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Human Capital Führungskräfte fürchten den Verlust wertvoller Talente

Gehaltskürzungen oder ausbleibende Erhöhungen wirken sich im Wettbewerb um Mitarbeiter in Schlüsselpositionen direkt aus.

Von Anne Koschik |

Hochqualifizierte Fachkräfte fühlen sich in vielen Unternehmen nicht ausreichend wertgeschätzt und sind daher schneller bereit, zur Konkurrenz zu wechseln. Vier Fünftel der deutschen Führungskräfte fürchten bereits, Fachkräfte nicht auf Dauer binden zu können. Das geht aus einer aktuellen Arbeitsmarktstudie des Personaldienstleisters Robert Half hervor.

Hauptursache sind Corona-bedingte Gehaltskürzungen und die fehlende Perspektive auf Gehaltserhöhungen. Denn 44 Prozent der befragten Personalverantwortlichen haben dieses Jahr keine Veränderung am Gehalt vorgenommen.

Auch die Boni schrumpfen bei knapp der Hälfte der Unternehmen. Nur knapp ein Drittel der Unternehmen gab an, die Gehälter seit dem Beginn der Coronakrise im März aufgestockt zu haben.

Und nur jedes zehnte Unternehmen hat sich bereit erklärt, die Boni erhöhen zu wollen.

Standortfrage: Wann das Homeoffice Nachteile bringt

Wie die Studie zeigt, wirken sich Telearbeit und Homeoffice auch auf das Gehaltsniveau aus – nicht selten mit negativen Folgen. Da immer mehr Arbeitnehmer von zu Hause arbeiten, beeinflusst ihr Standort zunehmend die Gehaltshöhe in Deutschland. So orientiert sich das Einstiegsgehalt in erster Linie – zu 39 Prozent – am Standort des neuen Mitarbeiters und zu knapp einem Drittel an dem des Unternehmens.

Bei ebenfalls etwa einem Drittel der Befragten ist es eine Mischung aus beiden Standorten. Wer außerhalb der Ballungsgebiete wohnt und arbeitet, kann so Nachteile erfahren, da Arbeitgeber in ihre Gehaltszahlungen auch immer die Kaufkraft einfließen lassen: Frankfurt, München, Stuttgart, Düssldorf – in diesen Großstädten mit höheren Mieten fallen die Vergütungen oft großzügiger aus.

Karriereprioritäten: Überlastungen wirken sich aus

Dass Unternehmen zurzeit nicht bereit sind, Gehälter wie traditionell üblich zu erhöhen oder eben sogar Kürzungen vornehmen sieht der Personaldienstleister Robert Half mit Sorge: „Viele Arbeitnehmer sind während der Pandemie aufgrund von Überstunden und der Übernahme von mehr Verantwortung an ihre Grenzen gestoßen“, sagt Sven Hennige, Senior Managing Director Central Europe & France.

„Das ist ihnen in den vergangenen Monaten bewusst geworden, sodass sie beginnen, ihre persönlichen Karriereprioritäten zu überdenken.“

Um wichtige Mitarbeiter zu halten und für neue Talente attraktiv zu bleiben, dürften Arbeitgeber das auf keinen Fall ignorieren. Hennige empfiehlt, dass Arbeitgeber regelmäßig ihre Vergütungen auf den Prüfstand stellen und bereit sind, bei der Bindung und der Suche von Mitarbeitern schnell zu handeln.

„Die Mitarbeiter sind das wertvollste Kapital eines Unternehmens, sowohl um kurzfristig die Krise zu meistern als auch um langfristiges Unternehmenswachstum zu sichern“, betont Hennige.

Internationaler Vergleich: Sorge um Mitarbeiterbindung wächst überall

Viele Unternehmen reagieren aber bereits auf diese Entwicklung, so die Arbeitsmarktstudie. Fast zwei Drittel der befragten Führungskräfte haben seit Beginn der Pandemie neue Zusatzleistungen für Arbeitnehmer eingeführt, wie zusätzlichen Urlaub, Zuschüsse für die Büroausstattung oder Unterstützung im Bereich der psychischen Gesundheit und der externen Kinderbetreuung.

Auch das sind wichtige Faktoren, um qualifizierte Mitarbeiter an Bord zu halten.

Vergleicht man die deutschen Ergebnisse mit den internationalen Zahlen, lassen sich insgesamt viele Gemeinsamkeiten erkennen. Mit 86 Prozent aller Befragten ist die Sorge, wertvolle Mitarbeiter zu verlieren, weltweit noch größer als in Deutschland.

Der Grund dafür liegt auch für die internationalen Führungskräfte auf der Hand: Rund ein Drittel macht eine zu niedrige Vergütung oder die fehlende Aussicht auf eine Gehaltserhöhung dafür verantwortlich.

„Es wird deutlich, dass die Krise keine Ländergrenzen kennt und weltweit ein hoher Bedarf an Fachkräften besteht“, resümiert Managing Director Hennige. „Entsprechend groß ist die Sorge, wichtige Mitarbeiter zu verlieren und passende Bewerber zu finden.“

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