MBA-Studiengang Weiterbildung mit Erfolg: MBA in London

Der Physiker Alexander Kopf wusste nach seinem Studium genau, was er wollte: eine Weiterbildung zum MBA an der London Business School, um internationaler Arbeiten zu können. Für Junge Karriere hat er ein Auslandstagebuch geführt.

Alexander Kopf | , aktualisiert

Noch vier Wochen

Es ist kaum zu glauben, aber in knapp vier Wochen, d.h. am 11. Juli, findet unsere Graduation statt. Im Gegensatz zu deutschen Universitäten, wo man nach bestandener Abschlussprüfung das Zeugnis von der Dekanatssekretärin ausgehändigt bekommt oder aber per Einschreiben, werden wir im Rahmen einer grossen Feier verabschiedet. Dabei tragen wir dann auch "cap and gown", d.h. das im angelsächsischen übliche akademische Gewand. Ich finde es einen schönen und würdevollen Abschluss von zwei aufregenden, anstrengenden, aber auch schönen Jahren. Am Samstag findet dann der grosse Summer Ball statt, bei dem die ganze Schule zum Veranstaltungort wird. Nach einem Drei-Gang-Menü spielen verschiedene Bands und es werden andere Unterhaltungsmöglichkeiten in vielfältiger Form angeboten. Gerade für die Studenten, die dieses Jahr ihren Abschluss machen, bietet er eine der letzten Möglichkeiten, nochmal viele Mitstudenten zu treffen, bevor wir uns in alle Winde zerstreuen.

Doch zunächst noch einmal was zur Gegenwart. Wie ich in meinem letzten Beitrag beschrieben habe, mussten wir noch unser Second Year Project bearbeiten. Wir hatten seit Mitte Februar immer wieder - wenn der Stundenplan es zuließ - an dem Projekt weitergearbeitet und konnten unseren Bericht der London Business School Ende Mai vorlegen. Wir konnten im Rahmen des Projektes wirklich vieles anwenden, was wir im MBA gelernt hatten. Zunächst verschafften wir uns mit den strategischen "Frameworks" einen Überblick über die Marktsituation, in der sich unser Klient befindet. Dann zeigten wir anhand weiterer Frameworks auf, welche Optionen das Unternehmen hat, bevor wir im zweiten Abschnitt eine Bewertung der Firma vornahmen. Dabei kamen uns Kenntnisse aus den verschiedensten Kursen zugute: Understanding Financial Analysis, Corporate Finance, Corporate Finance 2, Advanced Corporate Finance, New Venture Finance and Private Equity, um nur einige zu nennen. Im dritten Teil des Projektes brachten wir unsere eigenen Ideen und Anregungen ein und hoffen, damit der Firma bei der Lösung ihrer Probleme geholfen zu haben. Morgen werden wir unsere Abschlusspräsentation vor dem Vorstand der Firma halten und dann können wir dieses Projekt wohl auch als erledigt ansehen.

Tja, dann bleiben mir nur noch zwei Kurse, die ich erfolgreich absolvieren muss, bevor ich den MBA bestanden habe. Wie bereits in meinem letzten Beitrag erwähnt, konnte ich diese so legen, dass ich nur jede zweite Woche Freitag und Samstag in London verbringe. Ich reise jedoch immer schon am Donnerstagnachmittag an, da ich so abends noch auf die Sundowners gehen kann. Die Sundowners sind eine Institution an der London Business School: Jeden Donnerstag gibt es zwischen 18 und 20 Uhr kostenlos Bier und Wein in der schuleigenen Bar, die auch als Veranstaltungsort für die diversen Parties dient. In der Vergangenheit übernahmen Firmen die Kosten für Sundowners, weil dies eine willkommene Gelegenheit war, um mit den Studenten informell in Kontakt zu treten. Aufgrund der schlechten Wirtschaftslage ist allerdings die Anzahl der Sponsoren dramatisch abgesunken, so dass die Finanzierung jetzt von einzelnen Departments oder Studentengruppen übernommen wird.

Die First Years hatten heute ihre letzte Prüfung und einige von ihnen beginnen - so wie ich vor einem Jahr - ihr Sommerpraktikum. Viele haben allerdings in diesem Jahr keinen Platz bekommen, da die Firmen extrem zurückhaltend sind. Insofern geht es den First Years noch einmal ein Stück schlechter als es uns vor einem Jahr ging.

Bei der Jobsuche hatte ich allerdings inzwischen Erfolg: Ich werde am 1.8. bei einer der grossen Wirtschaftsprüfunggesellschaften im Bereich Financial Risk Management Consulting beginnen. Dabei kann ich mein Wissen aus dem Job vor dem MBA und wahrscheinlich einiges aus dem MBA einsetzen können. Ich werde im Büro München stationiert sein, aber vermutlich Projekte in ganz Deutschland bearbeiten. Die Stelle habe ich allerdings nicht über eine offizielle Stellenausschreibung bekommen, sondern über Kontakte zu einem der Berater, die ich noch aus meinem Job vor dem MBA kannte. Nachdem somit das Thema Job für mich auch abgehakt ist, kann ich momentan das wunderbare Wetter geniessen.

Zurück an der London Business School

Nachdem ich also Mitte November aus Shanghai nach Europa zurückgekehrt war, begann ich den Rest meines MBA-Studiums in Angriff zu nehmen. Aus Zeitgründen hatte ich für den Dezember noch eine Blockwoche belegt, so daß ich die letzte Woche vor Weihnachten nochmals in London verbrachte. Ansonsten konnte ich meine Kurse sehr günstig legen: Im Frühjahrsterm (Januar bis März) hatte ich nur Mittwochabend (18-21 Uhr), Donnerstagvormittag und Donnerstagabend Vorlesung, so daß ich die meiste Zeit in Deutschland auf Jobsuche verbringen konnte.

Blockwochen und die Abendvorlesungen sind nur zwei der Vorteile, die dadurch entstehen, daß alle Programme (Executive MBA, Master in Finance) sich das Wahlfachportfolio teilen. Viele der Kurse werden daher auch abends oder am Wochenende angeboten und mit ein bißchen Flexibilität kann man den Stundenplan recht gut gestalten. Das bedeutet aber nicht, daß man nun mehr Zeit hat. Hatte man im ersten Studienjahr nur eine Gruppe, mit der man sich in allen Fächern "herumschlagen" mußte, so hat man jetzt für jedes Fach eine eigene Gruppe. Das erhöht natürlich den Organisations- und Koordinationsbedarf erheblich. Aber es ist auch spannend, mit vielen verschiedenen Menschen aus verschiedenen Ländern und Programmen zusammenzuarbeiten.

In der letzten Märzwoche hatte ich dann erneut eine Blockwoche belegt, wobei ich mir allerdings nicht ganz sicher bin, daß eine Blockwoche wirklich den gleichen Lerneffekt hat wie ein normaler Zehn-Wochen-Kurs. Wenn man von Montag bis Freitag jeweils von 9 bis 17 Uhr im Hörsaal sitzt, nimmt man einfach nicht so viel mit wie wenn man jede Woche drei Stunden Vorlesung hat und zwischendurch das gelernte etwas verdauen kann.

Momentan habe ich vorlesungsfrei, bin aber trotzdem gut beschäftigt. Zum einen hatte ich für einige der Kurse noch Hausarbeiten und Take-Home Exams zu schreiben, zum anderen gibt es an meinem Second Year Project noch eine Menge zu tun, und wir müssen Ende Mai den Bericht abliefern. Im Rahmen des Projektes sollen wir zeigen, was wir alles im MBA gelernt haben. Dazu müssen wir (ich arbeite mit einem anderen Deutschen zusammen) uns eine Firma suchen, die wir hinsichtlich einer bestimmten Fragestellung beraten können. In unserem Fall ist das eine mittelständische Firma, deren Gründer sich nun langsam zurückziehen möchten und daher am liebsten ihre Anteile verkaufen würden. Zunächst werden wir im Rahmen des Projekts den Wert der Firma mit verschiedenen Methoden berechnen und uns dann überlegen, welchen Firmen interessiert sein könnten. Außerdem werden wir Vorschläge machen, wie man den Wert der Firma noch erhöhen kann, bevor man sie verkauft.

Für den Sommerterm, der Anfang Mai losgeht, habe ich mir meinen Stundenplan so zusammengestellt, daß ich nur jede zweite Woche Freitag und Samstag in London verbringen werde. Dadurch kann ich meinen Geldbeutel etwas entlasten, der durch den MBA schon stark in Mitleidenschaft gezogen wurde. Wenn ich nicht gerade mit meinem Projekt befaßt bin, versuche ich, eine Stelle zu finden, was momentan gar nicht so einfach ist. In Deutschland ist der MBA noch nicht sehr bekannt und nur große Firmen scheinen überhaupt den Wert einschätzen zu können. Echte Stellenangebote für MBAs habe ich nur sehr wenige entdecken können und bei einigen der großen Firmen hatte ich sogar den Eindruck, daß ein MBA sie eher abschreckte. Aber ich will mich nicht beklagen, in London ist die Situation eher noch schlechter, da sehr viele Berater und Banker momentan auf der Straße stehen. Für viele meiner Studienkollegen aus dem nicht-europäischen Ausland ist es daher praktisch unmöglich, eine Stelle zu bekommen, so daß sehr viele in ihre Heimatländer zurückkehren.

Wenn demnächst der letzte Term für meinen Jahrgang anbricht, werden viele schon ihre Wahlfächer abgearbeitet haben und nicht mehr in London sein. Wir haben nämlich die Möglichkeit, die zwölf Credits, die wir im zweiten Studienjahr belegen müssen, beliebig zu verteilen, so daß es möglich ist, bereits Ende April alle Kurse absolviert zu haben. Offiziell ist allerdings erst Mitte Juli Schluß, dann werden wir im Rahmen einer akademischen Feier verabschiedet.

Austauschsemester in Shanghai

Eigentlich hätte ich nach Ende des Praktikums bis zum 7. Oktober frei gehabt, aber ich hatte mich schon im Frühjahr für ein Austauschsemester beworben. Insgesamt standen dafür etwa 30 Schulen (darunter IESE in Barcelona, HEC in Paris, Tuck, Chicago, Kellogg, Cornell NYU Stern usw.) zur Auswahl. Da wir schon relativ viel über die USA durch die Fallstudien mitbekommen und ich in Europa aufgewachsen bin, beschloss ich, die Gelegenheit zu nutzen, noch einmal ein ganz anderes Land kennen zu lernen.

China und insbesondere Shanghai fand ich so faszinierend, dass ich es auf diesem Wege unbedingt "ausprobieren" wollte. Am 15. September stieg ich also in München in den Lufthansa-Flieger, der seit März 2002 direkt nach Shanghai geht. Am Flughafen wurden wir bereits von einem Fahrer der China Europe International Business School, meiner Austauschschule, abgeholt und durch das neu angelegte Gebiet Pu Dong zu Schule gefahren. Untergebracht waren wir nahe der Schule in so genannten Serviced Apartments, d.h. möblierten Ein-Zimmer-Wohnungen, die regelmäßig gereinigt werden und bei denen Handtücher und Bettwäsche gestellt werden. Alternativ hätten wir Zimmer in den Studentenwohnheimen auf dem Campus haben können, in denen man allerdings zu zweit gewohnt hätte. Fast alle Austauschstudenten hatten sich daher für die Serviced Apartments entschieden.

Die China Europe International Business School (CEIBS) ist ein Joint Venture zwischen der Europäischen Union und China. Neben einem geringen festen Stamm von Professoren unterrichten Gastprofessoren aus aller Welt. So hatte ich beispielsweise eine kanadische und eine spanische Professorin sowie einen US-amerikanischen Professor, der aber normalerweise in Schweden unterrichtet.

Zwischen der London Business School und der CEIBS gibt es einige erhebliche Unterschiede. Die Studenten an der CEIBS kommen fast ausschließlich aus China, nur ein sehr geringer Bruchteil ist international. Im Gegensatz zu den fast 80 Wahlfächern an der LBS, hatten wir in China nur sieben zur Auswahl. Ich entschied mich dafür, soweit wie möglich Kurse zu nehmen, die in London nicht angeboten werden. Zum einen war das Cross-Cultural Management, zum anderen China & The World Economy. Beide eröffneten mir ganz neue Perspektiven, insbesondere das letztere zeigte die Weltwirtschaft mal aus der asiatischen Sicht. Im Cross-Cultural Management simulierten wir u.a. eine Verhandlung zwischen chinesischen und europäischen bzw. amerikanischen Geschäftspartnern, was wir natürlich sehr realistisch tun konnten, da Studenten aus beiden Kulturen die jeweiligen Rollen übernehmen konnten.

Das Modul war allerdings nur sieben Wochen lang, wodurch alles etwas hektisch wurde. Zusätzlich waren die chinesischen Studenten gerade mit der Jobsuche beschäftigt, wodurch sie natürlich andere Dinge im Kopf hatten, als Freundschaften mit den Austauschstudenten zu pflegen. Wir haben aber trotzdem viele Einheimische kennen gelernt und vieles über die Kultur erfahren.

Selbstverständlich nutzten wir die Gelegenheit, das Land genauer zu erkunden. Glücklicherweise hatten wir aufgrund des chinesischen Nationalfeiertags eine ganz Woche Ferien mitten im Modul, so dass wir auch längere Strecken wie nach Xi'an (Terrakotta-Armee) zurücklegen oder eine Kreuzfahrt auf dem Yangtse unternehmen konnten. Viele der Austauschstudenten blieben nach Ende des Moduls auch noch einige Zeit und reisten weiter im Land umher.

Shanghai ist alleine allerdings auch schon eine Reise wert. Man merkt dort eine unheimliche Energie, ständig wird irgendwo an irgendetwas gebaut. Und auf den Strassen sind viele fliegende Händler unterwegs, die sich auf diese Weise ihren Lebensunterhalt verdienen. Leider war die Zeit viel zu kurz, um ausreichend chinesisch zu lernen. Dadurch hatten wir vor allem in Restaurants größere Probleme, da die Speisekarten meist nur auf chinesisch vorhanden sind. Irgendwie haben wir es aber doch immer geschafft, etwas -meist sogar etwas hervorragendes - zu essen zu bekommen. Die Preise waren dabei stark davon abhängig, ob man in Lokalen für Einheimische war (wo es extrem billig war) oder aber in Lokalen für die ausländischen Mitarbeiter von Firmen (wo deutlich gehobenere Preise verlangt wurden).

Insgesamt war der Austausch eine echte Bereicherung des MBA-Studiums, auch wenn ich vielleicht nicht so viel gelernt habe, wie ich in London gelernt hätte. Dafür habe ich aber umfangreiche Erfahrung in China gesammelt, die mir wahrscheinlich aufgrund der wachsenden wirtschaftlichen Bedeutung des Landes früher oder später zugute kommen wird.

Anfang November war das Modul in Shanghai zu Ende und ich flog zurück nach Deutschland, um mit der Jobsuche für nach dem MBA zu beginnen. Außerdem musste ich mich noch um mein Second Year Project kümmern, einen wichtigen Bestandteil des zweiten Studienjahres. Doch dazu im nächsten Beitrag mehr.

Im November fuhr ich für drei Tage nach Ahmedabad, Indien, um dort die LBS zusammen mit zwei anderen Studenten auf einem Business School Wettbewerb zu vertreten. Wir traten dort in praktisch allen Disziplinen (z.B. Strategie, Operations Management, Marketing, Finance) gegen Studenten aus aller Welt an. Natürlich kam auch das Feiern nicht zu kurz, so dass ich auch dort wieder viele neue Leute kennen lernen durfte. Auch wenn wir nicht gewonnen haben, so war doch diese Konferenz eine weitere wichtige internationale Erfahrung im Rahmen des MBA-Studiums. Ein interessanter Aspekt war darüber hinaus, dass in Indien mehrere Experten Vorträge darüber hielten, was Indien von China in bezug auf die Wirtschaft lernen kann. Da ich kurz zuvor die chinesische Seite gesehen hatte, war dies für mich natürlich besonders interessant.

Praktikum bei Morgan Stanley in London

Nach Abschluß des Summer Terms Mitte Juni ging es für mich direkt ins Praktikum bei Morgan Stanley im Bereich Equity Sales & Trading. Hierin sehe ich einen weiteren großen Vorteil eines zweijährigen MBA-Programms: Man kann zwischen den zwei Jahren sich eine andere Firma, evtl. sogar eine andere Industrie genauer ansehen. Allerdings führte die schlechte wirtschaftliche Lage dieses Jahr dazu, daß viele Studenten nur in der Industrie einen Praktikumsplatz bekamen, in der sie vorher bereits gearbeitet hatten.

Für mich war es aber optimal, da ich vorher zwar viel mit dem Handel zu tun gehabt hatte, selbst jedoch nie echte Handelserfahrung sammeln konnte. Bei Morgan Stanley waren wir in meinem Bereich insgesamt neun Praktikanten, neben London Business School waren auch Kellogg, INSEAD, IESE, Harvard und Chicago vertreten. Dies war insofern hochinteressant, als dies mir zum ersten Mal die Gelegenheit gab zu erfahren, wie es so an anderen Schulen zugeht. Im großen und ganzen scheint es überall recht ähnlich zuzugehen, wobei sich die Schulen z.B. im Wahlfachangebot oder auch der Schwerpunktbildung sehr stark unterscheiden.

Das Programm selbst ging über zehn Wochen, von Mitte Juni bis Ende August, und war sehr gut strukturiert. Nach ein paar allgemeinen Einführungsvorträgen, die wir zusammen mit den Praktikanten aus den anderen Bereichen besuchten, gingen wir dann in unseren Bereich, wo uns unser Terminplan für die nächsten Wochen vorgelegt wurde. Zunächst standen zwei Wochen allgemeines Rotationsprogramm auf dem Plan. Dabei besuchte jeder von uns für jeweils einen Vormittag eine der Hauptgruppe, also z.B. Equity Sales, Derivatives Trading usw.

Nach diesem allgemeinen Überblick konnte man dann nach Wunsch andere Gruppen besuchen oder mehr Zeit bei einer bestimmten Gruppe verbringen. Zielsetzung des ganzen war es, eine Gruppe zu finden, in die man aufgrund der persönlichen Fähigkeiten hineinpaßte, so daß diese einem dann nach Abschluß des Programms ein Angebot für die Zeit nach dem MBA machte. Unsere Nachmittag verbrachten wir in Vorträgen oder aber mit unseren Projekten. Jeder Praktikant hatte ein oder mehrere Projekte bekommen, die nach Vorkenntnissen oder auch Sprachkenntnissen zugeteilt worden waren. Beispielsweise erarbeitete ich eine Liste potentieller Kunden für ein bestimmtes Produkt in Deutschland.

Zwischendurch fanden auch verschiedene Übungen statt. Eine war ein Trading Game, bei welchem wir drei Wochen lang Aktien kaufen und verkaufen konnten. Gewonnen hat am Schluß natürlich der- oder diejenige die am meisten Geld auf dem Konto hatte. Wie man sich leicht vorstellen kann, war es in den konstant fallenden und sehr volatilen Märkten nicht unbedingt einfach, dies zu bewerkstelligen. In einer anderen Übung mußten wir einen sogenannten "Sales Call" üben. Dazu besuchten wir das täglich stattfindende Morning Meeting, bei dem die Analysten die neuesten Einschätzungen bekanntgeben. Anschließend sollten wir dann einen simulierten Sales Call durchführen, also eine maximal zweiminütige Nachricht auf dem Anrufbeantworter des fiktiven Kunden hinterlassen, die alle gewünschten Informationen (und nur die) enthielt. Ein besonderer Höhepunkt des Praktikums war unser Aufenthalt in New York, bei dem wir die Zentrale von Morgan Stanley kennenlernen durften. Unter anderem trafen wir dabei den CEO und den weltweiten Chef des Aktienhandels, die sich beide viel Zeit für uns genommen hatten. Überhaupt haben sich sehr viele Manager der oberen Führungsebenen mit uns unterhalten. Wir hatten immer das Gefühl, sehr wichtig und willkommen zu sein.

Aber natürlich bestand das Praktikum nicht nur aus Arbeit und Projekten. Mindestens einmal in der Woche wurden wir alle von einer Gruppe eingeladen. Einmal war dies eine Bootsfahrt auf der Themse, ein anderes Mal Go-Cart-Fahren. Dabei konnten wir die Gruppenmitglieder außerhalb des Büros kennenlernen (und sie uns natürlich auch). Problematisch war nur, daß wir meistens vor sieben im Büro sein mußten, so daß die Nächte immer recht kurz waren. Aber im Vergleich zu den Praktikanten im Investment Banking, die bis nachts um eins arbeiteten und um neun wieder im Büro waren, ging es uns wirklich gut. Nach 19 Uhr habe ich das Büro nie verlassen und die Wochenenden waren grundsätzlich frei.

Insgesamt war es eine wichtige Erfahrung, vor allem weil ich festgestellt habe, daß ich für den Bereich nur bedingt geeignet bin. Daher werde ich mich wohl nach dem MBA nach einer anderen Tätigkeit umsehen.

Liebe Leserinnen, liebe Leser!

Ich freue mich, heute mein Tagebuch über das MBA-Studium an der London Business School für die Junge Karriere zu beginnen. Ich finde es unwahrscheinlich wichtig, Informationen und Meinungen aus erster Hand zu bekommen, bevor man sich für ein MBA-Studium, an welcher Schule auch immer, entschließt.

Bevor ich ein paar Worte dazu sage, warum ich an der London Business School gelandet bin, möchte ich kurz die Vorgeschichte erzählen. Geboren wurde ich in einem Vorort von München, wobei mir aber die Reiselust und die Weltoffenheit mit in die Wiege gelegt wurden. Daher habe ich an mehreren Austauschprogrammen mit Frankreich, Ungarn und Japan teilgenommen. Den längsten Auslandsaufenthalt verbrachte ich 1987 in Australien, als ich dort für ein Jahr die High School besuchte. Nach Abitur und Wehrdienst habe ich dann Physik an der Universität Bayreuth studiert und zwischendurch noch ein Auslandssemester in Großbritannien eingeschoben.

Nach Abschluss des Physikstudiums begann ich zunächst mit einer Promotion, wobei ich aber relativ schnell merkte, dass mir die Materie zu trocken ist und ich nicht der Typ für die reine Forschung bin. Daher nahm ich einen Job als Referent der Geschäftsführung an und arbeitete dort insgesamt 18 Monate. Anschließend bin ich in die Bankenbranche gewechselt und habe in der Bayerischen Landesbank in München in der Produktentwicklung gearbeitet. Dort merkte ich schnell, dass mir die Arbeit sehr viel Spaß machte, ich aber internationaler arbeiten wollte und dass ein Physikstudium nicht ausreicht, um die wirtschaftlichen Zusammenhänge vollständig zu verstehen.

Daher beschloss ich, mich nach einer passenden Weiterbildung umzusehen, und bin sehr schnell auf den MBA gestoßen. Meine Kriterien für die Auswahl der Schule waren auch recht eindeutig: - internationale Ausrichtung (insbesondere was die Studenten betrifft) - Schwerpunkt Finanzen/Banken - zweijähriges Programm (ich finde ein Praktikum zwischen dem 1. und 2. Jahr sehr wichtig) - erstklassiges Ranking (Top 10 - Top 20)

Wendet man diese Kriterien an, so reduziert sich die Anzahl der in Frage kommenden Schulen sehr schnell auf weniger als eine handvoll. Das Kriterium "International" schließt dann die meisten der US-amerikanischen Schulen aus, so dass für mich praktisch nur die London Business School übrig bleibt.

Nun also ein wenig über die London Business School: Die Schule liegt direkt am Regent's Park im Londoner Nordwesten, und man ist in einer halben Stunde per U-Bahn in Canary Wharf, wo sich immer mehr der großen Banken ansiedeln. In meinem Jahrgang sind 305 Studenten, das bisherige Maximum. Insgesamt sind 52 Nationen vertreten, die größte Gruppe sind die US-Amerikaner mit 20 Prozent, dann kommen die Briten und anschließend die Westeuropäer. Alles in allem sind wir eine sehr bunte Mischung, genau wie ich es mir gewünscht hatte.

Über die Schule werde ich im Laufe der Zeit noch ein paar Details erzählen, aber nun ein kurzer Überblick, was bisher geschah: Ende August letzten Jahres besuchte ich ein Vorprogramm in Accounting, da ich keine Vorkenntnisse darin hatte. Anschließend fand es ein kurzes Orientierungsprogramm statt, bevor die Vorlesungen begannen. Wir hatten im ersten Term (September bis Dezember) die folgenden Fächer: - Understanding General Management: Eine Einführung in die Aufgaben eines General Managers anhand verschiedener Fallstudien (die übrigens hauptsächlich aus Harvard sind) - Ethics and Professional Standards: Wie der Name schon sagt, eine Vorlesung über Ethik im Unternehmen, insbesondere im internationalen Bereich - Understanding Financial Analysis: auf Deutsch etwa "Bilanzanalyse", d.h. wie lese ich eine Bilanz, wie kann man was wo verstecken bzw. wo muss ich nachsehen, um zu sehen, was die Firma im letzten Jahr getan hat - Operations and Technology Management: Wie organisiere ich Produktionsabläufe, wie gehe ich mit dem Fortschritt in der Technologie um? - Managing Organisational Behaviour: Verhalten von Individuen, Teams and Organisationen. - Corporate Finance: im wesentlichen Finanzen

Für alle Fächer mussten wir Projekte in einer Studiengruppe bearbeiten. Meine Gruppe bestand aus einem Engländer, einer Amerikanerin, einem Mexikaner, einem Russen und einem Taiwanesen (und mir natürlich).

Euer Alexander

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