Das Erfolgsportal von
Handelsblatt & WirtschaftsWoche
Alles, was erfolgreich macht.

Einfach bewerben: Wer für Bewerbungskosten aufkommt und wann sie sich absetzen lassen

Einfach bewerben Bewerbungskosten: Wer für sie aufkommt und wann sie sich absetzen lassen

Bewerben ist teuer – und häufig bleiben Jobsuchende zumindest auf einem Teil der Kosten sitzen.

Bewerbung – ganz einfach | kas/ka |

Bewerbungskosten: Wer für sie aufkommt und wann sie sich absetzen lassen

Hoher Einsatz bei Bewerbungen

Bewerbungen kosten Zeit und Geld. Aber es gibt Tricks, um Bewerbungskosten zu sparen.

Foto: Andrew Neel on unsplash

Wer auf Jobsuche ist, muss häufig quer durch die ganze Nation zu Vorstellungsgesprächen fahren. Das geht ins Geld.

Deshalb sollten Bewerber alle Belege wie Bahnticket, Taxifahrten und eventuelle Hotelrechnungen sammeln, die für eine korrekte Abrechnung notwendig sind. Generell müssen Arbeitgeber, die zum Gespräch laden, nämlich sämtliche Kosten übernehmen. Das ist aus den Paragrafen 662 und 670 des Bürgerlichen Gesetzbuchs (BGB) abzuleiten

Dabei spielt es keine Rolle, ob Sie sich auf eine Stellenanzeige oder auf eigene Initiative hin beworben haben oder ob der Arbeitgeber Sie schriftlich oder telefonisch zum Bewerbungsgespräch eingeladen hat. Und es ist auch nicht von Belang, ob das Vorstellungsgespräch am Ende erfolgreich war – und Sie den Job bekommen – oder nicht.

Kostenerstattung durch den Arbeitgeber

Für folgende Ausgaben kommt der Arbeitgeber auf:

  • eine Bahnfahrt 2. Klasse
  • bei Anreise mit dem eigenen Auto eine Pauschale von 30 Cent pro gefahrenen Kilometer
  • Anreise mit dem Flugzeug, die je nach Entfernung auch möglich ist. Am besten besprechen Sie das aber im Vorfeld mit dem Unternehmen und können Vorteile benennen (schnellere Anreise, keine Übernachtung, günstigerer Preis als mit der Bahn) 
  • die Kosten für ein Taxi vom Bahnhof oder Flughafen
  • Hotelkosten, wenn eine An- und Abreise an einem Tag nicht zumutbar ist – so ist es in §670, BGB geregelt. Um Ärger zu vermeiden, sollten Sie vorher auf jeden Fall nachfragen, ob und in welchem finanziellen Rahmen eine Hotelübernachtung erstattet wird. Gerade größere Arbeitgeber haben häufig mit speziellen Hotels vor Ort Sonderkonditionen ausgehandelt, zu denen Sie dort einchecken können.

Wichtig: Sowohl die Anreise mit dem Flugzeug als auch eine Übernachtung im Hotel sollten im Vorfeld auf jeden Fall mit den Personalverantwortlichen abgesprochen werden, um später Ärger bei der Kostenerstattung zu vermeiden. Und auf keinen Fall vergessen: Quittungen geben lassen!

Ausnahme bei der Bewerbungskosten-Erstattung:

Das Unternehmen hat rechtzeitig – meistens bereits in der Einladung zum Gespräch – die Kostenübernahme abgelehnt oder eingeschränkt. Dies muss aber im Vorfeld angekündigt werden, etwa bei der mündlichen oder schriftlichen Einladung zum Vorstellungsgespräch. Sind Sie als eingeladener Bewerber bereits vor Ort, darf der Arbeitgeber die Übernahme nicht mehr ablehnen.

Kostenerstattung durch die Arbeitsagentur

Bei der Finanzierung des Projekts „Traumjob“ können Bewerber auch die Bundesagentur für Arbeit (BA) mit ins Boot holen. Wichtige Voraussetzung für alle Leistungen: Sie müssen beantragt werden, bevor die Kosten anfallen. Und es handelt sich in der Regel um sogenannte „Kann-Leistungen“, die je nach Einzelfall und individueller Prüfung erstattet werden. Es besteht also kein Rechtsanspruch darauf.

Hier eine kleine Übersicht, an welchen Kosten sich die Arbeitsagentur beteiligt:

  • Bewerbungskosten (für Bewerbungsmappen & Co.) 
    An den Kosten für die Bewerbungsunterlagen, wie Bewerbungsfotos, Porto, Beglaubigungen etc. beteiligt sich die Arbeitsagentur in vielen Fällen – allerdings nur begrenzt. Wie viel ersetzt wird, liegt im Ermessen der zuständigen Arbeitsagentur. Gängige Werte sind fünf Euro pauschal pro schriftlicher Bewerbung – bis zu einer maximalen Höhe von 300 Euro im Jahr. Als Nachweis reichen eine Liste der Unternehmen, bei denen man sich beworben hat, sowie die jeweiligen Anschreiben.
    Telefonische oder Online-Bewerbungen werden nicht bezuschusst.
  • Reisekosten (zu Vorstellungsgesprächen) 
    Die Arbeitsagentur übernimmt zum Beispiel die Fahrtkosten zum Bewerbungsgespräch – vorausgesetzt, der Bewerber ist arbeitsuchend gemeldet, er hat die Kostenübernahme rechtzeitig vor dem Gesprächstermin beantragt und das einladende Unternehmen hat eine Kostenübernahme ausgeschlossen. Dem Antrag muss die schriftliche Einladung des Unternehmens beigefügt werden. Nicht möglich ist es, das Geld für Zug oder Flug nachträglich von der Arbeitsagentur einzufordern.
  • Umzugskosten (für neuen Job)
    Die Arbeitsagentur zahlt auf Antrag und nach individueller Prüfung einen sogenannten Umzugskosten-Zuschuss, wenn eine neue sozialversicherungspflichtige Beschäftigung aufgenommen wird. Wichtige Voraussetzung, um in den Genuss der finanziellen Hilfe zu kommen: Der neue Arbeitsplatz muss mindestens 50 Kilometer – einfache Entfernung – vom bisherigen Wohnort entfernt liegen.

Unter bestimmten Voraussetzungen beteiligt sich die BA auch an den Kosten, wenn es zum Arbeiten ins Ausland geht: 

Wer sich im europäischen Ausland um einen Job bemüht, kann versuchen, die Bundesagentur für Arbeit an den Reisekosten für ein Vorstellungsgespräch und eventuell sogar an den Umzugskosten finanziell zu beteiligen, wenn es mit dem Arbeitsplatz im Ausland tatsächlich klappt.

Die Arbeitsagentur übernimmt diese Kosten – analog zu den Bewerbungskosten innerhalb Deutschlands – wenn es sich um eine Arbeit in einem Mitgliedsstaat der Europäischen Union oder der Schweiz handelt.
Wichtig: Diese Regelung gilt für alle, die eine Festanstellung suchen und anfangen – und nicht für Freiberufler oder Selbstständige, die ihr Glück im Ausland versuchen wollen. Diese können aber nachfragen, ob ihr Schritt in die Selbstständigkeit mit einem Gründungszuschuss der Arbeitsagentur finanziell unterstützt wird.

Außerdem gibt es keinen Rechtsanspruch auf diese Leistungen. Das heißt, die Arbeitsagentur kann die Kostenerstattung gewähren, muss es aber nicht. Der jeweilige Berater hat einen Ermessensspielraum für seine Entscheidung.

Bewerbungskosten in der Steuererklärung absetzen

An Ausgaben, die ein Bewerber weder vom einladenden Unternehmen noch von der Arbeitsagentur erstattet bekommt, kann er das Finanzamt beteiligen. Diese Ausgaben sind als Werbungskosten in der Steuererklärung absetzbar – und zwar unabhängig davon, ob die Bewerbung erfolgreich war oder nicht. Eine Obergrenze für Bewerbungskosten gibt es nicht.

Das Finanzamt erkennt unter anderem folgende Ausgaben als Bewerbungskosten an:

  • für Bewerbungsfotos 
  • für Bewerbungsmappen 
  • für Briefpapier, Umschläge und Porto
  • für Druckerpatronen
  • für Kopien und amtliche Beglaubigungen
  • für eigene Stelleninserate des Bewerbers 
  • für Telefongespräche 
  • für Fachbücher und Ratgeber mit Bewerbungstipps
  • für Vorbereitungskurse zum Thema Bewerbung, Vorstellungsgespräch oder auch Assessment-Center (inkl. Fahrt-, Übernachtungs- und Verpflegungskosten)
  • für Fahrten zu Vorstellungsgesprächen (inkl. Übernachtung und Verpflegung) 
  • für Computer/Laptop (anteilig)
  • für notwendige Abonnements von Zeitschriften und Zeitungen

Anzug und Kostüm nicht absetzbar

Nicht abzugsfähig sind Aufwendungen für Kleidung, die Sie speziell für das Bewerbungsfoto oder das Vorstellungsgespräch gekauft haben.

Bewerber müssen ihre Kosten dem Finanzamt immer nachweisen und glaubhaft machen. Deshalb empfiehlt es sich, Quittungen und Belege zu sammeln sowie eventuell die Einladungen zu den Jobgesprächen bei der Steuererklärung miteinzureichen.

Wer keine Quittungen mehr hat, darf seine Bewerbungsausgaben – bis zu einer bestimmten Grenze – auch schätzen. Laut einem Urteil des Landessozialgerichts Hessen werden für eine Bewerbungsmappe pauschal 8,50 Euro akzeptiert, für eine Online-Bewerbung 2,50 Euro. Der Jobsuchende muss allerdings die Anzahl der Bewerbungen nachweisen, etwa durch eine Liste der angeschriebenen Unternehmen.

Lade Seite...