MBA Von der Werkbank an die Hochschule

Einige Bundesländer erlauben das MBA-Studium ohne ersten Uni-Abschluss. Doch das ist umstritten.

Nele Hansen | , aktualisiert

Von der Werkbank an die Hochschule

MBA

Einige Bundesländer erlauben das MBA-Studium ohne ersten Uni-Abschluss. Doch das ist umstritten.

Foto: Fotolia.com

Sven Tischendorf ist ein typischer MBA-Student – eigentlich. Er hat Jura studiert, danach promoviert und leitet eine Anwaltskanzlei. Seit einigen Monaten studiert der 44-Jährige im Executive MBA, einem berufsbegleitenden Master of Business Administration für Führungskräfte an der Frankfurt School of Finance and Management. Doch in seinem Studiengang ist er als Akademiker in der Minderheit. Denn die meisten seiner Kommilitonen ähneln dem 32-jährigen Wolfgang Forster. Er hat eine Bankausbildung gemacht, danach die Weiterbildung zum Bankbetriebswirt und leitet jetzt eine kleine Unternehmensberatung. An einer Universität hat er nicht studiert. Zehn Bundesländer erlauben Master ohne Erststudium.
 
Berufserfahrung und Test

Immer mehr deutsche Business Schools öffnen ihre berufsbegleitenden
MBA-Studiengänge für Nicht-Akademiker. Eine Änderung der Hochschulgesetze macht das möglich. In zehn Bundesländern dürfen Bewerber inzwischen ohne erstes Studium einen MBA machen. Voraussetzung dafür sind einige Jahre Berufserfahrung und ein bestandener Aufnahmetest. So studieren an der Frankfurt School zwei Drittel der 32 Teilnehmer im Executive MBA, ohne vorher eine Universität besucht zu haben. Auch die WHU in Vallendar, die Fachhochschule Gießen und Fachhochschulen in Rheinland-Pfalz lassen Teilnehmer ohne Erststudium zu. Die Öffnung spaltet die Branche. Denn viele sehen den Ruf des MBA in Gefahr.
Jens Wüstemann, Präsident der Mannheim Business School, sagt: „Eine Zulassung ohne Erststudium verwässert den ohnehin unübersichtlichen MBA-Markt noch weiter.“ In Mannheim kann sich bislang niemand ohne Erststudium für einen MBA einschreiben. „Das kommt auch in Zukunft für uns nicht in Frage“, sagt Wüstemann.
Andreas Hackethal, der Dekan der Goethe Business School, bangt um den Markenwert des MBA. Bislang pausiert der Executive MBA an seiner Hochschule,
da es zu wenig Bewerber gibt. Doch bevor Hackethal Teilnehmer ohne Studium aufnimmt, lässt er das Programm lieber weiter ruhen. Hier entsteht ein neuer Markt für MBA-Anbieter Die Hochschulen, die Bewerber ohne Studium zulassen, verteidigen sich. „In solchen Programmen wird ja nicht das Theorie-Einmaleins gelehrt, sondern hier lebt der Unterricht von der Berufs- und Managementerfahrung der Teilnehmer“, sagt Jürgen Weigand. Der akademische Leiter des Kellog-WHU-Executive- Programms nimmt gerne Bewerber auf, die noch nicht studiert haben– wenn sie denn gut sind. Für die Hochschulen eröffnet die Gesetzesänderung einen neuen Markt. Viele Business Schools haben zu wenige Bewerber für ihre MBA-Kurse. „Damit laufen wir Gefahr, dass Business Schools mit Kostendruck Bewerber aufnehmen, nur weil diese es sich leisten können, die Studiengebühr zu bezahlen“, sagt Wüstemann.

Hier entsteht ein neuer Markt für MBA-Anbieter

Die Hochschulen, die Bewerber ohne Studium zulassen, verteidigen sich. „In solchen Programmen wird ja nicht das Theorie-Einmaleins gelehrt, sondern hier lebt der Unterricht von der Berufs- und Managementerfahrung der Teilnehmer“, sagt Jürgen Weigand. Der akademische Leiter des Kellog-WHU-Executive- Programms nimmt in dieses Programm gerne Bewerber auf, die noch nicht studiert haben– wenn sie herausragend sind. Doch die Aufnahmehürden sind sehr hoch, daher hat die WHU bisher nur zwei Teilnehmer ohne Erststudium für den Executive-MBA zugelassen. Ins MBA-Programm für junge Nachwuchskräfte kommt man an der WHU ohne Erststudium nicht.

Für Hochschulen eröffnet die Gesetzesänderung einen neuen Markt. Viele Business Schools haben zu wenige Bewerber für ihre MBA-Kurse. „Damit laufen wir Gefahr, dass Business Schools mit Kostendruck Bewerber aufnehmen, nur weil diese es sich leisten können, die Studiengebühr zu bezahlen“, sagt Wüstemann.

Ernstes Problem

Wie reagieren die Akkreditierer darauf? Die deutsche Agentur Fibaa tut sich damit leichter als internationale Organisationen. „Wir wollen zunächst
sicherstellen, dass die Hochschulen ihr Niveau halten können“, sagt Immo Schmidt-Jortzig, Leiter der Programmakkreditierung bei der Fibaa. „Wie gut die Programme wirklich sind, wird sich allerdings erst in drei bis vier Jahren bei der Re-Akkreditierung zeigen.“ Für die europäische Organisation EFMD, die
mit Equis und Epas zwei international sehr wichtige Siegel vergibt, wäre die massenhafte Aufnahme von Teilnehmern ohne Erststudium ein ernstes Problem, heißt es dort. Vor allem, wenn die Schule das auch noch aggressiv bewirbt. Die Frankfurt School bemüht sich gerade um die Fibaa-Akkreditierung. Über eine internationale Programm-Akkreditierung soll erst danach entschieden werden. Den Studenten Tischendorf und Forster ist es egal, dass der eine vorher studiert hat, der andere nicht. „Hart und anspruchsvoll ist das Programm für alle“, sagt Forster. Und Tischendorf fügt hinzu: „Hier sind alle ehrgeizig, klug und erfahren.“

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