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Bewerbungsverfahren Bei diesen Dax-Konzernen brauchen Sie kein Anschreiben mehr

Oft reicht der Lebenslauf – doch manchmal ist zusätzlich Kreativität gefragt.

Bewerbung – ganz einfach | Von Michael Scheppe |

Das Anschreiben als Kernstück der Bewerbung? Diese Zeiten sind zumindest bei Deutschlands Dax-Konzernen vorbei. Das zeigt eine Umfrage von Karriere.de unter den 30 größten Unternehmen der Republik: Über 40 Prozent bezeichnen das Anschreiben allenfalls als optional, einige Konzerne verzichten komplett darauf.

Experten wie Sven Hennige, Zentraleuropa-Chef des Personaldienstleisters Robert Half, bestätigen diesen Trend. Sie beobachten seit Jahren einen starken Rückgang des klassischen Anschreibens. „Personaler bevorzugen einen übersichtlichen Lebenslauf, aus dem schnell hervorgeht, ob der Bewerber passt.“

So argumentiert auch der Autobauer BMW. „Wichtig ist, dass wir auf den ersten Blick für die Position relevante Skills erkennen können.“ Beim Halbleiterhersteller Infineon ist bei einer Bewerbung schon „seit einigen Jahren nur der Lebenslauf notwendig und entscheidend“.

Lebenslauf: Ehrlich bleiben

Doch kommt es bei einem guten Lebenslauf an? Jobsuchende sollten ihre Fähigkeiten chronologisch rückwärts auflisten, heißt: die aktuelle Position steht oben. Bei jedem Karriereschritt sollten Bewerber ihre Schlüsselprojekte knapp erläutern und ihre spezielle Leistung, den finanziellen Mehrwert für das Unternehmen sowie konkrete Erfolge darstellen, sagt Jürgen Hesse vom Berliner Büro für Berufsstrategie.

Und der wichtigste Tipp: Ehrlich bleiben! „Gegen kleine Optimierungen des Lebenslaufs wird kein Personaler etwas einwenden“, sagt der Kölner Arbeitsrechtler Markus Mingers. Stellt ein Arbeitgeber aber fest, dass er bewusst getäuscht wurde, kann er den Arbeitsvertrag aufheben – und das auch Jahre später noch.

Bewerbungsvideo: Wofür es verlangt wird

Wichtig sind diese Hinweise auch beim Sportartikelhersteller Adidas. Dort ist das Anschreiben „mittlerweile passé“, wie es aus der Zentrale in Herzogenaurach heißt. Bei Bewerbungen komme es dem Konzern darauf an, dass die Bewerber ihre Kreativität unter Beweis stellen. Und dafür braucht es eben kein Anschreiben mehr. Bewerber für das Traineeprogramm von Adidas müssen inzwischen sogar ein Bewerbungsvideo einreichen.

Der Konsumgüterhersteller Henkel sowie die Medizintechnik- und Gesundheitsunternehmen Fresenius und Fresenius Medical Care verzichten zunehmend auf ein verpflichtendes Anschreiben. „Kandidaten, denen diese Option wichtig ist, können sie jedoch unverändert nutzen“, teilt man aus Bad Homburg mit.

Heißt also: Das Anschreiben schadet nicht, ist aber in vielen Personalabteilungen nicht mehr gefordert.

Motivationsschreiben: Für wen es sinnvoll ist

So gehen viele Dax-Konzerne vor, auch Volkswagen: Bewerber könnten das Anschreiben nutzen, um ihre Motivation herauszustellen, heißt es aus Wolfsburg.

Ähnlich argumentiert die Lufthansa. Gerade bei Berufen mit großem Fachkräftemangel, zum Beispiel im Bereich IT, werde das Anschreiben nicht mehr eingefordert. Bei zahlreichen Positionen nutzten Bewerber das Anschreiben aber noch, um sich darzustellen, heißt es aus der Zentrale. Perspektivisch will Europas größte Airline ganz auf das klassische Anschreiben verzichten.

Der neue Trend hat auch die Deutsche Börse erreicht. Dort fordern die Personaler das Anschreiben nicht nach, falls es der Bewerber nicht beigelegt hat. „Wir kommunizieren jedoch nicht aktiv, dass kein Anschreiben mehr benötigt wird.“
Beim Autozulieferer Continental aus Hannover ist weder das Anschreiben noch der Lebenslauf ein entscheidendes Kriterium im Recruitingprozess. Seit ein paar Jahren setzt das Unternehmen aus Hannover auf diagnostische Verfahren: Diese bestehen aus Jobinterviews, Arbeitsproben, Intelligenz-, Logik- und Persönlichkeitstests.

Der Chemiekonzern BASF und der Konsumgüterhersteller Beiersdorf verfahren ähnlich.

Konservative Bewerbung: Wer sie noch erwartet

Bei der Allianz ist der Gesamteindruck der eingereichten Unterlagen entscheidend. Für den Versicherer ist also auch das Anschreiben noch wichtig. Das gilt auch für den Pharmariesen Bayer. Das Leverkusener Unternehmen legt weiterhin Wert auf ein individuelles Anschreiben, weil es „wertvolle Rückschlüsse auf die persönliche Motivation eines Stellenbewerbers zulässt“, wie ein Sprecher mitteilt.

Passform: Wieso vor allem der Mehrwert zählt

Und was ist wichtig, wenn An- oder Motivationsschreiben gefordert sind?

Bewerber sollten auf einer DIN-A4-Seite klarmachen, „warum gerade sie für das Unternehmen der passende Kandidat sind“, sagt Karrierecoach Claudia Kimich.
Die Expertin beobachtet, dass viele Jobwechsler fälschlicherweise aufschreiben, warum sie von ihrem alten Arbeitgeber wegwollen, nicht aber, was sie in der neuen Firma einbringen können.

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