Das Erfolgsportal von
Handelsblatt & WirtschaftsWoche
Alles, was erfolgreich macht.

Entgelttransparenzgesetz: Nur wenige nehmen Auskunftsanspruch über Kollegengehälter wahr  

Entgelttransparenzgesetz Auskunftsanspruch über Kollegengehälter nehmen erst wenige wahr  

Eine neue Gesamtstrategie soll die Gleichstellung der Gehälter von Frauen und Männern jetzt vorantreiben.

Gehalt | KA |

Auskunftsanspruch über Kollegengehälter nehmen erst wenige wahr  

Mehr Transparenz in Vergütungsstrukturen

Das Entgelttransparentgesetz soll die Chancengleichheit für Frauen und Männer verbessern. Seine Wirksamkeit wurde jetzt erstmals überprüft.

Foto: Nick Turner on Unsplash

Mit der Geheimniskrämerei ums Gehalt ist es in Deutschland vorbei. Dafür soll das Entgelttransparenzgesetz sorgen, das vor zwei Jahren in Kraft trat. Erstmals wurde es jetzt offiziell auf seine Wirksamkeit geprüft. Denn es soll die Karriere- und Erwerbschancen der Frauen in Deutschland verbessern. 

Und das kam dabei heraus: „Mit dem Gesetz sind faire betriebliche Entgeltstrukturen zu einem breit diskutierten Thema geworden.

Viele Unternehmen haben verstanden, dass sie gleiche Löhne und gleiche Chancen für Frauen und Männer gewährleisten müssen, wenn sie im Wettbewerb um die besten Fachkräfte ein attraktiver Arbeitgeber sein wollen“, erklärte Bundesfrauenministerin Franziska Giffey, die jetzt ihren Bericht dem Bundeskabinett vorgelegt hat. 

Auskunft für Mitarbeiter: Wer wieviel im Unternehmen verdient 

Fehlende Transparenz in betrieblichen Entgeltstrukturen soll das Gesetz bekämpfen. So haben zum Beispiel Beschäftigte in Unternehmen mit mehr als 200 Angestellten einen individuellen Auskunftsanspruch über die Gehälter und Arbeitgeber müssen betriebliche Prüfverfahren durchführen.

Doch die Ergebnisse des Evaluationsgutachtens zeigen, dass nur wenige Mitarbeiter von ihrem Anspruch Gebrauch machen, beziehungsweise davon überhaupt wissen. 

Was verdient mein Kollege in einer vergleichbaren Position? Das ist doch wichtig zu wissen, wenn man in Gehaltsverhandlungen einsteigt oder auf Chancengleichheit pocht. Aber nur 4 Prozent der Beschäftigten haben hierzu Erkundungen eingeholt.

Auch haben erst knapp die Hälfte der Unternehmen freiwillig ihre Entgeltstrukturen überprüft und sind ihrer Berichtspflicht darüber nachgekommen. Immerhin planen weiter 40 Prozent, dies bald zu tun.

Chancengleichheit im Fokus: Es geht nicht nur ums Gehalt

Da über die Entgeltgleichheit eine Gleichstellung in der Arbeitswelt erreicht werden soll, schlägt das Bundesministerium eine neue Gesamtstrategie vor.

Für Nachbesserungen hatte sich unter anderem der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB) stark gemacht. Es sei „Aufgabe des Staates, durch die verpflichtende Einführung von Prüfverfahren Einfallstore für eine unterschiedliche Bezahlung zu schließen.“

Wichtige Punkte der neuen Strategie, die das Gesetz an relevanten Stellen scharf stellen sollen, sind:

  • In der Gesellschaft soll eine Berufswahl frei von Rollenklischees vorangetrieben werden.

  • Das Führungspositionen-Gesetz für die Privatwirtschaft wird geschärft.

  • Im Öffentlichen Dienst sollen die Weichen für Parität in den Führungspositionen gestellt werden.

  • Weitere Verbesserungen für die Vereinbarkeit von Familie und Beruf stehen an: Vor allem sollen Fehlanreize zur Erwerbsbeteiligung abgebaut werden.

  • Soziale Berufe, in denen 80 Prozent Frauen arbeiten, müssen aufgewertet werden: Es geht dabei nicht nur um höhere Gehälter, sondern auch um die Notwendigkeit, Männer für diese Berufe zu gewinnen.

Erhöhte Transparenz: Welche Mittel zur Gleichstellung jetzt ins Spiel kommen

Mitarbeiter können sich freuen: Das Bundesministerium will die Inhalte des Entgelttransparenzgesetzes noch weiter bekannt machen und das Auskunftsverfahren in Unternehmen vereinfachen. Was auch wichtig ist. Denn oftmals scheiterten Angestellte daran, dass die Personalabteilungen ihnen Informationen verweigerten, weil Positionen zum Beispiel als nicht hinreichend vergleichbar dargestellt wurden. Hilfreich soll hier „die Erhöhung der Aussagekraft der Auskunft durch die Erweiterung der zu gewährenden Informationen“ sein. 

Unternehmen geraten also in Zugzwang, auch durch angedrohte Sanktionen und konkretere Anforderungen, dass sie ihrer Berichtspflicht nachkommen müssen. Über die betrieblichen Prüfinstrumente gibt ein neues Online-Tool Auskunft, das Fair Pay Innovation Lab (FPI) entwickelt hat. Mitarbeiter können sich hier einen Überblick verschaffen, an welchen Stellschrauben ihre Arbeitgeber drehen können, um mehr Chancengleichheit zu erreichen.

Und Unternehmen haben dadurch die Möglichkeit, die Arbeitsbedingungen und Entgeltstrukturen leicht zu analysieren und aus den Daten praxistaugliche Maßnahmen abzuleiten, um die Einkommensunterschiede zwischen Frauen und Männern vollständig ausgleichen zu können.  FPI-Chefin Henrike von Platen sagt, was dahintersteckt: „Lohngerechtigkeit ist kein Hexenwerk, sondern ein Prozess.“ Mit dem FPI Tool Compass seien Unternehmen in der Lage, diesen gut zu gestalten.

  

 

Envelope

Für DGB wurden passende Jobangebote gefunden.

Wollen Sie diese und kommende Jobangebote per E-Mail zugesendet bekommen?

Jobs anzeigen
Benachrichtigung aktivieren
Dürfen wir Sie in Ihrem Browser über die neuesten Karriere-Themen informieren? Sie erhalten 1 bis 2 Meldungen pro Woche.
Fast geschafft
Erlauben Sie www.karriere.de, Ihnen Benachrichtigungen zu schicken. Dies können Sie in der Meldung Ihres Browsers bestätigen.
Benachrichtigungen erfolgreich aktiviert
Ab sofort bleiben Sie bei den aktuellsten Karriere-Themen auf dem Laufenden. Sie erhalten 1 bis 2 Meldungen pro Woche.
Lade Seite...