Das Erfolgsportal von
Handelsblatt & WirtschaftsWoche
Alles, was erfolgreich macht.

Karrierecheck: Amazon versus Otto – wer bietet die besseren Karrierechancen?

Karrierecheck Amazon versus Otto – wer bietet die besseren Karrierechancen?

Der US-Konzern punktet mit Größe, Otto mit einer spannenden Unternehmenskultur.

Von Lazar Backovic |

Amazon gegen Otto – das ist New gegen Old Economy, Seattle gegen Hamburg-Bramfeld, zahlengetriebener E-Commerce gegen Bestell-Katalog – und in Deutschland natürlich auch ein Wettkampf um die hellsten Köpfe im Bereich Handel und Logistik

Amazon gilt als wertvollste Marke der Welt und ist bekannt für seine Innovationskraft. Dafür genießt der US-Riese als Arbeitgeber in Deutschland nicht den besten Ruf.

Immer wieder gibt es Berichte über harte Arbeitsbedingungen, gerade in den Logistikzentren.

Bei Otto ist das Bild genau umgekehrt: Lange Zeit galt das Familienunternehmen als solider Arbeitgeber, aber eben auch als etwas bieder und angestaubt. Inzwischen steckt die Otto Group inmitten eines tiefgreifenden Kulturwandels, der Talente anzieht. Die sichtbarste Veränderung bei Otto in den letzten Jahren war sicher das Ende des gedruckten großen Versandkatalogs im Jahr 2018.

Genug der Vorrede – her mit den Fakten: Wie steht es um die Karrierechancen der beiden Konkurrenten Amazon und Otto? Der große Karriere-Vergleich Otto versus Amazon:

Amazon oder Otto – wer ist größer?

Die Größe eines Unternehmens korreliert stark mit den Karriere- und Aufstiegschancen. Die Logik: In kleinen Unternehmen kommt man zwar schnell(er) an die Spitze, allerdings sind die Möglichkeiten, sich weiterzuentwickeln, begrenzt.

Im Duell Amazon versus Otto ist die Lage weltweit klar: Amazon (750.000 Mitarbeiter) steckt die Otto Group (52.500 Mitarbeiter) global gesehen in Sachen Mitarbeiterzahl gleich um das 14-fache in die Tasche. Ähnlich sieht es bei Umsatz und Gewinn aus.

International betrachtet also ein 1:0 für Amazon – jedoch mit Nachtrag.

Denn: Interessant wird die Verteilung, wenn man sich die Mitarbeiterzahlen für Deutschland anschaut. Dann schlägt die Otto Group mit gut 29.000 Mitarbeitern in Deutschland plötzlich Amazon. Der US-Konzern beschäftigt aktuell gut 18.000 Mitarbeiter in Deutschland.

Was man wissen muss: Die gesamte Otto-Unternehmensgruppe umfasst 123 Einzelgesellschaften, dazu zählen bekannte Handelsnamen wie Manufactum, Sport-Scheck, Heine, Baur und natürlich das Einzelunternehmen Otto, aber auch der firmeneigene Logistiker Hermes sowie Finanzdienstleistungen. Wechsel sind möglich, aber gerade, wenn es um eine andere Branche geht, eher unüblich.

Also belassen wir es beim Thema Größe beim 1:0 für den US-Riesen Amazon.

Otto oder Amazon – wer zahlt das bessere Einstiegsgehalt?

Da Gehälter ab einer gewissen Hierarchiestufe immer Verhandlungssache sind, sind Einstiegsgehälter ein guter Indikator dafür, wie es ein Unternehmen mit der Bezahlung seiner Mitarbeiter hält. Wir haben Amazon und Otto nach konkreten Zahlen gefragt und eigentlich nur von einem Unternehmen zufriedenstellende Antworten erhalten: von Otto.

Dort verdient ein Junior-Marketingmanager als Bachelor-Absolvent ohne Berufserfahrung aktuell rund 46.000 Euro im Jahr. Master-Absolventen liegen leicht darüber. Die Zahl bezieht sich – wie alle weiteren Otto-Zahlen in diesem Check – auf Otto als Einzelgesellschaft. Sie ist eine der wesentlichen der 123 Firmen im Otto-Kosmos.

Amazon antwortet nur pauschal mit einer „wettbewerbsfähigen Gesamtvergütung“.

Damit gleicht Otto aus – und punktet vor allem in Sachen Gehaltstransparenz.

Es steht 1:1.

Amazon oder Otto – wo gibt es mehr Urlaub?

Klar, auch Urlaubstage sind Verhandlungssache etwa bei Neueinstellung oder im Jahresgespräch. Doch in fast jedem Unternehmen gibt es Standardwerte für den Urlaub, mit dem die meisten Angestellten einsteigen – so auch bei unseren beiden Kontrahenten.

Und hier hat Otto mit 30 Urlaubstagen die Nase vorn. Amazon bietet standardmäßig nur 28 Urlaubstage.

2:1 für Otto.

Amazon oder Otto – wer bietet die attraktiveren Extras zum Gehalt?

Das Schöne an Arbeitsverträgen sind die vielen netten Zusatzleistungen, die gerade große Unternehmen gewähren. Amazon scheint darauf keinen Wert zu legen: „Unsere Antwort auf den Kampf um Talente sind keine stetig neuen Mitarbeiter-Benefits“, lässt das Unternehmen auf Anfrage ausrichten, „sondern herausfordernde Aufgaben und eine konsequent innovative Kultur.“

Als „Goodies“ erwähnt Amazon seine „stadtnahen Campus-Anlagen in aller Welt, etwa in Seattle, London, München, Berlin, Mailand und Tokio“. Dazu kommt die Möglichkeit, Sabbaticals zu nehmen und Zusatzleistungen zu erhalten, wie Altersvorsorge und Berufsunfähigkeitsversicherung.

All das gibt es bei Otto auch, plus firmeneigenes Fitnessstudio auf dem Gelände, zwei Kantinen, zwei Bistros, Zuschuss zum öffentlichen Nahverkehr sowie Rabatte im Onlineshop otto.de, Urlaubs- und Weihnachtsgeld.

3:1 könnte man also nach Punkten sagen. Aber: Halt!

Amazon ist für eine Zusatzleistung bekannt, die vielen Arbeitnehmern gefallen dürfte. Neben dem Grundgehalt bietet das US-Unternehmen für alle Mitarbeiter in Deutschland beschränkte Mitarbeiteraktien, sogenannte „Restricted Stock Units“ – dazu gibt es weitere Cash-Zahlungen in Abhängigkeit von der Einstiegsposition. Angesichts der positiven Entwicklung des Amazon-Aktienkurses in den letzten Jahren sind die „Restricted Stock Units“ ein wertvolles Goodie für Mitarbeiter. Da kann auch Ottos Kapitalbeteiligung nicht mithalten, die sich am Jahresgewinn des Familienunternehmens orientiert.

Punkt für beide also. Damit steht es 3:2 für Otto.

Und wer hat die flacheren Hierarchien – Amazon oder Otto?

New Work scheint die Zauberformel moderner Arbeitskulturen zu sein und für viele Talente ein wichtiges Kriterium, wenn sie einen neuen Arbeitgeber suchen. Amazon als Ex-Start-up hat agile Arbeitsweisen schon früh verinnerlicht. Otto hat in den letzten Jahren viele seiner altbewährten Methoden hinterfragt und Platz für Methoden wie Scrum, Kanban oder OKR gemacht.

Weil sich der Grad der Agilität eines Unternehmens schwer messen lässt, haben wir Otto und Amazon eine Stellvertreterfrage gestellt: Wie viele Hierarchiestufen sind es bis zum obersten Chef? Schließlich sind flache Unternehmensstrukturen ein wesentliches Merkmal von New Work.

Bei Otto als Einzelunternehmen gibt es fünf Hierarchieebenen vom Mitarbeiter ohne Führungsverantwortung bis zum Bereichsvorstand, der obersten Managementebene bei Otto. Zwischen einem Mitarbeiter in einem der „Corporate Offices“ und dem Country Manager von Amazon.de gibt es in der Regel nicht mehr als vier Ebenen, erklärt Amazon.

Somit ein später Ausgleich 3:3 – unentschieden

Ergebnis des Duells: Otto versus Amazon

Für welches der Unternehmen sich Fach- und Führungskräfte am Ende entscheiden, hängt an ihren eigenen Präferenzen.

Wie ist es mit Ihnen?

Ist Ihnen Größe wichtig – auch international – spornt es Sie an, in einem sehr stark zahlengetriebenen und kompetitiven Arbeitsumfeld unterwegs zu sein, dann spricht das eher für Amazon.

Wer den Radikalumbau eines deutschen Traditionsunternehmens live mitbekommen möchte und solide Arbeitsbedingungen eines Familienunternehmens wertschätzt, ist wahrscheinlich bei Otto besser aufgehoben.

So oder so: Das Unentschieden zeigt, dass Amazon und Otto zwei Arbeitgeber sind, die durchaus auf Augenhöhe miteinander konkurrieren. Vielleicht ist das für einige Beschäftigte in der Branche die größte Überraschung.

Envelope

Für Amazon wurden passende Jobangebote gefunden.

Wollen Sie diese und kommende Jobangebote per E-Mail zugesendet bekommen?

Jobs anzeigen
Benachrichtigung aktivieren
Dürfen wir Sie in Ihrem Browser über die neuesten Karriere-Themen informieren? Sie erhalten 1 bis 2 Meldungen pro Woche.
Fast geschafft
Erlauben Sie www.karriere.de, Ihnen Benachrichtigungen zu schicken. Dies können Sie in der Meldung Ihres Browsers bestätigen.
Benachrichtigungen erfolgreich aktiviert
Ab sofort bleiben Sie bei den aktuellsten Karriere-Themen auf dem Laufenden. Sie erhalten 1 bis 2 Meldungen pro Woche.
Lade Seite...