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Corona und die Folgen Wo Bewerber in der Krise hinwollen und in welcher Branche sie die meisten Chancen haben

Umfrageergebnis ist Schock für Recruiter: Gesamte Nachfrage nach Jobs bricht ein.

Arbeit und Coronavirus | Von Anne Koschik |

Fast die Hälfte der Unternehmen in Deutschland erhält weniger Bewerbungen als vor der Corona-Krise. Vor allem die Logistikbranche, das Baugewerbe und der Handel sind bei Jobsuchenden weniger gefragt als zuvor. Das zeigt eine Blitzumfrage des Institute for Competitive Recruiting (ICR), Heidelberg, unter mehr als 10.000 Unternehmen.

„Die Corona-Krise trifft das Recruiting sehr hart“, sagen die Umfrage-Experten. „Deutlich weniger Bewerber treffen auf deutlich weniger Nachfrage seitens der Unternehmen.“

Gefragte Branchen in der Corona-Krise

Den größten Lichtblick bietet zurzeit die IT-Branche. Dort will gut ein Drittel der teilnehmenden Unternehmen ihr Recruiting in der Krise sogar ausbauen. Aber auch

● in der verarbeitenden Industrie, (Investitionsgüter | Konsumgüter)
● im Life-Science-Bereich und
● im Öffentlichen Sektor

haben mehr als zehn Prozent der Umfrageteilnehmer aktuell mehr Bewerbungen erhalten.

Die Erwartungen, dass das Recruiting in der Wirtschaft insgesamt abnehmen wird, sind ebenfalls sehr hoch: 56 Prozent der teilnehmenden Unternehmen gehen davon aus, dass die Stellenangebote nicht auf dem gleichen Niveau bleiben können.

Und 44 Prozent der Personaler gehen aktuell davon aus, dass das Recruiting im eigenen Unternehmen zurückgefahren wird. „Die Wahrnehmung der Gesamtentwicklung ist im deutschsprachigen Raum somit deutlich schlechter als die Erwartungen für das eigene Unternehmen“, resümieren die Studienautoren. Von einem Ausbau des Recruitings gingen nur elf Prozent der Arbeitgeber aus.

Zunehmende Digitalisierung des Recruitings

Die Corona-Krise führt den mittelständischen Unternehmen deutlich vor Augen: Auch beim Thema Recruiting hinken sie in der Digitalisierung hinterher. Hier bestehe ein „hoher Aufholbedarf“. Das Bedürfnis, im Recruiting insgesamt stärker zu digitalisieren, haben aber sogar zwei Drittel der Unternehmen fast aller Größenklassen.

Nach Branchen aufgesplittet, haben besonders Unternehmen aus den Bereichen Rohstoffgewinnung und -verarbeitung, Life Science und Automobilbau den größten Nachholbedarf an der weiteren Digitalisierung des Recruitings.

Dabei suchen sie verstärkt nach Möglichkeiten, ihre Recruitingaktivitäten zu virtualisieren. Während viele Unternehmen zum Beispiel Vorstellungsgespräche ganz selbstverständlich online durchführen, bestehen bei Personalmarketing-Anstrengungen oder Onboarding-Prozessen noch viele Probleme.

Was kommt auf die Bewerber zu?

1. Bewerberinterviews:
56 Prozent der Unternehmen nutzen Videointerviews als Vorstellungsmittel der Wahl. Einerseits finden die Bewerbungsgespräche als Telefon- und Skype-Interviews in Echtzeit statt. Andererseits nutzen schon einige Unternehmen zeitversetzte Videointerviews: Dabei leitet eine Software den Bewerber durch ein Fragenprogramm und gibt ihm die Möglichkeit, zu einer beliebigen Zeit an einem passenden Ort Antworten auf vorformulierte Fragen zu geben – so individuell und authentisch wie möglich.

Immer mehr Arbeitgeber tendieren dazu, diese Formen der Befragung zukünftig einsetzen zu wollen.

2. Candidate Assessments:
Um die Passform der Kandidaten fürs Unternehmen zu ermitteln, nutzt ein Drittel der Personaler weiterhin analoge Verfahren, die die individuellen Skills abfragen. Ein weiteres Drittel ist schon digital unterwegs. Bei einem Fünftel der Arbeitgeber besteht der Wunsch, stärker in Sachen Candidate Assessments zu digitalisieren.

3. Cultural Fit Check:
Welche Wertevorstellungen haben die Bewerber? Und wie würden sie sich unter bestimmten Bedingungen verhalten? Ob Jobsuchende in die Unternehmenskultur passen, wollen die Hälfte der Arbeitgeber weiterhin in analogen Verfahren ermitteln.

Nur ein Fünftel der Personaler macht bereits den digitalen Cultural-Fit-Check. Immerhin 15 Prozent der Unternehmen will hier stärker digitalisieren.

4. Assessment Center:
60 Prozent der Arbeitgeber führen ohnehin keine Assessment-Center durch, 13 Prozent organisieren sie digital, zwölf Prozent verzichten aktuell darauf. Auf welche Art und Weise sie in Zukunft mit dieser umfangreichen und oft mehrtägigen Personalauswahl-Methode umgehen wollen, sind weitere zwölf Prozent noch unentschieden.

5. Onboarding:
41 Prozent der Umfrageteilnehmer hat mit dem Onboarding in Krisenzeiten echte Probleme. Während manche die Einstellungstermine verschieben und nur wenige auch ein Onboarding ins Homeoffice zulassen, weiß die Mehrzahl der Personaler nicht, wie sie ihr Onboarding gerade jetzt darstellen sollen.

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