgesetz, dem der Bundesrat zugestimmt hat.
  • Steuerklassenwechsel bei erwartetem Elterngeld oder Arbeitslosengeld: Da sich die Berechnung dieser Gelder an den zuletzt gezahlten Nettobezügen orientiert, kann es für den Bezieher/die Bezieherin sinnvoll sein, schnellstmöglich auf die Steuerklasse 3 umzusteigen, auch wenn es während des Jahres unter Umständen beim besserverdienenden Ehepartner zu Einkommenseinbußen kommt. Dies empfiehlt der Steuerberater-Verband e.V..

    Die vermeintlichen Einbußen durch den Steuerklassenwechsel ließen sich nämlich über die Einkommensteuererklärung am Jahresende zurückfordern, wohingegen die einmal errechnete Elterngeld- beziehungsweise Arbeitslosengeldhöhe bindend sei.

  • Möglicherweise können Sie auch mit einem Dienstwagen Steuern sparen:

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