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Finanzierung Neun Wege für Gründer, an Geld zu kommen

Wer sich selbstständig machen will, braucht Kapital. Wir zeigen die Fördertöpfe, mit denen Gründer weiterkommen.

Von Anne Koschik |

Die Firma Curevac sorgt gerade mit ihrer Corona-Impfstoffforschung für Furore. Dabei hat das biopharmazeutische Unternehmen auch mal klein begonnen: Im Jahr 2000 war es eine Ausgründung der Uni Tübingen. 2003 zog das Unternehmen mit 18 Mitarbeitern ins Biotechnologiezentrum Tübingen.

Richtig ans Laufen brachte das Unternehmen Geld. Wagniskapital heißt es in der Start-up Szene: Mehrheitseigner ist bis heute SAP-Gründer Dietmar Hopp. Und gerade erst ist der Bund mit eingestiegen. Über die staatliche KfW-Bank fließen nun 300 Millionen Euro ins Unternehmen – gegen 23 Prozent der Firmenanteile.

Damit ist Curevac Vorbild für viele Gründer. Sie alle wünschen sich solche Millioneninvestitionen. Erfolgreich sind vor allem Gründungen mit einer besonderen Idee, die sich von den Wettbewerbern abhebt und wirtschaftlich tragfähig ist. Dabei muss es keineswegs ein konkretes Produkt sein. „Das kann auch ein einzigartiges Geschäftsmodell sein“, sagt Christian Hadan, auf Gesellschaftsgründungen spezialisierter Anwalt der Hamburger Kanzlei SBS Legal.

Erst die Idee, dann das Geld

Dann muss Kapital fließen. Denn nur selten haben Gründer selbst genug, um eine GmbH aufzusetzen. Gegenüber der kostenlosen Gesellschaft bürgerlichen Rechts (GbR) hat sie den Vorteil, dass das Privatvermögen im Härtefall geschützt bleibt. 25.000 Euro aber kostet es allein schon, eine GmbH zu gründen, die Hälfte muss direkt eingezahlt werden.

Gelder für Forschung und Produktentwicklung kommen noch obendrauf und verschlingen weitaus mehr Kapital; darüber hinaus entstehen Personalkosten.

Das erfordert ein hohes Maß an Einsatz und Risiko. Gründer müssen Ideen entwickeln, einen Businessplan schreiben, Kapital organisieren. Die gute Nachricht ist: Gründer können sich helfen lassen, sei es durch Beratung, Fördergelder, Wagniskapital oder Stipendien. Zusammen mit Rechtsanwalt Christian Hadan hat karriere.de neun Fördermöglichkeiten unter die Lupe genommen. So kommen Gründer an Geld:

1. Beratungsförderung – für bessere Erfolgsaussichten

Geeignet für: Besonders für Gründer in den Startlöchern. Unternehmens- und Existenzgründerberater helfen Gründern in individuellen Gesprächen am Anfang der Gründung und Selbstständigkeit, alle Fragen rund um die Gründung inklusive des Businessplans zu klären.

Nutzen: Vieles kann in der Gründungsphase schiefgehen und es gibt unzählige Dinge zu beachten. Die Erfahrung der Experten hilft daher sehr, auch wenn sie nicht kostenlos ist. Studien belegen, dass die Erfolgsaussichten einer Gründung erhöht werden, wenn ein Beratungs- oder Coachingangebot in Anspruch genommen wird.

Finanzieller Vorteil: Weil die Beratungsleistungen nachweislich sinnvoll sind, werden sie staatlich gefördert. Christian Hadan: „Die Unterstützung ist von Bundesland zu Bundesland aber unterschiedlich und kann je nach Ausgangssituation bis zu 90 Prozent des Beraterhonorars betragen.“

Zugang/Kontakt: Existenzgründungsportal des Bundesministeriums für Wirtschaft und Energie
1. Anlaufstellen der Länder für die Startphase
2. Beratung in Fragen der Unternehmensführung für Jung- und Bestandsunternehmen

2. Geförderte KfW-Kredite – günstiger als bei der Bank

Geeignet für: Speziell auf die Bedürfnisse von Jung-Uternehmern zugeschnitten; auch für Unternehmensnachfolger geeignet.

Nutzen: Die Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) bietet zum Beispiel Startgeld bis zu 125.000 Euro oder Gründungskapital bis zu 500.000 Euro mit Zinssätzen zwischen 1,21 und 2,82 Prozent. Sie übernimmt auch ganz oder teilweise das Kreditrisiko.

Finanzieller Vorteil: Christian Hadan: „Diese Kredite haben den Vorteil, dass sie deutlich zinsgünstiger sind als gewöhnliche Bankkredite. Zudem bieten sie tilgungsfreie Anlaufjahre und können teilweise sogar ohne Eigenkapital aufgenommen werden.“

3. Mezzanine-Finanzierungen (Mikromezzaninfonds) – speziell für kleine Unternehmen

Geeignet für:
Unternehmen, die ihre Eigenkapitalbasis stärken müssen. Es gibt sie über Förderbanken, Crowdinvesting-Plattformen oder von privaten Investoren. Der Mikromezzaninfonds passt speziell für kleine und junge Unternehmen. Gefördert werden zum Beispiel Betriebe, die aus der Arbeitslosigkeit gegründet oder von Menschen mit Migrationshintergrund geführt werden, gewerblich orientierte Sozialunternehmen, umweltorientierte Firmen oder Unternehmen aus dem Heil- und Pflegebereich.

Nutzen:
Mit dieser Mischform aus Fremd- und Eigenkapital lässt sich die Eigenkapitalbasis von kleinen Unternehmen um bis zu 50.000 Euro stärken, ohne dass der Kapitalgeber ein Stimmrecht erhalten muss oder Einfluss nehmen kann.

Finanzieller Vorteil:
Die Finanzierung ist zwar auf den ersten Blick teurer als ein klassischer Kredit. Christian Hadan: „Aber dadurch erhöhen sich die Chancen, einen weiteren notwendigen Unternehmenskredit überhaupt erst zu erhalten.“

4. High-Tech Gründerfonds (HTGF) – hohe Materialkosten

Geeignet für: Junge High-Tech-Unternehmen in Deutschland

Nutzen: Der Frühphaseninvestor unterstützt innovative und technologieorientierte Gründungen mit besonders hohen Markt- und technischen Risiken. Start-ups, die nicht älter als drei Jahre sind und über nicht mehr als 500.000 Euro Eigenkapital verfügen. Möglich sind zum Beispiel Unterstützungsleistungen von bis zu 600.000 Euro, wofür der HTGF aber 15 Prozent der Unternehmensanteile erhält.

Seit September 2005 investiert der High-Tech Gründerfonds (HTG) gezielt in junge High-Tech-Unternehmen in Deutschland. In den 576 Millionen Euro schweren Fonds haben neben dem Bund als Hauptinvestor (über das Bundesministerium für Wirtschaft und Energie (BMWi) und die KfW-Bankengruppe) auch die Industrieunternehmen Deutsche Telekom, Siemens, BASF, Robert Bosch, Carl Zeiss und Daimler investiert.

Finanzieller Vorteil: Christian Hadan: „Der HTGF bietet nicht nur eine Finanzierungsmöglichkeit von Risikokapital, sondern auch ein starkes Netzwerk und Coachingmöglichkeiten, die gewinnversprechend sind.“

Zugang/Kontakt: High-Tech Gründerfonds

5. Exist-Gründerstipendium – für Forscher

Geeignet für: Studierende sowie Absolventen und Wissenschaftler aus Hochschulen und außeruniversitären Forschungseinrichtungen

Nutzen: Gründungsvorhaben für innovative technologieorientierte Projekte mit bedeutenden Alleinstellungsmerkmalen werden unterstützt, wenn sie darüber hinaus wirtschaftlichen Erfolg versprechen. Gefördert wird der persönliche Lebensunterhalt mit bis zu 3000 Euro im Monat, Sachausgaben und Coaching – maximal für ein Jahr. Die Unternehmensgründung darf erst nach Beginn der Förderung erfolgen.

Finanzieller Vorteil: Das Stipendium erhält nur, wer einen bestimmten Leistungskatalog erfüllt. Christian Hadan: „Das lohnt sich in zweierlei Hinsicht: in unter Umständen sehr großzügiger finanzieller Hilfe und einem enormen Wissenszuwachs.“

Zugang/Kontakt: Exist-Gründerstipendium

6. Business Angels – finanzstarke Privatpersonen mit Know-how

Geeignet für: Innovative Start-ups, die Wachstumsstärke in Aussicht stellen

Nutzen: Bei den Business Angels handelt es sich um Privatpersonen, die ihr privates Vermögen in vielversprechende junge Unternehmen investieren. Zudem sind sie aktive Wagniskapitalgeber, indem sie dem Unternehmen ihr Know-how sowie ihr Netzwerk zur Verfügung stellen. In der Regel investieren sie bereits während oder kurz nach der Gründung, also in einer sehr frühen Phase. Im Gegenzug erhalten die Business Angels für die Unterstützung Anteile an dem Unternehmen.

Finanzieller Vorteil: Das Modell ist nicht zuletzt durch die TV-Sendung Die Höhle der Löwe publik geworden. Gründerideen werden monetarisiert, weil sich Investoren von einem Geschäftsmodell überzeugen lassen und Kapital einsetzen. Christian Hadan: „Im Idealfall gewinnen beide. Die Gefahr liegt darin, einen zu großen Unternehmensanteil für zu kleines Geld weggegeben zu haben.“

7. Invest – Förderprogramm des Wirtschaftsministeriums

Geeignet für: Gründungsvorhaben oder bestehendes Start-up; Business Angel, die sich an Start-ups beteiligen möchten

Nutzen: Junge und innovative Unternehmen sollen gerade in der Startphase mehr Wagniskapital erhalten. Investoren scheuen oft das Risiko. Das Förderprogramm Invest des Bundeswirtschaftsministeriums ermutigt daher Business Angels mit einem Erwerbszuschuss, ihr Kapital zu investieren. 20 Prozent ihrer Investition erhalten sie steuerfrei erstattet, wenn sie mindestens 10.000 Euro Wagnis-kapital einsetzen. Bis zu 500.000 Euro an Erwerbszuschüssen werden gezahlt

Finanzieller Vorteil: Pro Unternehmen können Beteiligungen mehrerer Investoren von insgesamt bis zu drei Millionen Euro pro Kalenderjahr mit dem Erwerbszuschuss gefördert werden. Christian Hadan: „Solche ge-waltigen Summen können Start-ups richtig vorantreiben. Da der Erwerbszuschuss auch noch von der Ertragssteuer befreit ist, ist der Anreiz für privater Wagniskapitalgeber noch größer. Wer also Kontakte zu Venture Capital hat, sollte es nutzen.“

8. Gründungszuschuss des Arbeitsamts

Geeignet für: Empfänger von Arbeitslosengeld (ALG I), die sich selbstständig machen wollen, um ihre Arbeitslosigkeit zu beenden.

Nutzen: Als finanzielle Unterstützung in der Anfangsphase der Selbstständigkeit dient der Gründungszuschuss Empfängern von ALG I.

Finanzieller Vorteil: Der Gründer erhält in einer ersten Phase für ein halbes Jahr die ALG I-Regelleistung weiter und bis zu 15 Monate lang einen Zuschuss in Höhe von 300 Euro als Ausgleich für die Kosten der Sozialversicherungsbeiträge

9. Einstiegsgeld für Hartz-IV-Empfänger

Geeignet für: Empfänger des ALG II, auch Hartz IV genannt

Nutzen: Arbeitslose können das Einstiegsgeld beantragen, wenn sie sich selbstständig machen möchten und die persönlichen Voraussetzungen für eine erfolgreiche Existenzgründung vorliegen. Die Höhe der Förderung wird dabei individuell bemessen

Finanzieller Vorteil: Es sind Zuschüsse von maximal 5000 Euro sowie Darlehen zur Beschaffung von Sachgütern oder Beratungsleistungen möglich. Die Unterstützung beläuft sich auf maximal 24 Monate. Das ist wertvolles Startkapital, was nicht jeder erhält. Denn es handelt sich dabei um eine Kann-Regelung – ein Rechtsanspruch darauf besteht nicht.

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