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Brain-Drain: Zwei Drittel aller Digitalexperten wollen Deutschland verlassen – und zwar hierhin

Brain-Drain Zwei Drittel aller Digitalexperten wollen Deutschland verlassen – und zwar hierhin

Die Metropolen dieser Welt haben besondere Anziehungskraft.

Gehalt | Von Anne Koschik |

Zwei Drittel aller Digitalexperten wollen Deutschland verlassen – und zwar hierhin

Digitalexperten zieht es in die Ferne

Viele Fachkräfte zieht es ins Ausland. Metropolen sind besonders beliebt bei den Spezialisten des Digitalwissens.

© imago/Westend61

Im Gegensatz zu Fachkräften anderer Disziplinen haben besonders die Spezialisten mit Digitalwissen ihren Fokus aufs Ausland verlegt. 62 Prozent der deutschen Experten wollen ihr Wissen gerne in fernen Ländern erweitern. Das zeigt eine Umfrage unter weltweit 27.000 Digitalexperten, darunter 1.648 Deutschen.

Die Befragung erfolgte im Rahmen der Studie „Decoding Digital Talent“, die die Boston Consulting Group (BCG) zusammen mit Stepstone und The Network veröffentlicht hat. Die als Digitalexperten definierten Fachkräfte haben ihre hochqualifizierte Sachkenntnis in Bereichen wie Künstliche Intelligenz (KI), Machine Learning, Data-Mining, App-Entwicklung, Programmieren oder Digital Marketing erworben.

Gefragte Umgebungen:
Szene-Metropolen bei digitalem Nachwuchs beliebt

Auffällig ist, dass die Deutschen gerade die Metropolen lieben, in denen sich die Start-up-Szene zuhause fühlt und Innovationen zum Tagesgeschäft gehören: London, Amsterdam, New York, Zürich und San Francisco. Nach den Zielländern gefragt, verschieben sich jedoch die Interessen: Hier führt die USA vor der Schweiz, Großbritannien und Kanada.

Und während die Digitalkräfte im Allgemeinen hautsächlich in der IT- und Technologiebranche arbeiten, sind KI-Spezialisten in unterschiedlichsten Industrien gefragt: Neben der IT- und Technologiebranche vor allem im Bauwesen, in der industriellen Produktion und im Maschinenbau.

Auf Sinnsuche:
Wissen erweitern, um etwas zu bewirken

Doch was ist es, was die deutschen Fachkräfte so bewegt? Ihnen gehe es „stärker als ihren internationalen Kollegen darum, etwas zu bewirken“, sagt BCG-Senior Partner Rainer Strack. „Sie wollen einen interessanten, herausfordernden Job haben.“

WICHTIGE KRITERIEN FÜR DIE JOBWAHL:

1. Interessante Jobinhalte
Um die digitalen Skills zu erweitern, wollen die Digitalexperten aus Deutschland gerne in solchen Unternehmen arbeiten, die spannende Themen behandeln, Sinnhaftigkeit und Innovationen fördern.

2. Wertschätzung der eigenen Arbeit
Deutsche Digitalexperten wünschen sich für ihre Leistung die entsprechende Anerkennung. Sie suchen deshalb nach solchen Unternehmen, in denen das Management achtsam mit seinen Mitarbeitern umgeht.

3. Gutes Verhältnis zu Kollegen
Teamwork steht hoch im Kurs: Gerade in agilen Arbeitsumgebungen muss die Atmosphäre stimmen. Unternehmen, die solche flexiblen Veränderungsprozesse bei sich integriert haben, stehen daher ganz oben auf der Wunscharbeitgeberliste der digitalen Spezialisten aus Deutschland.

Geht es um die finanzielle Vergütung, so ist sie zwar keineswegs unwichtig: Aber im Gesamten betrachtet rückt die Vergütung für deutsche Digitalexperten eher in die zweite Reihe.

Andere Nationalitäten, andere Wünsche:
Hochkonjunktur für Work-Life-Balance

Spannend ist der Vergleich zu den ausländischen Digitalexperten, die sich mindestens so mobil zeigen wie die deutschen Spezialisten: Briten, Inder und Iraner sind zu 70 Prozent bereit, ins Ausland zu gehen, mit 55 Prozent etwas weniger mobil als die Deutschen sind Chinesen, Indonesier und Israelis.

Sie verschlägt es, neben den USA als Zielland, vor allem nach Deutschland. Insbesondere sehen auch Digitalkräfte mit fortgeschrittenen Kenntnissen in KI und Machine Learning Deutschland nach den USA und Kanada als äußerst beliebten Arbeitsmarkt an.

Für hochqualifizierte Fachkräfte ist Deutschland demnach „der attraktivste nicht-englischsprachige Jobstandort der Welt“, so ein weiteres Ergebnis der „Decoding Digital Talent“-Studie. Berlin liegt im internationalen Städteranking nach London und New York auf Platz 3.

Bei der Intention, für den Job international tätig sein zu wollen, gibt es gravierende Unterschiede zu den deutschen „Auswanderern“: An erster Stelle steht bei ihnen eine ausgeglichene Work-Life-Balance.

Diese scheint für sie eher in Deutschland möglich als in ihrem Heimatland. An zweiter und dritter Stelle folgen gute Fortbildungsmöglichkeiten und Karrierechancen.

Alle Branchen im Umbruch:
Knappe Talentauswahl verändert Personalstrategien

Auf dem deutschen Arbeitsmarkt könnten sich schon bald wesentliche Änderungen in den Personalstrategien der Unternehmen ergeben.

Denn der Wettbewerb um die besten digitalen Talente ist international, die Nachfrage nach KI-Experten „übersteigt schon jetzt die Zahl der entsprechend ausgebildeten Fachkräfte in Deutschland“, stellt Stepstone-Geschäftsführer Sebastian Dettmers fest. „Sie werden in fast allen Branchen gebraucht, um Prozesse zu automatisieren und Innovationen voranzutreiben.“

Den Unternehmen – vom Start-up bis zum Konzern – wird daher nichts anderes übrigbleiben, sich nach den Beweggründen und Wünschen der hochqualifizierten Fachkräfte zu richten. Der Wettbewerb hat begonnen.

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