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Immer weniger Unternehmensgründer: Coronakrise wirkt sich auf Selbstständigkeit aus

Langzeitfolgen der Pandemie Immer mehr potenzielle Unternehmensgründer geben wegen Corona auf

Sicherheit geht vor: Die Lust am Gründen lässt nach – und viele Selbstständige wollen lieber in ein Angestelltenverhältnis wechseln, zeigt eine repräsentative Studie.

Karriere.de / KA |

Die berufliche Selbstständigkeit ist wegen der Coronakrise unattraktiver denn ja. Mehr als ein Drittel aller Angestellten, die vor der Corona-Zeit Pläne für eine berufliche Selbständigkeit hatten, will sie jetzt nicht mehr verfolgen. Und nicht nur das: Jeder sechste der heute Selbständigen möchte lieber in ein Angestelltenverhältnis wechseln, wenn es die Möglichkeit dazu gibt.

Deutschland droht nach der Coronakrise damit ein nachhaltiger Aderlass an selbstständigen Unternehmern und Freiberuflern. Diese Langzeitfolge der Pandemie ergibt sich aus der repräsentativen Befragung von mehr als 3600 Berufstätigen in Deutschland, die von HDI zusammen mit dem Institut YouGov durchgeführt wurde.

Mittlerweile ist zudem fast die Hälfte der Angestellten überzeugt, dass es nach der Coronazeit hierzulande weniger Selbstständige als zuvor geben wird.

Tatsächlich ergibt die gleichzeitige Befragung von bereits Selbstständigen auch dafür Belege: Fast jeder sechste Selbständige gibt demnach an, dass er bei passender Gelegenheit „jetzt lieber in ein Angestelltenverhältnis wechseln möchte, wenn ich die Gelegenheit hätte".

Zukunft des Gründens in Gefahr

Das könnte sich auch auf die Zukunft des Gründens auswirken: Denn jeder siebte Selbstständige sagt, dass „ich meinen Kindern durch die Erfahrungen der Coronazeit nicht mehr zur beruflichen Selbstständigkeit raten könnte".

In dieser Angst sieht Patrick Dahmen, Vorstandsvorsitzender der HDI Lebensversicherung, eine „ernste Gefahr für die wirtschaftliche Entwicklung Deutschlands“: Deutschland lebe schließlich von seinem Unternehmertum: „Der Mittelstand und eine hohe Zahl an Neugründungen bringen neue Ideen, Fortschritt und langfristig Arbeitsplätze.“

Und gerade im „New Normal“ nach der Corona-Zeit sei besonders viel wirtschaftlicher Schwung nötig, um die Folgen der Pandemie abzufedern.

Vor allem die finanziellen Risiken treiben die Selbstständigen um. Das gaben fast drei Viertel von ihnen an. Mehr als jeder fünfte Selbständige hat seit der Coronakrise auch persönlich bereits finanzielle Existenzängste. Zwei von drei der befragten Selbstständigen befürchtet, „dass es durch die Coronazeit zu einer Pleitewelle in Deutschland kommen wird".

Sorge vor Peitewelle bei Marketing, Werbung und Medien

Das sehen auch die Angestellten in Deutschland ähnlich: Rund 60 Prozent sorgen sich darum – berufstätige Männer noch mehr als Frauen. Mit Abstand am stärksten ausgeprägt ist die Furcht bei Arbeitnehmern im Bereich Marketing, Werbung und Medien.

In dieser traditionell durch viele kleine und Kleinst-Unternehmen geprägten Branche erwarten drei Viertel aller Beschäftigten eine Pleitewelle und auch 69 Prozent einen Schwund an Selbständigen nach der Corona-Zeit.

„Die Ergebnisse sind leider sehr ernüchternd, bestätigen aber den Trend in Deutschland zu weniger Selbstständigkeit“, erklärte Marcel Fratzscher, Präsident des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW), bei der Vorstellung der HDI-Studie. Politik und Gesellschaft müssten schon jetzt „Anreize dafür schaffen, Selbständigkeit zu fördern – sei es durch den Abbau bürokratischer Hürden, Förderung oder einer höheren Wertschätzung von Unternehmertum in Deutschland“.

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