MBA Warum in die Ferne schweifen?

Wer als erfahrene Führungskraft einen guten MBA sucht, muss nicht mehr in die USA oder nach Großbritannien blicken. Und global sind die Programme in der Nähe auch.

Christiane Holländer* | , aktualisiert

Warum in die Ferne schweifen?

Eine sehr gute Ranking-Performace weist die WHU-Otto Beisheim School of Management in Vallendar auf.

Foto: WHU

Global ausgerichtete Programme

Noch vor Jahren war klar: Wer international den Aufstieg ins Management schaffen wollte, der war mit einem MBA-Studium in den USA gut bedient. Und zwar an einer der besonders renommierten Hochschulen wie Stanford, Harvard oder Wharton.  Heute ist das Weiterbildungsstudium mit dem Abschluss MBA (Master of Business Administration) noch stärker als je zuvor auch hierzulande der Königsweg für Karrierewillige. Denn: Die Unternehmen sparen an internen Fortbildungen. Und die früher übliche Promotion als Nachweis für Führungsqualitäten ist heute aufgrund immer stärkerer Forschungsorientierung keine Alternative mehr zum MBA. 

Mittlerweile gibt es auch in Deutschland, Österreich und der Schweiz eine ganze Reihe qualitativ hochwertiger MBA-Programme Durch die langjährigen Wettbewerbsnachteile gegenüber den erfolgreichen US-Hochschulen waren die hiesigen Business-Schools gezwungen, ihre Programme weiterzuentwickeln. Das führte zu Allianzen mit Top-Schools auf anderen Kontinenten.

Die Folge: Gerade die europäischen Business-Schools bieten besonders global ausgerichtete Angebote, die sich stärker an den Bedürfnissen der Teilnehmer orientieren – mit Gruppen von in der Regel nicht mehr als 50 Teilnehmern, internationalen Studienaufenthalten und Programmen für bestimmte Zielgruppen. Führungskräfte können davon profitieren.

Kluge Auswahl

Um vieles leichter ist es doch, das Studium an der Wirtschaftshochschule "um die Ecke" mit Job und Familie zu vereinbaren. Doch die kluge Auswahl des Programms ist entscheidend – ausgerichtet an den eigenen Karrierezielen.

Nicht ganz leicht angesichts der aktuell über 300 Programme, die der MBA-Guide für Deutschland auflistet.

Wer schon fünf bis zehn Jahre Berufserfahrung hat, sollte sich nach einem sogenannten Executive MBA (EMBA) umsehen, dem Premium-Programm. Aufgenommen wird nur, wer zudem mindestens zwei bis drei Jahre echte Führungserfahrung vorweisen kann.

GMAT keine Pflicht beim EMBA

Am renommierten IMD in Lausanne ist der typische EMBA-Teilnehmer Ende 30 und hat rund 15 Jahre Berufserfahrung. Aber auch Teilnehmer, die älter als 50 Jahre sind, wählen solche Programme. Angehende Führungskräfte zwischen 25 und 30 Jahren hingegen sind Zielgruppe des klassischen MBA. Der Vorteil für Führungskräfte: Für die EMBA-Programme verlangen die Hochschulen meist nicht den aufwendigen Standardtest GMAT, der für den klassischen MBA im Prinzip Pflicht ist.

Die Auswahl an EMBA-Programmen ist in Deutschland, in Österreich und in der Schweiz mittlerweile groß. Deutsch- und auch englischsprachige Studiengänge bieten etwa die Universität St. Gallen, die Wirtschaftsuniversität Wien und auch die EBS Universität in Wiesbaden.

Besonders im Trend liegen globale EMBAs mit vielen internationalen Studienaufenthalten, der MBA wird so zur Lernreise. Wer ohnedies viel reist, für den sind englischsprachige Studiengänge, die überwiegend auf dem Campus einer oder maximal zweier Hochschulen unterrichtet werden, interessant. Angebote in deutscher Sprache richten sich an alle, die schon viel Auslandserfahrung haben oder ganz bewusst auf Internationalität verzichten. 

Ranking als Qualitätsindikator

Doch wie finden Kandidaten das für sie richtige Programm? Wichtiger Indikator ist das alljährliche EMBA-Ranking der Financial Times. Das Ranking gewichtet Gehaltsentwicklung und Karrierefortschritt der Absolventen besonders stark. Ist die Hochschule in diesem Ranking oder der Rangliste der besten Europäischen Business-Schools regelmäßig dabei, ist dies ein guter Qualitätsindikator.

Die beste Ranking-Performance nach diesem Verständnis bieten in Deutschland, Österreich und der Schweiz das amerikanisch geprägte IMD, die WHU-Otto Beisheim School of Management nahe Koblenz, die ESCP Europe mit ihrem Campus in Berlin sowie die Mannheim Business School.

Ist die Gehaltssteigerung sekundär, dann sollte das Ranking auch nicht zu stark bewertet werden. Dann spielen andere Qualitätskriterien eine größere Rolle. Ein Mindestmaß an Qualität garantieren im deutschsprachigen Raum 21 EMBA, die mindestens eines der drei internationalen Gütesiegel AACSB, Amba oder Equis haben.

Skepsis ist berechtigt, wenn das Programm oder die Wirtschaftshochschule noch kein internationales Gütesiegel vorweisen kann und weniger als drei Jahrgänge durchgeführt hat. Dann kann es sein, dass der Studiengang noch nicht ganz ausgereift ist, dass die Fakultät noch verändert wird und Dozenten ausgetauscht werden oder an der Betreuung der Teilnehmer gearbeitet wird.

Hochschulen, die Jahr um Jahr ihre Curricula, Zeitkonzepte und Inhalte überdenken, punkten bei der Qualität. Prominent ist daher der deutschsprachige EMBA der Universität St. Gallen, der seit 1987 angeboten wird.

Bewerber sollten zudem genauer nachfragen, wer im Programm unterrichtet. Ist der überwiegende Teil der Fakultät auf dem Campus ansässig, darf man Aufmerksamkeit gegenüber den Teilnehmern erwarten. Reist die gesamte Fakultät aus Übersee an wie beim Lorange Institute of Business in Zürich, bringen die vielleicht mehr internationale Inhalte ein, doch sind sie für Diskussionen außerhalb der Kurse schlicht nicht da.

Neue Programme

Wem Vorlesungsort und Preis wichtiger sind als langjährige Erfahrung der Business-School, für den lohnt sich auch ein Blick auf recht neue Programme. 

In Deutschland sind zwei recht vielversprechend: Der EMBA der Frankfurt School of Finance & Management und der EMBA der Kühne Logistics School (KLU) in Hamburg. Auch, weil es im Norden Deutschlands bisher keine Spitzen-MBA-Programme gibt.

Die Frankfurt School hat als ehemalige Bankakademie in Frankfurt viel Erfahrung in der Weiterbildung, hier können Teilnehmer auch jetzt schon ein solides Programm erwarten. Organisatorische Kompetenz beweisen muss hingegen die noch junge KLU in Hamburg. Mit sieben Teilnehmern hat gerade der erste Jahrgang des auf Leadership und Logistik ausgerichteten EMBA Programms das Studium begonnen. 

Vorsicht vor Abzockern

Wer allerdings auf junge, sehr günstige oder wenig renommierte Anbieter direkt vor der Haustür setzt, sollte darauf achten, dass zumindest ein Kriterium erfüllt ist: die Akkreditierung der deutschen Agentur Fibaa (Foundation for International Business Administration Accreditation). Ist das nicht der Fall oder nicht in Planung, gibt es nur einen Rat: Finger weg.

In diesem Fall hat man es vermutlich mit einer Wirtschaftshochschule zu tun, die ohne Marktkenntnis zu Lasten der Teilnehmer schlicht und einfach Geld verdienen möchte.

*) Christiane Holländer hat unter anderem als MBA-Direktorin an Business-Schools gearbeitet und ist heute als unabhängige MBA Beraterin tätig


Executive MBA (EMBA):



Das praxisnahe Managementstudium richtet sich anders als der MBA an erfahrene Führungskräfte. Oft sind die Teilnehmer schon zehn bis 15 Jahre im Job. Gerade in Deutschland haben viele Programme ein niedriges Durchschnittsalter und sind damit eher Teilzeit-MBA denn EMBA. 

AACSB, Amba, Equis, Fibaa:

Die drei international wichtigsten Qualitätssiegel sind die der US-Organisation AACSB, der britischen Amba und des europäischen EFMD, der das Equis-Siegel vergibt. AACSB und Equis beurteilen die Qualität ganzer Business-Schools  oder Wirtschaftsfakultäten, Amba bewertet einzelne Programme. Der deutsche Akkreditierer Fibaa hat sich auf Wirtschaftsstudiengänge spezialisiert, aber international kaum Bedeutung.

GMAT:

Der Standardaufnahmetest für MBA-Programme kann weltweit in Testzentren abgelegt werden. Er misst die analytisch-logischen Fähigkeiten des Bewerbers und wird vor allem für den MBA, seltener für den EMBA verlangt.

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