Karrierechancen Mittelstand macht mobil

Geht es um attraktive Arbeitgeber, lenken Berufseinsteiger ihren Blick nur selten auf mittelständische Unternehmen.

Anne Koschik |

Mittelstand macht mobil

Startklar für den Aufstieg in mittelständischen Unternehmen

Foto: Stefan Schurr/Fotolia.com

Lieber Top-Konzern als Mittelstand: Tolle Marken, gutes Umfeld, Großstadtfeeling bevorzugen junge, begabte Nachwuchskräfte stets gegenüber unbekanntem Terrain, vermeintlichem Mittelmaß und Leben in der Pampa. Die in Personalabteilungen heiß ersehnten Talente landen denn auch eher bei hippen Marken oder in den Dax-Konzernen, die oft als Spitzen-Unternehmen ausgezeichnet wurden und überdurchschnittliche Einstiegsgehälter zahlen. Ihre weltweit bekannten Namen schmücken Person und Lebenslauf.

Arbeitgeber-Rankings lassen Mittelstand vermissen

Jährlich erscheinen die Rankings der Top-Arbeitgeber, bei denen Absolventen und Berufseinsteiger am liebsten arbeiten möchten. Die Marken und Produkte dieser Global Player sind weithin bekannt: Porsche, BMW, Deutsche Lufthansa, Adidas, Bosch, Siemens, Google, Microsoft, Apple, Bayer, BASF, Ernst & Young oder McKinsey gehören zu den am häufigsten genannten Wunscharbeitgebern. Im Student Survey von Universum, bei Great place to Work, den Top 100 Arbeitgebern von Absolventa, in den Top Employers oder dem Trendence-Top-Arbeitgeberranking der Young Professionals kann man sich ein Bild davon machen.

Klingende Namen schmücken den Lebenslauf

Wer möchte nicht gerne seinen Lebenslauf mit diesen klingenden Namen schmücken, seiner Karriere dadurch einen Push geben und Wohlklang verleihen?

An dieser Stelle sei gesagt: Wer plant, in naher Zukunft ein Unternehmen zu gründen, sollte sich diesen Schmuck auch besser zulegen. Sich in seiner Vita auf Praktika oder erste Berufserfahrungen in namhaften Konzernen berufen zu können, hat sich oft bezahlt gemacht: Gründer haben es dadurch leichter bei der Kreditvergabe, bei der Suche nach Kapital und Sponsoren, beim Marketing und im Kundengespräch. 

Das Betätigungsfeld in großen Konzernen allerdings wird von den Bewerbern maßlos überschätzt. Denn die Hierarchien sind ausgeprägter und es dauert deutlich länger, bis ein Berufseinsteiger Entscheidungskompetenzen erhält: Arbeiten ist oft langweiliger und umständlicher, als gedacht. So hat der Verein Deutscher Ingenieure (VDI) festgestellt, dass gerade Ingenieure in Konzernen in den ersten Berufsjahren oft an ganz speziellen Problemen und Entwicklungen arbeiteten, ohne Fach- oder Führungsverantwortung übernehmen zu können. In mittelständischen Unternehmen sei die Chance, Verantwortung zu übernehmen, viel schneller gegeben – zumal Talente viel schneller in den Fokus der Chefetage gerieten.

Karriere geht schneller im Mittelstand

Mittelstand ist mit vielen Klischees behaftet: In den Köpfen spuken die Bilder von patriarchalischen Chefs, Firmensitzen im Nirgendwo, fehlender Internationalität und mangelnden Aufstiegschancen. Darüber klagen nicht nur Mittelstandsverbände- und institutionen sowie die Firmen selbst, auch Unternehmens- sowie Personalberatungen registrieren eine weitgehende Unkenntnis über die dort vorhandene Existenz bester Karriereaussichten.

Weit gefehlt: In den circa 3,5 Millionen mittelständischen Unternehmen mit allein rund 17 Millionen sozialversicherungspflichtigen Beschäftigten lässt sich häufig die schnellere, auch internationale Karriere machen. Zudem zählen zahlreiche dieser Unternehmen zu den sogenannten "Hidden Champions" – hoch spezialisierten und solide aufgestellten Weltmarktführern. Ihre (Spezial-) Produkte sind vielen unbekannt, häufig sind sie Zulieferer großer Konzerne und international im Einsatz. Etwa 1.600 dieser bedeutenden, innovativen und forschungsaktiven Mittelständler gibt es. Meist beschäftigen sie weniger als 300 Mitarbeiter. Ihre Erfolgsfaktoren beruhen auf globalem Wachstum als Unternehmensziel, exzellentem Prozess- und Wissensmanagement sowie Know-how-Schutz durch Schnelligkeit.

Größter Schwachpunkt sind Einstiegsgehälter

Solche mittelständischen Unternehmen punkten mit individuellen Entwicklungspfaden, Innovationsstärke, flachen Hierarchien, kurzen Entscheidungswegen, wenig Bürokratie, viel Eigenverantwortung, einem guten Verhältnis zum Management, einer interessanten Unternehmenskultur und einem angenehmen Arbeitsumfeld. Beschäftigte dieser Unternehmen schätzen besonders die abwechslungsreichen Tätigkeiten, selbstständige Gestaltung des Arbeitsablaufs und Einbindung in wichtige Unternehmensentscheidungen, hat das Institut für Mittelstandsforschung herausgefunden. Weil das in den Köpfen der Bewerber noch nicht verankert ist, locken immer mehr dieser Firmen mit Work-Life-Balance in Form von Yogakursen und Massagen am Arbeitsplatz oder etwa Kita-Einrichtungen. Denn insbesondere die Einstiegsgehälter entsprechen nicht immer den Wunschvorstellungen der Absolventen. Auch dass diese Unternehmen häufig in Regionen liegen, die junge Leute wenig anziehend finden, gleichen günstige Mieten und ein attraktives kulturelles Angebot nur bedingt aus.

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