Jobsharing Lässt sich Chef-Sein teilen?

Beim Jobsharing teilen sich mindestens zwei Kollegen eine Stelle. Die Arbeitsplatzteilung wird auch unter Führungskräften immer beliebter. Das sind die Vor- und Nachteile geteilter Arbeit.

Führungskraft | Von Lazar Backovic |

Lässt sich Chef-Sein teilen?

Jobsharing: Ein Arbeitsplatz für zwei Kollegen

Geteilter Job – geteilte Verantwortung: Ob Chefs oder normale Angestellte, wer seine Arbeit teilt, muss sie neu organisieren, profitiert aber auch von dem Arbeitszeitmodell.

Foto: imago/Panthermedia

Amazon macht es, Coca-Cola ebenfalls und auch deutsche Konzerne wie Bosch, Telekom oder SAP experimentieren mit dem Arbeitszeitmodell namens Jobsharing, bei dem sich zwei Arbeitnehmer einen Arbeitsplatz teilen. „Das Thema steht inzwischen auf der Agenda vieler Unternehmen weit oben“, weiß Jana Tepe, Gründerin und Geschäftsführerin der Jobsharing-Plattform Tandemploy, die Konzerne und Mittelständler bei dem Tandem-Modell berät.

Der geteilte Job gilt als Trüffel unter den Arbeitszeitmodellen, verspricht er schließlich das, was ein Nine-to-Five-Job kaum einhalten kann: Die individuelle Aufteilung der eigenen Zeit zwischen Firma und Privatleben.

Trotzdem sind bisher nur die wenigsten Arbeitnehmer in den Genuss des fortschrittlichen Arbeitszeitmodells gekommen. Immerhin bieten 32 Prozent der Unternehmen hierzulande irgendeine Form von Jobsharing an, wie eine Studie des Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend von November 2018 zeigt. Doch – das zeigt die Auswertung auch – nur ein kleiner Teil der Belegschaft weiß über die Möglichkeiten des Jobsharing Bescheid.

Zeit, die wichtigsten Fragen zu dem Thema zu beantworten.

Jobsharing – Was heißt das eigentlich?

Wie der Name schon sagt, teilen sich beim Jobsharing (deutsch: Arbeitsplatzteilung) mehrere Arbeitnehmer die Aufgaben und Verantwortungen einer gemeinsamen Stelle. Wer was übernimmt, wer an welchen Tagen oder zu welchen Zeiten arbeitet– all das regeln die Arbeitnehmer zunächst untereinander und stimmen sich anschließend mit dem Arbeitgeber ab.

„Prinzipiell lässt sich Jobsharing auf allen Hierarchieebenen und in vielen Aufgabenfeldern anwenden“, sagt Jobsharing-Expertin Tepe.  

Jobsharing – Was bringt es?

Welche Vorteile Jobsharing im Einzelnen bringt, hängt davon ab, aus welcher Perspektive man die Frage stellt.

Drei zentrale Vorteile aus Sicht des Arbeitgebers sind:

  1. Neue Fachkräfte finden, alte Fachkräfte halten: Die geteilte Stelle ist „ein Instrument, das Firmen gerne einsetzen, um attraktiver für Arbeitnehmer zu werden und Fachkräfte zu sichern“, sagt Jutta Rump, Direktorin des Instituts für Beschäftigung und Employability (IBE) in Ludwigshafen. Heißt: Jobsharing gibt Pluspunkte im Image und im Recruiting.

  2. Verbessertes Wissensmanagement: Verlässt eine Fach- oder Führungskraft das Unternehmen, gehen oft auch Spezialwissen und wichtige Kontakte verloren. Jobsharing verteilt nicht nur die Aufgaben, sondern auch das Wissen auf mehrere Köpfe.

  3. Niedrigere Ausfallkosten: Weil sich im Jobsharing mindestens zwei Leute einen Posten teilen, gibt es auch immer mindestens eine Person, die etwa im Krankheitsfall unkompliziert einspringen kann. Das spart auf Arbeitgeber-Seite Geld. Die Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin schätzt die volkswirtschaftlichen Produktionsausfälle aufgrund von Arbeitsunfähigkeit auf insgesamt etwa 75 Milliarden Euro.

Auch für den Arbeitnehmer kann der geteilte Job gleich mehrere Vorteile mit sich bringen, nämlich:

  1. Höhere Vereinbarkeit von Beruf und Privatleben: Per Jobsharing lassen sich vor allem komplexe und anspruchsvolle Aufgaben auf mehrere Köpfe verteilen. So lässt sich die klassische Teilzeitfalle auszutricksen, wonach eine Reduktion der Arbeitszeit – etwa nach einer Elternzeitpause – oft gleichbedeutend mit weniger Verantwortung im Job ist.

  2. Höhere Vereinbarkeit von Führungs- und Expertenkarrieren: Viele Führungskräfte träumen davon, wieder stärker inhaltlich eingebunden zu sein. Umgekehrt können sich viele Experten vorstellen, mehr Verantwortung in einer Führungsposition zu übernehmen. Hier bietet das Jobsharing viel Durchlässigkeit und durchbricht das Dogma, dass eine Führungskraft nicht auch Fachexperte sein kann – oder umgekehrt.

  3. Ständiger Austausch: Gerade Fachexperten und Führungskräfte bekommen selten Feedback. In einem Tandem lässt sich gezielter Austausch einplanen.

Jobsharing – Welche Aufteilung ist sinnvoll?

Da die konkrete Aufteilung dem Arbeitstandem überlassen bleibt, gibt es keine starren Regeln, wie genau die Arbeit im Tandem gesplittet wird. „Die Arbeitsteilung muss in erster Linie zu der Situation der einzelnen Tandempartner passen und allen Beteiligten einen Mehrwert bieten“, sagt Jobsharing-Expertin Tepe.

In der Praxis haben sich solche Splitting-Varianten etabliert, die eine Vollzeitstelle zu 120 Prozent oder mehr ausfüllen – bei zwei Tandempartnern also zum Beispiel die Varianten 60/60 oder 70/50. So bleibt Extrazeit für Übergaben.

Auf Führungsebene kann im Jobsharing auch die Option 100/100 sinnvoll sein, bei der sich zwei Vollzeitkräfte die Verantwortung einer leitenden Position teilen. Die Teilung einer Stelle ergibt dann etwa Sinn, wenn beide Führungskräfte zusätzlich im Tagesgeschäft mitarbeiten wollen oder andere Projekte im Unternehmen verfolgen, die nichts mit ihrer Führungsposition zu tun haben.

Jobsharing – Wie organisiere ich die Arbeit im Tandem?

IBE-Direktorin Rump sagt: „Tandempartner brauchen im Jobsharing eine hohe Methoden- und Sozialkompetenz.“ Das bedeutet, die einzelnen Partner müssen gut kommunizieren und stark selbstorganisiert arbeiten. „Das kann nicht jeder“, sagt Rump.

Jobsharing sollte deshalb gerade in der Anfangsphase auch als Experiment verstanden werden. Die Tandempartner sollten sich mindestens eine Eingewöhnungszeit von einem Monat geben, um auszuloten, ob die Chemie stimmt. Auch kann eine testweise Zusammenarbeit im Vorfeld Aufschluss darüber geben, ob ein Arbeitstandem gut zusammenpasst oder nicht.

Die Jobsharing-Plattform Tandemploy bietet Unternehmen sogar eine Software, um potenzielle Tandempartner vorab per Algorithmus zu matchen – also auf Basis vieler Übereinstimmungen einander vorzuschlagen. Auch das ändert jedoch nichts daran, dass sich im Leben eines der Tandempartner immer etwas verändern kann.

Am häufigsten zerbrechen Tandems daran, dass sich kurzfristig die Lebensumstände im Tandem verändern - etwa durch eine (weitere) Reduktion der Arbeitszeit in Folge von Elternzeit oder durch einen Umzug in eine andere Stadt.

Jobsharing – Welche Regelungen gelten bezüglich Vergütung und Urlaub?

In Lohn- und Urlaubsfragen gelten für Jobsharer ähnliche Regeln wie für Teilzeitkräfte. Jeder Mitarbeiter in einem Arbeitstandem wird – wie bei einer Teilzeittätigkeit – anteilig entsprechend seiner vereinbarten Arbeitsstundenzahl bezahlt. Gibt es einen Tarifvertrag, gilt dieser auch für Mitarbeiter, die sich eine Stelle teilen.

Auch bei den Sozialversicherungsbeiträgen ist der Grundsatz im Jobsharing der gleiche wie bei Teilzeitarbeit. Für den Arbeitgeber wichtig zu wissen: Wenn sich zwei Arbeitnehmer eine Stelle teilen, ist das unterm Strich in der Sozialversicherung etwas teurer als wenn eine Vollzeitkraft die Stelle alleine ausfüllen würde.

Beim Urlaubsanspruch gilt für Jobsharer – wie für jeden anderen Arbeitnehmer auch – das Bundesurlaubsgesetz. Und das sagt: Für eine Vollzeit-Stelle haben Arbeitnehmer bei sechs Tagen Arbeit pro Woche einen Anspruch auf 24 Urlaubstage im Jahr. Bei einer Fünf-Tage-Woche sinkt der Anspruch auf 20 Urlaubstage, bei einer Vier-Tage-Woche auf 16 Tage, bei drei Tagen Arbeit pro Woche auf 12 Tage usw. 

Gelten in der Belegschaft bessere Urlaubskonditionen, profitieren davon auch Jobsharer.

 

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