Finanzierungsfrage Wer bezahlt meinen MBA?

Gerade in Deutschland sind wir nahezu kostenfreie Bildung gewohnt. Ein Luxus, der vielen erst beim Blick auf die MBA-Gebühren klar wird. Wie sich die teure Investition rechnet.

Von Lilian Fiala |

Wer bezahlt meinen MBA?

MBA-Kosten: Wer soll das bezahlen?

© picture alliance / Ikon Images/R

Die Entscheidung für einen MBA kann aus den verschiedensten Gründen fallen. Die Entscheidung gegen einen MBA hat bei vielen denselben Grund: das Geld. Denn ein MBA ist im Gegensatz zum regulären Studienangebot in Deutschland nicht gebührenfrei.

Kosten im internationalen Vergleich

Die Preise liegen bei mehreren Zehntausend Euro. An Deutschlands renommiertesten Business Schools kommt man im internationalen Vergleich trotzdem noch günstig weg.

Ein Vollzeit-MBA an der Mannheimer Business School etwa kostet 39.500 Euro, an der WHU liegen die Kosten bei knapp 38.000 Euro und ein MBA an der ESCP Europe kostet rund 33.000 Euro.
Die internationalen Topschulen liegen kostentechnisch drei- bis viermal höher: So zahlen Teilnehmer in Harvard oder Stanford mehr als 100.000 Euro für das Vollzeit-MBA Programm, die London Business School liegt mit Gebühren von umgerechnet rund 96.500 Euro knapp hinter den amerikanischen Topeinrichtungen.

Return on Investment

Ein MBA ist teuer, lohnt sich aber mit Blick auf das zukünftige Gehalt: Die Financial Times errechnet im jährlichen Ranking das durchschnittliche Gehalt von MBA-Absolventen der 100 besten Schulen weltweit – drei Jahre nach Abschluss des MBAs.

Der Wert fließt in die Platzierung im End-Ranking mit ein. Absolventen der Top 20 dürfen sich auf eine durchschnittliche Gehaltssteigerung von über 100 Prozent freuen. Auf dem ersten Platz liegen die Stanford-Alumni, mit einem Einkommen von gut 200.000 US-Dollar pro Jahr.

Auch drei deutsche Business Schools haben es in die Top 100 der Financial Times geschafft: Die Mannheim Business School liegt auf Platz 61 mit einem zu erwartenden Durchschnittsgehalt von 118.260 US-Dollar im Jahr, die ESMT Berlin auf Platz 74 mit 106.581 US-Dollar und die WHU auf Platz 94 mit 112.794 Dollar.

Das sind zwar rosige Aussichten, allerdings muss die Investition in den MBA nicht erst in der Zukunft, sondern in der Gegenwart getätigt werden.

Die Finanzierungsmöglichkeiten im Überblick:

  1. Kredite der Banken und Bildungsfonds

  2. Spezialkredite der Business Schools

  3. Stipendien

  4. Kostenübernahme durch Arbeitgeber

  5. Steuerliche Absetzbarkeit

1. Kredite der Banken und Bildungsfonds

Zum einen besteht natürlich die Möglichkeit auf die eigenen Ersparnisse zurückzugreifen und zumindest einen Teil der Gebühren so zu finanzieren. Ganz klassisch kann jede Privatperson auch einen Kredit bei der Bank aufnehmen. Risikofreier

und meist auch günstiger sind die Kredite verschiedener Bildungsfonds. Dazu gehören unter anderem die Deutsche Bildung AG, der DKB Bildungsfonds, der KfW Bildungskredit sowie der Bildungsfonds von CareerConcept. Diese Bildungsfonds

funktionieren ähnlich wie der Umgekehrte Generationenvertrag der Brain Capital GmbH.

Studierende müssen sich bei dem jeweiligen Anbieter des Fonds bewerben, um einen bestimmten Betrag, also einen Teil oder die gesamte Summe der Studiengebühren zu erhalten. Nach dem Studium muss der Betrag monatlich vom Gehalt zurückgezahlt

werden. Die monatlichen Rückzahlraten entsprechen oft zehn Prozent oder weniger des monatlich verfügbaren Einkommens. Damit sind die Kredite der Fonds häufig günstiger und risikofreier als direkte Kredite von Banken, die meist in höheren Raten und schneller zurückgezahlt werden müssen.

2. Spezialkredite der Business-Schools

Oft haben die Business Schools Kooperationen mit den örtlichen Sparkassen oder Banken. Meist kann über diese Kooperation ein Kredit zu besseren Konditionen aufgenommen werden, als bei der eigenen Bank.

In jedem Fall lohnt es sich außerdem, bei den Business-Schools selbst nachzuhaken. Beinahe jede Schule vergibt Stipendien oder hat eigene Kreditprogramme, bei denen dann je nach Gehalt nach dem MBA nur ein Teil der Studienkosten zurückgezahlt

werden muss. An der WHU Düsseldorf besteht zum Beispiel die Möglichkeit, den MBA über die WHU Brain Capital GmbH zu finanzieren. Der Umgekehrte Generationenvertrag soll Studierenden ermöglichen, erst zu studieren und dann zu

bezahlen. Erst bei Berufseinstieg und einem Einkommen von 30.000 Euro beginnt die Rückzahlung, deren Höhe vom Einkommen abhängig ist. Einfach formuliert: Wer wenig verdient, zahlt wenig zurück – bei einem Einkommen unter 30.000 Euro entfällt die Zahlung sogar ganz oder wird aufgeschoben. Damit das funktioniert, müssen Alumni mit einem sehr hohen Einkommen etwas mehr zurückzahlen. Die Summe ist jedoch nach oben begrenzt.

3. Stipendien

An den internationalen Business-Schools finanzieren die Studierenden ihren MBA zu einem großen Teil über bestimmte Stipendien. Die London Business School bietet unter anderem ein spezielles Stipendium für weibliche Studierende, um mehr Frauen in Führungspositionen zu bringen. Die Columbia Business School in den USA bietet Studierenden mit Militär-Hintergrund ein besonderes Stipendium. Aber auch deutsche Business-Schools haben Stipendien im Angebot. Ein Blick auf die Website der jeweiligen Business-Schools gibt eine Übersicht über die verschiedenen Finanzierungsmöglichkeiten.

Studierende sollten sich rechtzeitig informieren: Die Bewerbungsfristen für diverse Stipendien und Finanzierungspläne laufen häufig schon ein halbes bis ein Jahr vor Studienbeginn ab.

4. Kostenübernahme durch Arbeitgeber

Eine weitere beliebte Möglichkeit ist ein vom Unternehmen finanzierter MBA. Gerade große Konzerne bieten ihren Mitarbeitern häufig die Möglichkeit, den MBA auf Kosten des Arbeitgebers zu machen, wenn diese danach mindestens zwei Jahre im Unternehmen bleiben.

5. Steuerliche Absetzbarkeit

Der MBA lässt sich in den meisten Fällen außerdem von der Steuer absetzen. Ein MBA gilt als Zweitausbildung und erfüllt daher die Voraussetzung für die Anerkennung von Fortbildungskosten. Diese werden als Werbungskosten akzeptiert und können von der Steuer abgezogen werden. Zu Werbungskosten zählen die Studiengebühren, Studienmaterialien, Bewerbungs- und Reisekosten, sowie die Kosten eines Bildungskredits, also Zinsen und Abschlusskosten.

Wenn Studierende während des MBA-Studiums im Ausland ihren Wohnsitz in Deutschland beibehalten, gelten auch Unterkunfts-, Verpflegungskosten, Heimflüge und -fahrten als Werbungskosten.

Voraussetzung ist zum einen, das der MBA nicht aus reinem privaten Interesse absolviert wird, sondern mit einer künftigen Tätigkeit und dem daraus hervorgehenden Gehalt zusammenhängen. Außerdem können Studierende nur Kosten absetzen, die sie auch selbst getragen haben. Sämtliche abzusetzende Kosten müssen natürlich nachgewiesen werden.

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