Spitzengehalt So knacken auch junge Angestellte die 100.000-Euro-Grenze

Sechsstellig verdienen – und das mit knapp über 30. Wie kann es gelingen? Mit dem richtigen Wissen über Branchen, Unternehmen und einer guten Laufbahnplanung bestehen gute Chancen.

Anne Koschik |

So knacken auch junge Angestellte die 100.000-Euro-Grenze

Wer knackt die magische Grenze von 100.000 Euro Gehalt im Jahr?

Foto: mast3r / Fotolia.com

Hunderttausend Euro pro Jahr. Allein bei dem Betrag dürfte den meisten jungen Angestellten schwindelig werden. Und tatsächlich sind die meisten Spitzenverdiener vor allem eins: erfahren – und damit in der Regel älter.

Auf durchschnittlich elfeinhalb Jahre Managementerfahrung blicken Topverdiener zurück, stellt eine aktuelle Untersuchung von über 1.300 Lebensläufen der Jobsuchmaschine Adzuna fest. Wer über 100.000 Euro verdient, ist im Schnitt sogar schon über 50 Jahre alt.

Doch das muss junge Nachwuchsführungskräfte nicht entmutigen: "Auch wenn unter ihnen Gehälter jenseits der 100.000 Euro sicherlich nicht alltäglich sind, so gibt es doch Branchen und Funktionen, in denen dies möglich ist", sagt Oliver Meywirth von der Personalberatung Capitalheads, die zum Beratungshaus Kienbaum gehört.

Welche Branchen und Positionen das sind – und welche Faktoren sonst noch begünstigen, dass man die magische 100.000er-Grenze durchbricht, haben mehrere Jobbörsen untersucht. So sieht das Erfolgsrezept für ein sechsstelliges Gehalt im Einzelnen aus:

Zutat 1: Studium

Rein statistisch gesehen, steigert ein abgeschlossenes Studium die Wahrscheinlichkeit, Top-Gehälter einzufahren immens. Jeder fünfte Hochschulabsolvent knackt die 100.000-Euro Marke, stellt der Stepstone-Gehaltsreport 2018 fest.

Ganz oben in der Gehalts-Champions-League spielen die Mediziner. Knapp ein Drittel verfügt über ein sechsstelliges Gehalt. Keine andere Studienrichtung zahlt sich so stark aus. Banker und Juristen folgen auf den Plätzen zwei und drei – hier schaffen es aber nur 14 beziehungsweise 12 Prozent, mehr als 100.000 Euro zu verdienen. Gute Aussichten haben darüber hinaus Betriebswirte, die in der Gesamtheit die höchsten Gehälter einfahren, wenngleich diese nicht immer sechsstellig sind. Außerdem sind Ingenieure Anwärter auf eine sehr hohe Jahresvergütung.

Wer schnell die 100.000er-Marke knacken will, kann auch durch eine Promotion seine Chancen steigern. Am besten passt dieser akademische Grad neben Medizinern, auch zu Juristen, Ingenieuren und Naturwissenschaftlern. Bei Betriebswirten ist der proportionale Gehaltsanstieg – gemessen an der investierten Zeit zum Erreichen des Doktortitels – weniger groß.

Absolventen der Rechtswissenschaften stehen außerdem vor einem anderen Dilemma: "In keinem anderen akademischen Beruf liegen die niedrigsten und höchsten Einstiegsgehälter angestellter Berufseinsteiger so weit auseinander wie bei Rechtsanwälten", erklärt etwa das Soldan Institut, das zu Vergütungsstrukturen im Rechtsbereich forscht.

Zutat 2: Position

Um in den sechsstelligen Gehaltsbereich vorzustoßen, ist Personalverantwortung quasi ein Pflichtkriterium. Dies sei bereits auf mittlerer Managementebene vonnöten, haben die Gehaltsexperten von Stepstone festgestellt. Denn "nur zwei Prozent der Fachkräfte ohne Führungsverantwortung überschreiten die Gehaltsgrenze von 100.000 Euro".

Auf Teamleiter-Ebene gelingt es sieben Prozent, bei Bereichs- oder Abteilungsleitern sind es schon 20 Prozent, während mehr als ein Drittel der Top-Verdiener Direktoren, Geschäftsführer oder Vorstände sind. Und wer ganz oben angekommen ist, dem öffnen sich noch höhere Gehaltssphären: In Konzernen sind in den oberen Führungsebenen 250.000 Euro plus Boni drin, hat das Beratungsunternehmen Kienbaum herausgefunden. Im Vorstandsbereich geht es in die Millionen. Aber auch Geschäftsführer im Mittelstand dürften mit durchschnittlich 350.000 Euro durchaus komfortabel über die Runden kommen.

Zutat 3: Unternehmensgröße

Die größte Chance, ein sechsstelliges Gehalt zu erreichen, haben Mitarbeiter in Konzernen. So verdienen in Unternehmen mit mehr als 10.000 Angestellten 17 Prozent der Arbeitnehmer mehr als 100.000 Euro – so die Stepstone-Studie. In Unternehmen mit einer Belegschaftsgröße von 1000 bis 10.000 Mitarbeitern sind es hingegen nur zehn Prozent.

In kleineren Unternehmen verdienen nur drei Prozent der Angestellten sechsstellig. Dafür können Sie hier schneller in attraktivere Positionen aufsteigen. Eine kluge Taktik: Die Karriere zunächst mit Führungstiteln pflastern und dann in die großen Konzerne wechseln, um dort das nötige große Gehalt einzufahren.

Zutat 4: Region

Spitzenreiter in der Vergütung sind laut dem Beratungsunternehmen Kienbaum die Ballungsräume um die deutschen Großstädte Düsseldorf, Köln, München, Frankfurt und Hamburg.

Der Stepstone-Report hat außerdem herausgefunden, dass am häufigsten die Hessen sechsstellig (11 Prozent) verdienen, dicht gefolgt von Bayern (10 Prozent), Baden-Württemberg und Nordrhein-Westfalen (jeweils 9 Prozent).

Zutat 5: Branche

Laut der Stepstone-Auswertung sind in der Pharmaindustrie die Chancen am höchsten, ein Jahresgehalt von 100.000 Euro und darüber mit nach Hause zu bringen. 15 Prozent aller dort Angestellten kommen auf dieses Gehalt.

In der Chemiebranche sind mit 14 Prozent kaum weniger. Sechsstellige Gehälter sind außerdem auch im Bankensektor (13 Prozent) und der Automobilindustrie (12 Prozent) häufig.

Wie die Stepstone-Studie weiter feststellt, lässt sich auch in der Nahrungs- und Genussmittelbranche sowie der Informationstechnologie sehr gutes Geld machen. Zudem komme die Gesundheitsbranche immer mehr ins Rennen.

Neun von zehn Top-Verdienern sind männlich

Zur nackten Statistik gehört ein weiterer Faktor, der rein gar nichts mit der eigenen Qualifikation zu tun hat: Neun von zehn Topverdienern sind Männer. Ein Grund: Frauen ziehen sich – etwa wegen der Familie – häufiger als Männer aus dem Berufsleben zurück, arbeiten öfters in Teilzeit und steigen so seltener auf. Verglichen mit ihren männlichen Kollegen erreichen weibliche Fachkräfte noch immer deutlich seltener Spitzengehälter.

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