Das Erfolgsportal von
Handelsblatt & WirtschaftsWoche
Know-how und Inspiration für alle, die einen Top-Job
suchen, ihr Gehalt optimieren und im Beruf hoch hinaus wollen.

Vorstellungsgespräch Personaler packen aus – Wie sich die meisten Bewerber blamieren

Blümchen auf dem Lebenslauf, falsche Angaben im Anschreiben oder Bewerber, die mitten im Gespräch gehen – Personaler berichten von ihren skurrilsten Begegnungen. Sechs Lehrstücke aus der Praxis.

Vorstellungsgespräch | Von Lazar Backovic |

Personaler packen aus – Wie sich die meisten Bewerber blamieren

Schwieriges Recruiting

Gefährliche Dummheit: Manche Bewerber scheitern an sich selbst, wenn sie versuchen, auf einfachste Weise einen Job zu ergattern.

Foto: Nick Fewings/unsplash.com

Ein Vorstellungsgespräch dauert in der Regel etwa eine Stunde. Es kann aber auch deutlich schneller vorbei sein, nämlich dann, wenn der Bewerber in eine der vielen No-Go-Areas des Bewerbermarkts betritt. karriere.de hat sich in den Personalabteilungen großer Unternehmen umgehört und absurde Erlebnisse geschildert bekommen:

Lehrstück 1: Zu dick aufgetragen

Philip Eisenhardt, Leiter Recruiting Deutschland, Thyssen-Krupp AG:
Ein Bewerber hat uns geschrieben, er finde nach dem Studium keinen Berufseinstieg, was jedoch keinesfalls an seiner Qualifikation oder Motivation liegen könne. Seine Initiativ-Bewerbung begann mit einem vollen zwei Seiten langen Anschreiben, das nur aus vermeintlichen Stärken und Erfolgen bestand.

In dem erklärte der Kandidat, wie schon seine Mitschüler applaudierten, wenn er in der Schule ein Referat hielt; dass ein Chefredakteur ihn zum Testfahrer für eine Auto-Zeitschrift machen wollte; und dass ein Bundesvorsitzende einer Partei ihn regelmäßig um Rat frage.

Nur: Kein Wort zu seiner Ausbildung. Oder darüber, für welche Art von Stelle er sich interessierte. Im 20 Megabyte großen Anhang zu seiner Mail fand sich unter anderem eine handgeschriebene Beurteilung für ein Schülerpraktikum in der 9. Klasse. Aber auch hier: kein Abi-Zeugnis, kein Hochschul-Zeugnis, obwohl er laut Lebenslauf gleich zwei Studienabschlüsse hatte.

Mir blieb nur, ihn am Telefon auf die gängige Literatur zu Bewerbungen hinzuweisen. Kurzum: Sich selber „verkaufen“ – ja, aber bitte realistisch bleiben. Der Kandidat hat sich bedankt. Einige andere beschimpfen uns schon mal, wenn wir eine Bewerbung absagen. Auch das hilft niemandem.

Lehrstück 2: Der plagiierte Lebenslauf

Maximilian Mendius, Leiter Talent Scouting und Personalauswahl, BMW Group:
Ich hatte einmal einen Bewerber mit einem sehr ansprechenden Lebenslauf. Im persönlichen Gespräch fragte ich ihn nach der im CV angegebenen Erfahrung in unserem Haus: „Ich sehe, Sie waren schon einmal bei uns Praktikant.“ Die Antwort kam prompt „Auf gar keinen Fall“.

Ich bohrte nach und sprach ihn auf die Angaben im Lebenslauf an. Das Ergebnis: Er hatte einfach den Lebenslauf eines Freundes, der bei uns eine Anstellung erhalten hatte, kopiert und seinen Namen eingetragen. Das war natürlich keine Basis für eine Zusammenarbeit.

Ehrlichkeit und Authentizität sind für uns zentrale Aspekte in einer Bewerbung – stark geschönte oder gar gefälschte Unterlagen sind daher ein absolutes „no go“. Ich empfehle, vermeintlich nachteilige Aspekte der eigenen Biografie schlüssig und authentisch zu erklären. Damit kann man aus einer Schwäche in der eigenen Wahrnehmung vielleicht sogar eine Stärke machen.

Bewerber sollten sich auch nicht davon abhalten lassen, sich auf eine spannende Stelle zu bewerben, wenn sie nicht alle aufgeführten Anforderungen erfüllen. Denn – nur wer sich bewirbt kann den Job auch bekommen.

Lehrstück 3: Einmal googeln, bitte!

Dominik Hahn, Leiter Talentakquise und Employer Branding, Allianz SE:
Natürlich kommt es hin und wieder vor, dass sich Bewerber ungenügend auf ein Vorstellungsgespräch vorbereiten, und sich zum Beispiel nicht die Mühe machen, die Unternehmenswebseite anzusehen oder den Begriff „Allianz“ zu googeln und sich hier die aktuellen Nachrichten anzeigen zu lassen. Wir sehen das gerade bei Bewerbungen für Praktika oder Werkstudentenstellen.

Grundsätzlich ist die Qualität der Bewerbungsgespräche hoch. Was wir jedoch feststellen, ist, dass das Bewerbungsgespräch der Schritt innerhalb des Bewerbungsprozesses ist, der nach wie vor eine Art „Black Box“ für KandidatInnen darstellt. Sie wissen schlicht nicht, was sie zu erwarten haben, was natürlich auch daran liegt, dass es dazu nur wenig Information auf offiziellen Unternehmenskanälen gibt.

Daher bieten wir seit Herbst 2018 die Möglichkeit, sich per Google Assistant auf ein Job Interview bei der Allianz vorzubereiten. Der digitale Assistent wirft echte Fragen aus, auf die der Bewerber entweder unter Zeitdruck antworten muss oder sich in der Vorbereitung so viel Zeit lassen kann, wie der Kandidat möchte.

Lehrstück 4: Was einem bei Blumen blüht

Lars Pfeiff, Teamleiter im Hochschulrecruiting, Deutsche Bank:
Letztes Jahr hat sich eine Kandidatin für ein Traineeprogramm in unserem Technologiebereich mit einer rein papierhaften, drei- bis vierseitigen bunten Mappe auf dem Postweg beworben. Geblümtes Papier und ein großes DIN-A4-Foto lenkten stark von den Angaben zu bisherigen Noten, IT-Kenntnissen und anderen Fähigkeiten ab.

Recruiter haben in der Regel nur kurze Zeit, sich einen Gesamtüberblick über einen Bewerber zu verschaffen, daher sollte ein Lebenslauf übersichtlich, klar strukturiert sein und 1-2 Seiten nicht überschreiten. Prüfen Sie, ob Online-oder Postbewerbungen gewünscht sind und halten Sie sich an den angegebenen Weg. So hat Ihre Bewerbung die besten Chancen zu dem richtigen Ansprechpartner zu gelangen.

Und die Form der Bewerbung hängt auch von dem Job ab, um den es geht. Die Bewerbung für ein Architekturbüro muss anders aussehen, als die für den IT-Bereich einer Bank. 

Lehrstück 5: Die Generation Z tickt anders 

Alexandra Voecking, Abteilungsleiterin Recruiting, Fiducia & GAD IT:
Der Personalmarkt wandelt sich. Bewerber wählen Arbeitgeber bewusster aus. Da kommt es schon mal vor, dass ein Kandidat das Gespräch nach zehn Minuten abbricht, aufsteht und geht. Das kann man machen, muss man aber nicht.

Die Bewerber fragen nach Flexibilität, Eigenverantwortung und Entfaltungsmöglichkeiten für eigene Ideen. Das passt gut zu uns! In der Bankenbranche kommt es aber auch auf Zuverlässigkeit und Präzision an – auch das sollte ein Kandidat ausstrahlen. Ganz andere Erwartungen hat die Generation Z, die gerade im Arbeitsmarkt ankommt.

Sie legt wieder mehr Wert auf langfristige Perspektiven und eine klare Trennung zwischen Beruf und Privatleben. Da hört man auch den Wunsch nach festen Arbeitszeiten und klaren Arbeitsbeziehungen.

Wir repräsentieren beides: den seriösen Banken-IT-Markt, wo Sicherheit und Nachhaltigkeit eine große Rolle spielen, und den Software-Start-Up-Spirit, der agil, selbstorganisiert, offen, dynamisch und mit einem Spaßfaktor verbunden ist.

Wer sich darauf einlässt, hat bei einem Bewerbungsgespräch gute Chancen. 

Lehrstück 6: Der erste Eindruck kann auch täuschen 

Michael Staab, Personalleiter am Standort Regensburg, Continental:
Auch wenn nicht alle den „Bewerbungs-Knigge“ gelesen haben, liegt es am Ende an uns Personalern, die Talente der Bewerber zu erkennen. Allerdings ist mir ein Bewerber dann doch besonders in Erinnerung geblieben.

Trotz einer ungewöhnlichen Bewerbung und einer unkonventionellen Mailadresse ([email protected]) haben wir ihn eingeladen – und waren sofort begeistert.

Aufgrund seiner passgenauen Fähigkeiten und Fertigkeiten haben wir ihn direkt eingestellt. Der erste Eindruck kann eben auch täuschen. 

Artikel teilen

Lade Seite...