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Solo-Selbstständige Männlich, 45 Jahre, IT-Kenntnisse

Eine Umfrage in der EU zeigt, dass in Deutschland Freiberufler einem Stereotyp folgen. In Frankreich und Spanien ist das anders.

Arbeit und Coronavirus | Von Angelika Ivanov |

Wegen der Umsatzeinbußen in der Corona-Krise denken viele Unternehmen darüber nach, wie sie Personalkosten einsparen. Ein Mittel dazu ist, feste Mitarbeiter zu kündigen und durch Solo-Selbstständige, auch Freelancer genannt, zu ersetzen.

Laut Mikrozensus des Statistischen Bundesamtes gibt es davon rund vier Millionen Menschen. Zum Vergleich: 44,6 Millionen sind bei einem Arbeitgeber angestellt. Es ist also noch immer eher ungewöhnlich, sein eigener Chef oder seine eigene Chefin zu sein.

Wobei es in Deutschland eher die Männer sind, die unabhängig arbeiten wollen – wie eine Studie der Unternehmensberatung Boston Consulting in Kooperation mit Malt, einer europäischen Plattform für Freelancer, zeigt. Demnach wagen vor allem Männer, die im Schnitt 45 Jahre alt sind, einen Hochschulabschluss haben und bereits Berufserfahrung haben, den Schritt in die Selbstständigkeit.

2500 Freiberufler aus Deutschland, Frankreich und Spanien haben online beantwortet, was sie antreibt und ob sie die Freiberuflichkeit auch in wirtschaftlich schwierigen Zeiten während und nach Corona weiterführen möchten.

Doch was sind eigentlich Freelancer? Was verdienen sie? Und träumen sie sich zurück in die Festanstellung?

Was sind eigentlich Freelancer oder Solo-Selbstständige?

Freelancertum und Solo-Selbstständigkeit meint eine freiberufliche Arbeit – ohne festen Arbeitgeber. Freelancer arbeiten entweder an Projekten oder einzelnen Aufgaben. Bezahlt werden sie meistens stundenweise über ein Honorar oder einen Werkvertrag. Rechtlich wichtig ist, dass sie Arbeitszeit und -ort frei gestalten können und „nicht weisungsgebunden“ sind. Müssen die Mitarbeiter an bestimmten Tagen an einem bestimmen Ort sein und Aufgaben abarbeiten, kann aus einem solchen Arbeitsverhältnis schnell Scheinselbstständigkeit werden.

Wer hat an der Befragung teilgenommen?

Die Freelancer der Plattform Malt, die an der Umfrage teilgenommen haben, arbeiten entweder im Bereich Daten und IT (24 Prozent), technisch-kreativen Berufen wie etwa Ton- oder Webdesign (19 Prozent) sowie als Unternehmensberater und Agile Coaches (18 Prozent). Sie sind also hochqualifiziert.

Wer steckt dahinter?

In Deutschland sind die spezialisierten Freelancer vor allem männlich (74 Prozent Männer), während in Frankreich und Spanien der Anteil der Frauen höher ist. Dort sind 45 und 34 Prozent der Frauen selbstständig. Auch sind sie im Durchschnitt erst 37 Jahren als und damit acht Jahre jünger als die deutsche Vergleichsgruppe. Über 90 Prozent der Freelancer in allen Ländern waren vorher fest angestellt.

Was treibt sie an?

Flexibilität und Selbstbestimmtheit: An der Freiberuflichkeit schätzen die meisten ihre freie Zeiteinteilung und die Freiheit, die Aufgaben selbst zu wählen. Die Arbeitszeit ist aber eher länger als in einem Anstellungsverhältnis. Laut Umfrage liegt sie im Schnitt bei 44 Stunden pro Woche.

Zusätzlich bilden sich Freiberufler fast fünf Stunden pro Woche weiter. Da viele aus der Techbranche kommen, wundert es wenig, dass die meisten Freelancer mit agilen Methoden vertraut sind und dies in ihren Einsätzen und Projekten auch anwenden.

Was verdienen Freelancer?

Eigentlich ist die Bezahlung gut. Laut Umfrage verdienen Freelancer ähnlich gut wie hochqualifizierte Fach- oder Führungskräfte: also ab 65.000 Euro und mehr pro Jahr.

Doch es gibt einen erheblichen Unterschied in der Vergütung von Männern und Frauen. Der Gender Pay Gap, also die Lohnlücke zwischen den Geschlechtern, existiert auch bei Solo-Selbstständigen und liegt bei 26 Prozent. Sprich: Frauen werden für die gleiche Arbeit mit einem Viertel weniger entlohnt. Zum Vergleich: Innerhalb fester Beschäftigungsverhältnisse liegt der Gender Pay Gap bei 21 Prozent.

In Frankreich ist der Unterschied mit 17 Prozent bei weiblichen Freelancern gegenüber 15 Prozent bei weiblichen Angestellten ebenfalls höher. Nur in Spanien werden freiberuflich arbeitende Frauen fairer bezahlt. Hier liegt der Gender Pay Gap bei zehn Prozent. Bei den Festangestellten liegt der Unterschied wie in Frankreich bei 15 Prozent.

Wie geht es nach Corona für die Freiberufler weiter?

Das Stimmungsbild ist verhalten bis positiv. In allen drei Ländern geben mindestens 40 Prozent der Befragten an, dass sie unter den wirtschaftlichen Einschnitten der Corona-Pandemie gelitten haben. Über 80 Prozent der Befragten zeigten sich unsicher bezüglich ihrer beruflichen Zukunft.

Auch wenn Freelancer stark von der Coronakrise betroffen waren, gibt die Hälfte der Befragten an, halbwegs gut durch den Lockdown gekommen zu sein. Zurück ins Angestelltendasein wollen die meisten nicht gehen. Vor allem in Frankreich ist das für 84 Prozent der Freiberufler keine Alternative. Auch in Deutschland halten Selbstständige und Gründer an ihren Zielen fest. Laut einer Umfrage der Kreditanstalt für Wiederaufbau (KFW) im April sind nur zwei Prozent der Befragten bereit, ihre Selbstständigkeit abzubrechen.

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