Arbeitsrecht Ist Alkohol auf der Arbeit erlaubt?

Mit Bier im Büro erwischt? Was Mitarbeiter zu befürchten haben, wenn sie auf der Arbeit zu tief ins Glas geschaut haben.

Von Michael Scheppe |

Ist Alkohol auf der Arbeit erlaubt?

Alkohol am Arbeitsplatz

Per Gesetz ist Alkohol auf der Arbeit nicht verboten. Doch wer übertreibt, muss mit Abmahnung oder Kündigung rechnen.

© dpa

Das Rheinland ist im Ausnahmezustand – es ist Karneval. Zur fünften Jahreszeit wird in Büros und Betrieben bisweilen gemeinsam angestoßen. Und der ein oder andere genehmigt sich auch in der Mittagspause gern mal ein kleines Bier. Doch ist Alkohol auf der Arbeit erlaubt? Und welche Konsequenzen hat es, wenn ich betrunken einen Fehler machen? Karriere.de klärt auf – und zwar nicht nur für die Karnevalisten im Rheinland.

Ist Alkohol am Arbeitsplatz verboten?

Grundsätzlich nicht. „Es gibt kein Gesetz, das den Konsum von Alkohol am Arbeitsplatz verbietet“, sagt Sebastian Schröder, Fachanwalt für Arbeitsrecht bei der Düsseldorfer Kanzlei Kapellmann und Partner.

Aber: Viele Firmen untersagen ihren Mitarbeitern in Betriebsvereinbarungen oder Arbeitsverträgen, während der Arbeitszeit zur Flasche zu greifen.

Ein Alkoholverbot gilt auch für Chirurgen, Berufskraftfahrer und Piloten. Dass solche sicherheitsrelevanten Berufsgruppen nüchtern zur Arbeit kommen müssen, versteht sich ohnehin von selbst.

Ist auch das Bier in der Mittagspause erlaubt?

In einigen Regionen der Republik gehört ein Glas Wein oder Bier während des Mittagessens zum guten Ton. Und auch das ist arbeitsrechtlich nicht verboten. So lange es bei einem Glas bleibt.

Wie viel Alkohol darf ich denn im Büro trinken?

Es gibt zwar keine Promillegrenze. Aber: „Der Arbeitnehmer muss immer seine volle Arbeitskraft zur Verfügung stellen“, sagt Arbeitsrechtler Schröder. Heißt: Auch dort, wo es kein generelles Alkoholverbot gibt, dürfen Mitarbeiter den Bierhahn nicht pausenlos aufdrehen, schränkt zu viel Alkohol eben doch die Leistungsfähigkeit ein.

Denn schon bei 0,3 Promille im Blut sind Menschen weniger aufmerksam und können sich nicht mehr so gut konzentrieren. Ab 0,5 Promille reagieren sie langsamer, ab einem Blutwert von 0,8 Promille ist der Gleichgewichtssinn deutlich beeinträchtigt.  

Was passiert, wenn ich auf der Arbeit zu viel getrunken habe?

Wer als Angestellter zu tief ins Glas geschaut hat und sich in einen Zustand bringt, indem er seine Aufgaben nicht mehr korrekt erfüllen kann, verletzt seine Arbeitspflichten, so der Jurist. Angestellte unterliegen nämlich der Nebenpflicht, einen arbeitsfähigen Zustand zu gewährleisten.

Wer zu viel getrunken hat, dem droht die Abmahnung oder gar die Kündigung. Welche Konsequenzen im Einzelfall drohen, hängt von der Art der Verfehlung ab. Wer etwa eine größere Maschine kaputt macht, weil er sich nicht mehr richtig konzentrieren konnte, dem droht die fristlose Kündigung. Jeder fünfte Arbeitsunfall passiert hierzulande unter Alkoholeinfluss, schätzen Studien.

Und wenn der Chef einen ausgibt?

Dürfen sich die Mitarbeiter auch nicht betrinken. Denn wenn sie nach dem Umtrunk noch weiterarbeiten sollen, müssen die Angestellten körperlich und mental wieder in der Lage sein, ihren Pflichten nachzukommen. „Auch wenn der Chef ausschenkt, gibt es keine Narrenfreiheit“, sagt Schröder.

Welche Regelungen gelten für alkoholkranke Angestellte?

Sie sind im Arbeitsrecht ein Sonderfall: Wer alkoholabhängig ist, gilt als krank. Solche Mitarbeiter können deshalb nicht wegen eines alkoholbedingten Fehlers gekündigt werden. Juristen sprechen von einer verhaltensbedingten Kündigung.

Aber: „Wenn alkoholkranke Menschen nicht in der Lage sind, ihre Arbeit zu verrichten, und eine negative Zukunftsprognose vorliegt, kann ihnen eine personenbedingte Kündigung ausgesprochen werden“, sagt Schröder. Eine negative Zukunftsprognose liegt etwa dann vor, wenn der Betroffene nicht an einer Entziehungskur teilnehmen möchte oder nach einem Entzug wieder rückfällig wird.

Und nach Feierabend?

Wenn der Computer heruntergefahren ist, können Mitarbeiter das machen, was sie für richtig halten – sofern sie am anderen Morgen wieder fit sind. Für Führungskräfte gilt das nur eingeschränkt, repräsentieren sie doch auch nach Feierabend ihr Unternehmen.

In Erinnerung bleibt der Fall von Margot Käßmann. Die ehemalige Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche wurde 2010 mit 1,5 Promille im Blut in ihrem Auto gestoppt. Sie trat danach von ihrem Posten zurück. Und der Deutschland-Chef von Becks, Till Hedrich, wurde gegangen. Er verursachte 2015 unter Alkoholeinfluss einen Autounfall.

Wie können Führungskräfte alkoholabhängigen Mitarbeitern helfen?

Experten schätzen, dass mehr als zehn Prozent der Belegschaft eines Unternehmens von Suchmitteln abhängig ist. Auch Alkohol beeinträchtigt die Gesundheit der Angestellten, sorgt für Fehlzeiten – und verursacht Kosten für das Unternehmen.

Vor diesem Hintergrund sollten sich Führungskräfte mit ihren womöglich alkoholabhängigen Mitarbeitern befassen. Fünf Tipps:

  • Sensibel sein: Sie sollten mit auffälligen Kollegen klärende Gespräche führen und „Mitarbeiter mit Alkoholproblemen weder diskriminieren noch negativ über sie reden“, heißt es in einer Informationsbroschüre der Barmer-Ersatzkasse.

  • Rechtzeitig eingreifen: Wenn der Mitarbeiter lallt, unsicher durch den Flur stolpert oder eine Alkoholfahne hat, sollten Sie spätestens eingreifen und seine Tätigkeit stoppen. Am besten einen unbeteiligten Dritten aus der Personalabteilung hinzuziehen

  • Gespräche führen: Sie sollten den Mitarbeitern mit konkreten Fakten über sein Fehlverhalten konfrontieren und Maßnahmen zur Verbesserung vereinbaren.

  • Hilfen anbieten: Weisen Sie die Kollegen etwa auf die betriebliche oder außerbetriebliche Suchtberatung hin.

  • Vorbild sein: Führungskräfte können auf ihre Mitarbeiter einwirken, indem sie mit gutem Beispiel vorangehen. „Verzichten Sie bewusst auf Alkohol am Arbeitsplatz“, heißt es in der Broschüre – selbst dann, wenn es gesetzlich gar nicht verboten ist.

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