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Kommentar Innere Kündigung: Tu es doch einfach!

Wer täglich im Büro jammert, und morgens am liebsten liegen bleiben möchte , sollte es tun. Und einfach kündigen, findet unsere Autorin. Dazu bietet der Jahreswechsel die perfekte Gelegenheit.

Von Angelika Ivanov |

Das Jahr ist so gut wie am Ende. Sie auch? Träumen Sie sich an den Strand und denken an bessere Zeiten? Zeiten ohne Job? Damit sind Sie nicht allein.

16 Prozent aller Beschäftigten in Deutschland haben sich emotional so weit von der eigenen Arbeit abgespalten, dass sie innerlich gekündigt haben. Zwar erscheinen sie bei der Arbeit, sind aber abwesend. Sie sind zu Zombie-Mitarbeitern mutiert.

Die restlichen 70 Prozent der Arbeitnehmer machen laut Gallup Engagement Index 2019 Dienst nach Vorschrift. Nur 15 Prozent sind engagiert dabei. In den Jahren davor sah es ganz ähnlich aus.

Ohne Plan B zu kündigen, ist konsequent und ehrlich

Die Folgen dieser mentalen Abwesenheit: Produktivität und Qualität sinken, Kunden fühlen sich schlecht behandelt. Außerdem passieren häufiger Fehler, genau wie Un- und Ausfälle. Arbeitgeber zahlen somit drauf, weil sie für Arbeitsleistung zahlen, die ausbleibt.

Eine klassische Lose-Lose-Situation. Alle Jahre wieder.

Dabei gibt es einen einfachen wie furchterregenden Ausweg: Kündigen Sie einfach. Ohne Plan B, ohne neue Stelle, ohne Absicherung. Hadern Sie noch? Dann machen Sie einen kurzen Selbstest.

  • Wann bin ich das letzte Mal motiviert aufgestanden und zur Arbeit gegangen?
  • Wann habe ich nach einer Arbeitswoche das letzte Mal zufrieden auf meine Arbeitsleistung zurückgeblickt?
  • Wann habe ich das letzte Mal gut über meinen Chef gesprochen?
  • Oder die Kollegen?

Wenn Sie Schwierigkeiten haben, sich zu erinnern, nährt das den Verdacht, dass es an der Zeit ist, im neuen Jahr zum Chef zu gehen und zu kündigen (die Anleitung für die richtige Kündigung). Innerlich scheinen Sie das schon lange durchgespielt zu haben.

Einfach so kündigen? Ganz ohne Plan B? Das mag verwegen klingen. Vor allem für jemanden, der Kinder ernähren oder Kredite bedienen muss. Doch es ist vor allem eins: konsequent und ehrlich.

Langfristig zahlt es sich aus. Vor allem wenn Ihre Motivation und Produktivität wieder aufblüht. Denn: Auch das zeigt der Gallup Engagement Index Jahr für Jahr – engagierte Mitarbeiter sind erfolgreicher im Job.

Immer noch ein furchterregender Gedanke? Klar, das ist normal. Hier sind ein paar Argumente, die beruhigen. 

Die Kündigung richtig planen

Zwischen Konsequenz und Leichtsinn gibt es einen großen Unterschied. Bevor Sie Hals über Kopf kündigen, ist ein Blick aufs Konto definitiv sinnvoll. Kommen Sie drei, vier Monate über die Runden, um Ihre Fixkosten für Wohnen, Essen, Versicherungen und ähnliches zu stemmen?

Dann steht Ihrem mutigen Schritt nichts mehr im Weg. Ist das nicht der Fall: Sparen Sie ein wenig für Ihre Freiheit.

Der Plan zu kündigen ist besser als einfach so weiterzutrotten. Ist Ihnen das nicht radikal genug, fragen Sie im engeren Freundes- und Verwandtenkreis, ob Sie jemand finanziell für eine kurze Zeit unterstützen kann. Sicherlich wird Ihr Umfeld Verständnis dafür haben, dass Sie Ihrer inneren Stimme folgen wollen. 

Partner mit einbeziehen

Überhaupt sind Gespräche mit Menschen, denen Sie vertrauen, sinnvoll, bevor Sie die Reißleine ziehen. Beziehen Sie unbedingt auch frühzeitig ihr direktes Lebens- und Liebesumfeld in diesen wichtigen Schritt ein. Zusammen können sie besser erörtern, wie Sie die Zeit nach der Kündigung finanziell und emotional am besten durchstehen.

Die freie Zeit können Sie für die persönliche Erholung und Entwicklung nutzen, sozusagen eine selbstverordnete Burn-Out-Prävention. Ist erst einmal der gröbste Stress weggegeschlafen, kommen neue Ideen für den nächsten Job von allein.

Keine neue Stelle ist kein Problem

Derzeit herrscht ein Arbeitnehmermarkt. Das heißt: Firmen suchen händeringend qualifizierte Mitarbeiter. 1,4 Millionen offene Stellen sind aktuell in deutschen Unternehmen ausgeschrieben.

Der Jobmarkt quillt über. Das heißt auch: Niemand muss seine Stelle auf Ewigkeit ausfüllen. Es gibt zahlreiche Alternativen. Nutzen Sie Onlinedienste, die Sie per Mail benachrichtigen, wenn spannende Jobs ausgeschrieben sind – wie etwa hier auf karriere.de.  

Was, wenn alles schief geht?

Eine Frage, die vor mutigen Schritten auch hilft, lautet: Was wäre das Schlimmste, was passieren könnte? Mal angenommen, Sie kündigen ohne Plan B. Sie bekommen Panik, weil das Geld zur Neige geht. Nach zwölf Monaten steigen Sie vom Arbeitslosengeld auf Hartz IV um, haben also noch weniger Geld.

Klar, das klingt furchtbar. Aber mal ehrlich: Die Wahrscheinlichkeit, dass dieses Szenario eintritt, ist sehr gering.

Vielleicht kommen aber auch Erinnerungen an die Studentenzeit hoch. Als sie viel Freizeit hatten. Damals konnten Sie neue Dinge lernen, haben weniger konsumiert, mehr Menschen getroffen und Probleme kreativ gelöst.

Riskieren Sie etwas! Schließlich haben wir alle nur dieses eine Leben, das nicht nur abgesichert, sondern auch spannend und ungewiss sein darf.

Sie haben eine andere Meinung oder Ideen zu diesem Artikel, dann schreiben Sie der Autorin: Angelika Ivanov

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