Digitales Arbeiten 4.0 Spielregeln der künftigen Arbeitsgesellschaft

Wie sieht die Arbeitswelt von morgen aus? Und wie fit sind Unternehmen in Sachen Digitalisierung? Experten und Forscher geben Antworten.

Von Anne Koschik | , aktualisiert

Spielregeln der künftigen Arbeitsgesellschaft

Neue Arbeitsgestaltung mit geänderten Spielregeln

Foto: rawpixel/CeBIT

Wie lange wird es überhaupt noch Arbeit – so wie wir sie kennen – geben? Aktuelle Disruptionen "wirbeln die Branchen durcheinander", erklärt Trendforscher Sven Gabor Janszky. Es werde überall Vermischungen geben, neue Regeln entstünden inklusive einer neuen Art des Arbeitens und dauerhaft zwei bis drei Millionen nicht besetzten Stellen.

Eine komplett entgegengesetzte Meinung vertritt der Unternehmensberater und digitale Darwinist Karl-Heinz Land, der überzeugt ist, dass es in nicht allzu ferner Zeit eine "Massenarbeitsbefreiung" geben wird, da die digitale Transformation letztlich zu einer Dematerialisierung von Gütern und Unternehmen führe.

Zigtausende Jobs stehen auf dem Spiel

Mit dramatischen Beschäftigungsverlusten von bis zu 50 Prozent bis zum Jahr 2025 rechneten bereits vor Jahren international auch große Marktforschungsinstitute, während andere Prognosen wesentlich verhaltener ausfielen: So nannte das Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) bei 43 Millionen Beschäftigten in Deutschland 490.000 Stellen, die bis 2025 in der Industrie wegbrechen könnten.

Die Bertelsmann-Stiftung hat dagegen eine globale Arbeitslosigkeit von 24 Prozent bis zum Jahr 2050 errechnet. Die Arbeit sei "heute multilokal und mobil, morgen virtuell und im Metaversum", heißt es in den von der Bertelsmann-Stiftung herausgegebenen Ergebnissen der internationalen Delphi-Studie "Future of Work" des Millenium Project.

Auf der anderen Seite beruhigen Zahlen über viele neue Jobs, die zum Beispiel für IT-Experten oder Lehrkräfte entstehen, sodass am Ende nicht eine halbe Million, sondern nur 60.000 Stellen der Digitalisierung zum Opfer fielen. Denn laut einer IAB-Studie arbeiten nur 0,4 Prozent der sozialversicherungspflichtigen Beschäftigten in Berufen, die durch Computertechnologie und Automatisierung vollständig verschwinden könnten.

Wer schon heute weit vorne ist

Allerdings seien 15 Prozent der Beschäftigten dem Risiko ausgesetzt, dass innerhalb ihres Berufs mehr als 70 Prozent ihrer Tätigkeiten von Computer gesteuerten Maschinen übernommen werden könnte. Weitere 45 Prozent der Beschäftigten arbeiten in Berufen, deren Tätigkeiten zwischen 30 und 70 Prozent durchdigitalisiert werden könnte.

Branchentechnisch am fittesten digital aufgestellt ist laut einer Studie von TNS Infratest – wen wundert’s – die Informations- und Kommunikationstechnologie-Branche. Sie sei "stark überdurchschnittlich" digitalisiert. Kurz dahinter folgen wissensintensive Dienstleister etwa aus der Finanz- und Versicherungsbranche.

Wo noch Nachholbedarf herrscht

Eher mittelprächtige digitalisiert sind der Handel sowie Energie- und Wasserversorgung. Verkehr, Logistik, Chemie, Pharma und Maschinenbau agieren laut TNS Infratest gar "unterdurchschnittlich". Noch schwächer aufgestellt sehen die Forscher vor allem das Gesundheitswesen; ebenso den Fahrzeugbau und das verarbeitende Gewerbe – allerdings mit der Tendenz, sich schnell in Richtung Digitalisierung zu bewegen.

Bis zu einer vollständig digitalisierten Wertschöpfungskette ist der Weg noch weit, zumal es um das digitale Know-how der Beschäftigten oft noch nicht allzu gut bestellt ist. "Die meisten können sich gar nicht vorstellen, was in den nächsten fünf bis zehn Jahren auf sie zukommt", sagt Jutta Rump, Direktorin des Instituts für Beschäftigung und Employability.

Experten-Interviews zum Thema

>>> Sven-Gabor Janszky: 
Unter Druck: "Für die Branchen geht es gerade erst los" 

>>> Karl-Heinz Land:
Radikaler Umschwung: "Digitalisierung greift die Grundfesten der Unternehmen an" 

>>> Jutta Rump:
Vor dem Transformationsprozess: "Alles hängt von der Führungsmannschaft ab"

>>> Sabria David:
Aktive Arbeitsgestaltung: "Wir müssen Zukunftskompetenz entwickelt"

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