Arbeitgeberranking 2018 Hier wollen Deutschlands Talente arbeiten

Für viele Uni-Absolventen sind die Autohersteller noch immer die beliebtesten Arbeitgeber, zeigt ein exklusives Ranking. Der Glanz großer Marken färbt auf sie ab.

Lazar Backovic und Jan Guldner |

Hier wollen Deutschlands Talente arbeiten

Arbeitgeberranking: Talente fahren auf Autos ab

Foto: AA+W/Fotolia.com

Für Theresa Weis, 26, ist die automobile Zukunft nur einen Schritt weit von ihrer Bürotür entfernt. Hier, in der Stuttgarter Zentrale, planen sie die Fertigung des Porsche Taycan, genauer: den elektrischen Antrieb für das erste E-Modell des Sportwagenherstellers. Die Wirtschaftsingenieurin hilft seit Herbst 2017 als Trainee mit, die neue Technologie aus den Entwicklungslaboren auf die Straße zu bringen – etwas Besseres kann sie sich beruflich nicht vorstellen. "Die ganze Industrie ist gerade im Wandel, und ich kann einen Teil dazu beitragen", sagt sie.

Eine sichere Stelle, ein prestigeträchtiges Produkt, gute Weiterbildungsmöglichkeiten: Genau das habe sie zu Porsche gezogen. Dagegen spielten die Abgasmanipulationen, mit denen deutsche Autohersteller nun schon seit Jahren ihre Reputation aufs Spiel setzen, keine Rolle für Weis: "Die negativen Schlagzeilen haben mich nicht gestört." Obwohl auch Porsche mehrere Tausend Modelle aufgrund von illegalen Abschalteinrichtungen zurückrufen musste.

Beliebt trotz schlechter Nachrichten

Viele Hochschulabsolventen treffen ihre Berufsentscheidung wie Theresa Weis: Die schlechten Nachrichten über gefälschte Abgastests, Rückrufaktionen, Klagen und Strafzahlungen reißen nicht ab – aber dem Ruf der Autohersteller als attraktivste Arbeitgeber in Deutschland schadet es nicht.

Das zeigt das aktuelle Arbeitgeberranking, das die Employer-Branding-Beratung Universum erstellt hat. Es wertet eine Befragung von fast 35.000 deutschen Studierenden aus, ihre Karriereziele und Wunscharbeitgeber. Das sind die wichtigsten Ergebnisse:

1. Lieber Auto als Tech

Das Beispiel von Theresa Weis zeigt es: Nicht Google, Facebook oder ein anderer Tech-Riese aus dem Silicon Valley steht bei den meisten jungen Talenten an der Spitze der beliebtesten Arbeitgeber, sondern Porsche. Die Traditionsautomarke aus Zuffenhausen ist laut Universum-Ranking sowohl für Wirtschaftsstudenten als auch für angehende Ingenieure die Jobadresse Nummer eins.

Dahinter folgen mit Audi, Daimler und BMW weitere große deutsche Autobauer. Auch VW rangiert sowohl bei Ingenieuren als auch bei Wirtschaftswissenschaftlern noch in den Top 10. Dieselgate - war da was?

Immerhin: Bei IT-Studenten belegen Google, Microsoft und Apple verlässlich die drei obersten Ränge unter den begehrtesten Arbeitgeber. Bei Naturwissenschaftlern gelten große Forschungsgesellschaften oder Konzerne wie Bayer und BASF als Top-Arbeitgeber.

2. Es geht doch ums Geld

Work-Life-Balance? Ist jungen Menschen bei der Jobwahl natürlich wichtig, aber offenbar nicht so sehr wie der eigene Kontostand. Sowohl bei Männern als auch bei Frauen war der Faktor Gehalt am wichtigsten für die Attraktivität eines Arbeitgebers.

Allerdings haben beide Geschlechter unterschiedliche Auffassungen, über die Höhe ihres Wunschgehalts. Während Studentinnen der Wirtschaftswissenschaften im Schnitt von 41.708 Euro als Wunschjahresgehalt zum Einstieg angaben, waren es bei ihren männlichen Kommilitonen 48.718 Euro: ein Unterschied von 7.010 Euro im Jahr.

3. Lieber nicht Chefin werden

Auch bei der eigenen Karriere sind junge weibliche Talente deutlich verhaltener als ihre männlichen Altersgenossen. Wollten mehr als die Hälfte aller männlichen Wirtschaftswissenschaftsstudenten einmal Führungskraft werden, waren es unter den Frauen der Studienrichtung nur 38 Prozent. Diesen Trend spiegeln auch ältere Studien zu dem Thema wider.

4. Männliches Prestige, weibliches Verantwortungsbewusstsein

Am unterschiedlichsten sind die Ansichten von Frauen und Männern, wenn es um die Bewertung der sogenannten Corporate Social Responsibility (CSR) geht, also dem gesellschaftlichen Verantwortungsbewusstsein eines Arbeitgebers: Während 38 Prozent der weiblichen Befragten dieser Aspekt wichtig ist, ist CSR nur für 17 Prozent der männlichen Befragten relevant. Eine Arbeitgebereigenschaft, auf die Männer hingegen deutlich mehr Wert legen als Frauen, ist Prestige: Hierauf achten 32 Prozent der Männer, aber nur 15 Prozent der Frauen. "Es ist schön für die Absolventen, wenn auch das stimmt", sagt Tina Smetana, Deutschlandchefin von Universum, die die Umfrage durchgeführt hat. Aber für die meisten Studierenden überwögen insgesamt die "harten Fakten" bei der Jobwahl. Und die lassen sich vor allem in einer Währung messen: Euro.

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