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Vom Consulting lernen Wo Berater Vorbilder sind – und welche Fehler sie dennoch machen

Gestik, Mimik, Kleidung, Wortwahl: In kaum einer anderen Branche wird darauf so viel Wert gelegt wie bei Unternehmensberatern. Das spielt schon bei der Bewerbung eine große Rolle.

Von Alex Wolf |

Wo Berater Vorbilder sind – und welche Fehler sie dennoch machen

Authentische Teamplayer

Abgucken in der Consultingbranche: Aber auch Berater machen Fehler. Was Andere daraus lernen können.

Foto: imago images / Ralph Peters

Sie sind ständig in den verschiedensten Unternehmen der unterschiedlichsten Branchen im Einsatz, und: Nicht selten werden sie gehasst – und müssen doch stets top-professionell bleiben. Die Rede ist von Unternehmensberatern.

Und gerade weil kaum ein anderer Geschäftsbereich so viel Wert auf perfektes Auftreten bei einem vergleichsweise schwierigen Job legt (fremden Chefs erklären, wie sie ihren Betrieb führen sollten), können sich nicht nur Einsteiger in anderen Berufen eine Menge von (angehenden) Consultants abgucken.

Bewerbung mit Stil: Die Branche als Maßstab

Wie bei jedem Bewerbungsgespräch kommt es bei den Beratern zuerst auf die grundlegenden Dinge an.

„Die Bewerbungsunterlagen sollten natürlich ordentlich und vollständig sein“, sagt Prof. Dr. Dirk Hartel, Studiengangsleiter für BWL-Dienstleistungsmanagement an der DHBW Stuttgart und Autor des Buches „Consultant-Knigge“.

Eine aussagekräftige Bewerbung sollte zeigen, dass der Bewerber engagiert, interessiert und fachlich geeignet ist. „Wenn man sich nicht gerade in der Werbebranche bewirbt, sollte die Bewerbung aber nicht zu verrückt oder exotisch sein“, warnt Hartel.

„Viel wichtiger als die Aufmachung sind die Fakten, die dahinterstehen, zum Beispiel bereits gesammelte Auslandserfahrung oder Praktika in der Branche.“

Vorstellung mit Know-how: Präzise Vorbereitung entscheidet

Etwas spezieller wird es beim Bewerbungsgespräch selber. Dirk Hartel empfiehlt vor allem eine gute Vorbereitung. Es helfe, die Wirtschaftspresse intensiv zu verfolgen, um ein Gefühl für Trends und Entwicklungen zu bekommen. „Zudem sollte man als Bewerber wissen, was die Branche, in der die Beratung tätig ist, aktuell umtreibt“, ergänzt Hartel.

Nicht zuletzt kann man für ein Bewerbungsgespräch in der Consultingbranche ganz praktisch üben. „Häufig wird von den Bewerbern verlangt, ein konkretes Problem zu lösen. Solche Case-Studies, mit denen man im Berufsalltag immer wieder zu tun hat, lassen sich zwar nur bedingt inhaltlich vorbereiten, aber prozessual.“

„Wenn wir einen Bewerber eingeladen haben, gibt es keine Überraschungen mehr“, sagt Nadja Peters, Director of Recruiting bei der Unternehmensberatung McKinsey. Das Bearbeiten von Case-Studies zu üben, sei sinnvoll, sagt auch Peters. Noch wichtiger aber sei: „Die Bewerber sollen sich selbst mitbringen, wir wollen den Menschen kennenlernen.“

Neben der fachlichen Vorbereitung könne ein Bewerber sich überlegen, welche Erfahrungen im Leben er gemacht habe, die für den Beruf als Berater hilfreich sein könnten: „Wann hat man im Team gearbeitet, wann musste man Überzeugungskraft beweisen, an welchem Ziel hat man gemeinsam gearbeitet?“, fragt Peters.

Richtiger Dresscode: Auf den Kunden kommt es an

Generell gelte, dass ein gepflegtes Äußeres eine der Grundvoraussetzungen für beruflichen Erfolg ist. „Ungewaschene Haare oder ein unangenehmer Körpergeruch sind keine guten Argumente, besonders in einer Branche, in der viel mit externen Kunden gearbeitet wird“, sagt Dirk Hartel.

Der Dresscode hingegen sei heute nicht mehr so streng wie noch vor einigen Jahren, als den

Beratern noch der Ruf der grauen Anzugträger vorauseilte. „Die Branche ist heute vielfältiger.“ Peters empfiehlt eine gesunde Mischung aus professioneller Businesskleidung und eigenen Akzenten.

„Bunte Bärchen auf der Krawatte, übertrieben viel Schmuck oder schweres Parfüm sind nicht angebracht“, meint Autor Dirk Hartel. Auch von aufreizender Kleidung rät der Experte ab. Tattoos, Frisur oder ein Bart seien hingegen meist kein großes Thema mehr.

Perfekter Auftritt: Unprätentiös und authentisch rüberkommen

Selbst wenn im Vorstellungsgespräch keine Fallen lauern, so gibt es doch Dinge, die man als Bewerber lieber nicht sagen sollte. „Selbstbewusstsein ist gut, aber reden Sie nicht nur von sich!“, rät BWL-Professor Hartel.

Zu viel Egoismus sei in der Consultingbranche fehl am Platz. „Gesucht wird ein Teamplayer, keine Diva.“ Viele Bewerber hätten hervorragende Abschlüsse – das rechtfertige aber keine Arroganz: „Ein Kollege von mir hat mal gesagt:

Sei lieber freundlich als clever, denn das sind wir hier alle“, erinnert sich Hartel.

Passende Soft Skills: Glänzen mit kommunikativem Talent und Bescheidenheit 

Das gelte auch für die erste Zeit im Beruf, ergänzt Nadja Peters. „Natürlich wollen wir Mitarbeiter, die selbstständig sind, eine Meinung haben und diese auch vertreten können. Gerade am Anfang sollte aber auch eine gewisse Bescheidenheit vorhanden sein.“

Wichtig seien weitere Soft Skills wie Empathie und die Fähigkeit, zuzuhören. „Unsere Berater kommen von außen zu unseren Klienten, sind ihnen zunächst fremd. Da ist ein Talent für Kommunikation besonders wichtig“, weiß Peters.

Außerdem brauche ein Berater gute Analysefähigkeiten und Lust darauf, Lösungen für Probleme zu finden. „Wichtig ist zudem ein gutes Selbstbewusstsein“, so Dirk Hartel, „immerhin muss ein Berater dem Kunden seine Ideen vermitteln – und das manchmal auch gegen Widerstände.“

Ultimative Dos & Don'ts: Was Berater im Job beachten müssen

Golf statt Cabrio:
Seriöses Auftreten ist wichtiger als das Ego.

Der Kunde ist König:
Es kommt auf den richtigen Umgang an.

Pauschalurteile und Bauchgefühle gehören nicht in die Beratung – es sei denn, sie sind mit Daten belegt.

Rampenlicht:
Als Berater steht man oft im Fokus, daher sollte man bewusst und reflektiert handeln. Flache Hierarchien bedeutet nicht, dass es keine Hierarchien gibt.

Trotz Duz-Kultur:
Respekt und Demut zeigen, gerade am Anfang, in der Lernphase.

Anstatt einfach zu machen (und dann vielleicht falsch):
Fragen stellen, neugierig sein

Vorbereitung auf den Kunden ist alles:
Unternehmenskultur, Landeskultur etc. kennenlernen und sich daran anpassen.

Offenheit für Veränderung:
Jedes Projekt ist anders, die Rahmenbedingungen ändern sich ständig

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