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Flexibles Arbeiten Was sich Festangestellte von den Freelancern in der Gig-Economy abgucken können

Mit dem Unabwägbaren rechnen und die eigenen Qualifikationen anpassen – das ist für Freelancer normal. In unsicheren Zeiten können Festangestellte von solch einer Einstellung profitieren.

Von Anne Koschik |

Sie hangeln sich von Projekt zu Projekt, als Auftragnehmer, Vertrags- oder Zeitarbeiter – und verdienen dabei nicht schlecht: Freiberufler haben die sogenannte Gig-Economy, benannt nach den kurzen Auftritten in immer neuen Unternehmen, schätzen gelernt.

Denn sie sind nicht abhängig, können zum Beispiel im IT- oder Ingenieurebereich ständig ihr Wissen pushen, fühlen sich häufig frei, Städte und Länder kennenzulernen und besitzen ein großes Netzwerk, von dem sie profitieren.

Sie wissen aber auch um die Endlichkeit von Jobs und Stellenbeschreibungen. Was sie nicht verzweifeln lässt, sondern woraus sie im Gegenteil Kraft und Flexibilität schöpfen. So sagen Gig-Economy-Arbeiter viel häufiger als Mitarbeiter in einer Festanstellung, dass es ihre Tätigkeit vor fünf Jahren noch nicht gegeben hat oder ihre derzeitige Rolle in fünf Jahren nicht mehr geben wird.

Das zeigen Untersuchungen der Workforce View Studie 2020 des ADP Research Institute. Obwohl die Botschaft negativ wirkt, sind mehr als die Hälfte der unabhängigen Selbstständigen dennoch zuversichtlich: Sie erwarten nämlich, dass sie in fünf Jahren mehr Auswahlmöglichkeiten haben werden, wie und wo sie arbeiten.

Festangestellte setzen auf Sicherheit und Kontrolle

Die klassischen Arbeitnehmer setzen da mehr auf Sicherheit: 81 Prozent würden eine Festanstellung einer Tätigkeit als Freiberufler oder Vertragsarbeiter vorziehen, auch wenn die Gig-Economy in den letzten Jahren rapide gewachsen ist.

Nicht zu wissen, wohin ihr Weg führt und mit welchen finanziellen Mitteln sie ihn bestreiten müssen, treibt die meisten Angestellten um. Fast Dreiviertel von ihnen sieht in der Festanstellung eben die bessere Möglichkeit, ein festes Jahreseinkommen zu haben oder kreditwürdig zu sein.

Auch schätzen Festangestellte die Kontrolle über ihre Arbeit, die Übersicht über individuelle Entwicklungsmöglichkeiten oder die bessere Vereinbarkeit von Beruf und persönlichen beziehungsweisen familiären Anforderungen.

Die Freiheit geht dabei ein Stückweit verloren. Und damit auch die Vorbereitung auf Krisen, wie jetzt die Corona-Pandemie mit all ihren wirtschaftlichen Folgen zeigt.

Freelancer haben gute Stimmung, aber harte Arbeitsbedingungen

Was Freelancer und Vertragsarbeiter besonders macht, ist, dass neun von zehn stark von ihren Fähigkeiten überzeugt sind und fast genauso viele optimistischer auf die nächsten fünf Jahre schauen als klassische Mitarbeiter.

Im Vergleich zu ihren angestellten Kollegen sind Freiberufler jedoch mit herausfordernden Arbeitsbedingungen konfrontiert:

Mehr unbezahlte Überstunden:
Vertragsarbeiter geben an, im Durchschnitt fast doppelt so viele Arbeitsstunden pro Woche unentgeltlich zu arbeiten (6,5 Stunden) wie Arbeitnehmer in einer Festanstellung (3,8 Stunden). Mehr als jeder zehnte Freiberufler macht wöchentlich sogar 11 bis 15 unbezahlte Überstunden.

Größerer Druck:
Viele Freiberufler nutzen flexibler Arbeitsregelungen und fühlen sich dadurch negativ beurteilt.

Verspätete Bezahlung:
21 Prozent der Vertragsarbeiter berichten, dass sie manchmal zu spät bezahlt werden. Das führt bei ihnen zu Stress, denn dadurch können sie wiederum ihre Rechnungen nicht begleichen. Festangestellte kennen das Problem fast gar nicht.

Vermehrte Diskriminierung am Arbeitsplatz:
Knapp die Hälfte der unabhängigen Selbstständigen hat sich schon einmal am Arbeitsplatz diskriminiert gefühlt. Als häufigster Grund zur Benachteiligung am Arbeitsplatz wird in der Gig-Economy das Alter genannt, gefolgt von Geschlecht und Hintergrund.

Vorbauen durch Freiheit in der Arbeitsgestaltung

Diese harten Arbeitsbedingungen scheinen viele Festangestellte noch abzuschrecken. Die Mehrheit der Arbeitnehmer müsse daher erst noch von den Vorteilen überzeugt werden, sagt Steven van Tuijl, General Manager Deutschland und Polen des HR-Dienstleisters ADP. Es bleibe abzuwarten, „ob die Attraktivität der Gig-Arbeit durch den Wunsch nach einer noch größeren Freiheit in der Arbeitsgestaltung zunimmt.“

Zumal die augenscheinliche Sicherheit in der Festanstellung nicht mehr in dem Maße wahrgenommen werde. Da könne es für manch einen auch eine gute Lösung sein, wenn Projektangebote von mehreren Arbeitgebern angeboten und ausgeführt werden könnten.

So sei das Einkommen „auf mehrere Quellen“ verteilt, und „das Risiko, arbeitslos zu werden“, reduziert.

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