Karriere-Wegweiser Keine Angst vorm Headhunter

Personalvermittler schätzen Eigeninitiative – auch bei jungen Talenten. Fünf Tipps, wie Sie beim Headhunter punkten.

Anne Koschik |

Keine Angst vorm Headhunter

Schluss mit der Warterei auf den Karriere-Sprung

Foto: Africa-Studio/Fotolia.com

Wer heute aufsteigen will – und dabei nicht vorgezeichneten Karriereverläufen im Unternehmen folgt, muss nicht warten, bis der Headhunter bei ihm anruft. Selbst die Initiative ergreifen, lautet die Devise.

Wenn Headhunter auf die Pirsch gehen, bedeutet das zunächst noch gar nichts: Wenn bei Ihnen das Telefon klingelt, ist daher weder Ehrfurcht geboten, noch das große Los gezogen. Aber der Kontakt ist ein erster Schritt, um ganz oben mitzuspielen.

Schließlich vergeben Headhunter oft exklusive und hoch dotierte Stellen – speziell wenn es um "Executive Search", also die Besetzung vakanter Führungspositionen, geht.

Insgesamt wird die Suche nach Top-Kräften angesichts der guten Konjunktur immer schwieriger, stellt der Bundesverband Deutscher Unternehmensberater (BDU) fest. Das gilt auch für die Besetzung von Spezialisten-Tätigkeiten und Positionen im mittleren Management. Was liegt also näher, als sich selbst als Kandidat ins Rennen zu bringen?

Einfach fest entschlossen zum Telefonhörer greifen oder eine Mail versenden und in eigener Sache beim Personalvermittler die Werbetrommel rühren.

Personalvermittler schätzen es oft sogar, wenn Karrierewillige selbst die Initiative ergreifen. "Wir nehmen diese Bewerber gerne in unsere Datenbank auf", stellt etwa Szilvia Lengyel, Head of Permanent Placement bei Randstad Deutschland, fest. "Ich bin froh über spannende Kandidaten mit interessanten Profilen", sagt auch Thomas Lüdeke, Geschäftsführer der PRCC Personalberatung in Düsseldorf, die vor allem in der Kommunikationsbranche aktiv ist. Doch was ist für einen Headhunter spannend?

Tipp 1: Erstmal nur den Lebenslauf einreichen

Gerade bei Initiativbewerbungen sollte zunächst nur der Lebenslauf beim Personalvermittler eingereicht werden. Die Unterlagen müssen

  • auf neuestem Stand sein
  • optisch sauber, strukturiert und solide formatiert sein
  • inhaltlich über Aussagekraft verfügen
  • die berufliche Entwicklung abbilden 
  • bisherige Aufgaben konkret schildern 
  • besondere Fähigkeiten hervorheben

Eigentlich selbstverständlich – und doch passieren hier laut Experten oft die meisten Fehler.

Tipp 2: Das Außergewöhnliche finden

Einen Headhunter interessiere vor allem, "wenn jemand nicht schon 20 Jahre lang ein- und dasselbe gemacht hat, sondern das Arbeitsleben aus unterschiedlichen Perspektiven kennt und aus diesen Erfahrungen schöpfen kann", sagt Personalvermittler Lüdeke. Das wäre zum Beispiel dann der Fall, wenn er mal im Industrieunternehmen, mal in der Beratung gearbeitet hätte. Oder in sehr unterschiedlichen Unternehmensbereichen. Wenn solche Kandidaten dann auch noch zu den Suchkriterien der Kunden passen, umso besser. Einem persönlichen Kennenlernen steht für Lüdeke in solchen Fällen nichts mehr im Weg.

Tipp 3: Auf die Motivation kommt es an

Das detaillierte Gespräch ist den Personalvermittlern sehr wichtig, erfolgt aber nicht immer vis à vis, sondern oft auch telefonisch. Es geht darum, mehr über die Persönlichkeit des Kandidaten und sein Interesse am Wechsel oder der neuen Rolle zu erfahren. Die Motivation sei im Vergleich zu den fachlichen Qualifikationen mindestens gleichrangig zu werten, so Lüdeke.

"Unternehmen möchten eine Passion spüren, einen Drive, die Lust des Bewerbers, sich einbringen zu wollen." Sich in dem Punkt zu verstellen, funktioniere dann auch gar nicht, Authentizität zähle hier besonders. Es sei wichtig, "einen Eindruck davon zu bekommen, ob der Kandidat auch in die Unternehmenskultur des Auftraggebers passt", betont in dem Zusammenhang Sladjan Petkovic von Robert Half.

Tipp 4: Die eigenen Chancen realistisch einschätzen

Gerade Initiativbewerber sollten sich vor Augen führen, dass die Auswahl möglicher Kandidaten für die Vermittler zwangsläufig überschaubar ist. Auch erhalten sie keine Vermittlungsgarantie – auch dann nicht, wenn sie als Bewerber in die engere Auswahl kommen. Denn nur knapp zehn Prozent der Vakanzen im oberen und mittleren Management werden mittels Headhunter besetzt. Das gleiche gilt für Spezialistenstellen. Insgesamt sind das nicht mehr als 60.000 Vermittlungen pro Jahr in Deutschland. Insbesondere in der Konsumgüterindustrie, im Maschinenbau, in der Telekommunikation und in der Chemie-/Pharmabranche setzt man auf die Leistung von Headhuntern.

Headhunter bevorzugen also Klasse statt Masse. Das unterscheidet sie auch deutlich von der Zeitarbeit: Denn beim Geschäft mit den Leiharbeitnehmern handelt es sich um einen sehr dynamischen Wirtschaftszweig, in dem 2016 fast 5,9 Millionen Menschen erwerbstätig waren. Insgesamt ist der Personalberatermarkt mit 2.200 Beratungsunternehmen aber ein Riesengeschäft mit rund zwei Milliarden Euro Branchenumsatz.

Tipp 5: Die guten Namen (er)kennen

Neben den Marktführern und Generalisten, wie Egon Zehnder, Kienbaum Executive Consultants, Spencer Stuart, Korn Ferry, Russell Reynolds oder Heidrick & Struggles tummeln sich große Branchenspezialisten neben Hunderten von kleineren Personalvermittlungen. Da das Geschäft lohnend ist, gibt es aber auch einige schwarze Schafe in dieser Branche – zumal "Headhunting" eine nicht geschützte Jobbezeichnung ist. Deswegen empfehlen zum Beispiel Ulrich Börst und Wolfgang Lummer von Meridos Consulting, Headhunter mit einer Portion gesunder Skepsis zu begegnen und die angegebenen Referenzen auf relevante Namen zu prüfen.

Ein deutliches Merkmal für unseriöse Anbieter ist laut Randstad, wenn Headhunter ihre Kandidaten nur gegen Gebühr in ihre Datenbank aufnehmen oder auch für eine Vermittlungsprovision vom Kandidaten verlangen.

"Ein guter Personalvermittler ist diskret im Umgang mit den persönlichen Daten, fachlich und regional spezialisiert – und nicht nur in der Lage die Bedürfnisse des Kandidaten zu erfassen, sondern ihn auch in Karrierefragen zu beraten", sagt Sladjan Petkovic von Robert Half über die Merkmale seriöser Anbieter. Und oft hilft auch ein einfacher Blick auf die Webseite des Unternehmens. Der erste Eindruck zählt eben auch bei Headhuntern.

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