MBA Wie gut ist die Business School ESADE?

Was bringt ESADE? Die spanische Business School steht ein ein bisschen im Schatten des großen Konkurrenten IESE. MBA-Absolvent Tobias Kosten erklärt, warum die Schule für Deutsche dennoch attraktiv sein kann.

Christoph Mohr | , aktualisiert

Tobias Kosten hat von 2002 bis 2004 seinen MBA an der spanischen Business School ESADE in Barcelona gemacht. Heute arbeitet der 36-jährige als „Strategy Analyst“ im Bereich Strategic Corporate Planning beim Teleshopping-Unternehmen QVC in Düsseldorf. Zugleich engagiert sich Tobias Kosten als Vize-Präsident der deutschen ESADE-Alumni für seine Schule.

Sie haben klassisch an der Uni Köln BWL studiert. Wozu brauchten Sie da noch einen MBA?
Nach meinem BWL Studium und der Ausbildung zum Kommunikationswirt an der WAK in Köln fühlte ich mich irgendwie noch nicht „fertig“. An der Kölner Uni gibt es den klassischen, deutschen Frontalunterricht, an der ESADE arbeitet man in internationalen Teams an konkreten Fallstudien. Es ist etwas anderes über Buchhaltung in Deutsch zu lesen, als im Team mit einem katalanischen Chemiker, einer peruanischen Ingenieurin, einer kolumbianischen Anwältin, einem mexikanischen Arzt und einem argentinischen IT-Fachmann auf Spanisch zu diskutieren.

Wie kamen Sie auf ESADE?
Mein Ziel war es, einen zweijährigen, bilingualen MBA auf Englisch und Spanisch zu machen. Dies ist in dieser Form meines Wissens nur an zwei Schulen auf der Welt möglich. Eine davon ist ESADE. Zudem hatte ich während eines Praktikums in Barcelona nur Gutes von ESADE gehört.

Jede Business School, die auf sich hält, behauptet das MBA-Studium sei eine „life changing experience“. War das auch bei Ihnen der Fall?
In jedem Fall! In meinem Jahrgang waren wir 120 Teilnehmer aus 32 Ländern, die im Durchschnitt ca. 5 Jahre Berufserfahrung hatten. In dieser interkulturellen Atmosphäre unter starkem Zeitdruck im Team Erfolge zu erzielen, schweißt sehr stark zusammen und verändert die Sichtweise auf die Dinge enorm. Insbesondere von meinen lateinamerikanischen Teammitgliedern habe ich gelernt, meine „deutsche“ Analytik mit lateinamerikanischer Kreativität und Enthusiasmus zu verbinden. In scheinbar aussichtslosen Situationen bin ich nun wesentlich ruhiger und denke mir: „Wie würden meine lateinamerikanischen Team-Mitglieder wohl jetzt dieses Problem lösen“

ESADE ist in Barcelona beheimatet, immerhin eine der In- und Party-Locations in Europa. Wie viel bekommen davon die MBA-Studenten mit? Und wie stark prägt die Stadt die Schule?
Im ersten Jahr hatten wir so viel Arbeit, außer dem Weg von meiner Wohnung zu ESADE und zurück zumindest während der Woche praktisch nichts von Barcelona gesehen habe. Die Stadt gesehen habe ich nur, wenn ich Besuch aus Deutschland hatte. Zudem habe ich mich in dieser Zeit auch noch in Deutschland mit einem Partner im Bereich interaktives Fernsehen selbständig gemacht und die Firma Interactiv/Joca gegründet. Im zweiten Jahr hatte ich etwas mehr Freizeit und habe die Stadt dafür umso besser kennengelernt! Bei ESADE betrachtet man den Menschen als Ganzes und legt starken Wert darauf, den Studenten nicht nur fachlich, sondern auch gesamtheitlich weiterzubilden. Es gibt einen gut organisierten Studenten-Club, der von Führungen in Museen, über Weinproben bis zu Member-Cards für die angesagtesten Diskotheken sehr viel Unterstützung liefert. 

Mit Ihrem MBA in der Tasche, arbeiten Sie heute beim Teleshopping-Unternehmen QVC in Düsseldorf. Nicht unbedingt eine Top-Adresse für MBA-Absolventen…
Viele meiner MBA-Kollegen sind zu Beratungsfirmen, Investmentbanken und Großkonzernen gegangen. Nachdem ich nach dem MBA bei Kienbaum den Bereich Headhunting kennen gelernt und bei der Sport und Markt AG den Bereich Business Development mit aufgebaut hatte, bin ich nun bei QVC – Deutschlands Kundenchampion und Marktführer im Bereich Teleshopping in Europa - als Business Analyst im Bereich Strategic Corporate Planning tätig. Hier sind wir als Stabsstelle direkt der Geschäftsleitung zugeordnet und sind eine Mischung aus interner Beratung, Ideenlieferant und Umsetzer. Die Position bietet mir viel Entfaltungsmöglichkeiten und immer wieder sehr spannende Projekte. Insofern fühle ich mich bei QVC sehr wohl!

Inwieweit hilft Ihnen, was Sie im MBA-Studium gelernt haben in Ihrem heutigen Job?
In meiner Tätigkeit brauche ich eine Mischung aus analytischer Kompetenz, Prozesskenntnissen, Fingerspitzengefühl im zwischenmenschlichen Bereich sowie Fremdsprachen. Da wir vornehmlich in Projekten arbeiten, muss ich mich praktisch jedes Mal wieder von Neuem in komplexe Fachthemen einarbeiten. Dies ist stark vergleichbar mit dem Lösen einer Case Study während des MBA’s.

Der MBA-Absolvent als Strategy Analyst ist sozusagen kein Einzelschicksal. Deutet sich da ein Problem für deutsche MBA-Absolventen an? Für Strategieberatung nimmt man sie gerne, in die operativen Funktionen lässt man sie nicht.
Dies ist nur zum Teil richtig. Viele meiner MBA-Kollegen haben in der Tat im Strategiebereich angefangen. Heute sind sie aber meistens in operativen Funktionen tätig. Strategie stellt für viele MBA-Absolventen einen guten Einstieg dar und entspricht sicherlich den Phasen des „Lebenszyklus“ eines MBA’lers. Als MBA ist man sehr breit ausgebildet und somit auch für „das wirkliche Leben“ gut gerüstet.

Jetzt ist es schon einige Zeit her, dass Sie an ESADE Ihr MBA-Studium absolviert haben; Sie sind aber in Kontakt mit der Schule geblieben. Was hat sich an der ESADE verändert?
ESADE hat sich von einer eher lokal geprägten, das heißt katalanisch orientierten Schule zu einer wirklich globalen Einrichtung gewandelt. ESADE findet man heute in allen Rankings relativ weit oben. Die Mission von ESADE ist es, innerhalb der nächsten fünf Jahre unter die Top-5 Schulen weltweit zu gelangen. Hierzu unternimmt die Hochschulleitung beachtliche Schritte: angefangen von der Auswahl der Studenten, über die Qualifikation der Professoren, die Ausstattung der Lehrräume, bis hin zum Catering orientiert man sich ganz klar an den Top-5. Dies mitzuerleben ist wirklich beeindruckend.

ESADE ist eine der drei Top-Business Schools in Spanien – mit guten Kontakten zur spanischen Geschäftswelt. Was bringt das deutschen MBA-Studenten?
ESADE liefert eine bilinguale Top-Ausbildung auf internationalem Spitzenniveau als sehr gute Ergänzung zu einem deutschen Hochschulstudium an einer Top-Location. Auch in Deutschland ließt man MBA-Rankings sehr aufmerksam. Nach meinem Abschluß im Jahre 2004 musste ich hin und wieder erklären, wer oder was ESADE ist. Heute werde ich proaktiv auf ESADE angesprochen. Firmen wie z. B. BCG, Henkel und Procter & Gamble rekrutieren aus Deutschland in Barcelona direkt am Campus.

Umgekehrt: Wie gut sind die ESADE-Kontakte nach Deutschland?
Ausgesprochen gut. Zusammen mit dem Präsidenten der ESADE Alumni in Deutschland Stefan Hörster vernetzen wir uns sehr gut. Viel läuft über unsere neue ESADE Internet-Jobplattform, die Kontakte zum Career Development Center in Barcelona und im direkten Kontakt mit Firmen in Deutschland u. a. im Rahmen zahlreicher Events des Alumni Netzwerkes.

Wieviele deutsche ESADE-Absolventen gibt es? Und wie aktiv ist Ihre Alumni-Vereinigung?
Insgesamt gibt es momentan rund 120 ESADE Absolventen in Deutschland. Hiervon sind ca. 80 MBA-Absolventen und ca. 40 Absolventen des Undergraduate-Programs. Als Alumni-Organisation organisieren wir jährliche mehrere Treffen, Kontakte zu Firmen, bieten unseren Mitgliedern nach Absprache Kontakte zu Headhuntern oder regionale „Stammtische“, um sich bei einem gepflegten Bier auszutauschen.

Einmal unabhängig von Deutschland, wie stark ist der Zusammenhalt der ESADE-Alumni allgemein? Oder anders gefragt: Wie gut ist das ESADE-Alumni-Netzwerk?
Der Kontakt zu den Alumni-Organisationen in anderen Ländern ist sehr gut und wird stetig ausgebaut. Wir sind auf allen Kontinenten vertreten mit Schwerpunkten in Europa und Lateinamerika. Der Kontakt beschränkt sich allerdings nicht nur auf das Formale. Das Schönste für mich ist es, mitzuerleben, was im Leben meiner MBA-Kollegen passiert. Beispielsweise war ich Anfang des Jahres auf einer dreitägigen Hochzeit in Katmandu/Nepal eingeladen. Dort heiratete ein indischer Kommilitone nach Hindu-Tradition mit insgesamt knapp 3000 Gästen. Zusammen mit 15 ESADE-MBA’s waren meine Freundin und ich eingeladen. Dies sind Dinge im Leben, die man nur einmal erlebt und die ich ohne ESADE sicherlich nicht erlebt hätte. Auch freut man sich jedes Mal sehr, wenn man von Mitgliedern seines Jahrgangs Fotos ihrer neugeborenen Kinder zugesandt bekommt. Dann glühen Skype und der Microsoft-Messanger jedes Mal…

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