MBA Rote Zahlen und Chefsuche bremsen HHL

Die Leipziger Business School zählt zu den besten in Deutschland. Zudem hat sie eine lange Tradition. Doch der Markt wird härter, die Schule muss darauf achten, den Anschluss zu halten. Dazu sucht sie einen neuen Chef und den Weg in die schwarzen Zahlen.

Stefani Hergert | , aktualisiert

Leipzig schlägt London und Paris. Zumindest für Fatima El-Khatib. Dass sie nicht in eine der wirtschaftlich stärksten Regionen zieht, war der Libanesin klar, doch in ihren Augen hat die Studentenstadt viel Potenzial. Entspannt und nett sei Leipzig, genau richtig für den MBA. El-Khatib, die ihren ersten Uniabschluss in Dubai gemacht hat, studiert Vollzeit an der Handelshochschule Leipzig (HHL). Natürlich weiß sie, dass es in der Region nach dem Abschluss nicht viele Jobmöglichkeiten gibt, weil Leipzig das wirtschaftliche Hinterland fehlt. Doch das ist ihr egal. "Ich kann überall in Deutschland anfangen", sagt El-Khatib.

Mit Unterbrechung die älteste Business School Deutschlands

Denn trotz des Standortnachteils ist die HHL eine Business School, die zu den besten Deutschlands zählt - und als einzige in dieser Riege in Ostdeutschland sitzt. Jetzt geht es auf dem deutschen Markt darum, welche der wenigen guten Schulen es schafft, international sichtbar und etabliert zu werden. Die HHL hatgute Chancen, doch Finanzprobleme und die Suche nach einem neuen Chef könnten bremsen.

Dass die HHL nach der Wende so schnell in die Riege der besten deutschen Schulen aufgestiegen ist, liegt vor allem an ihrer Geschichte und der schnellen Wiedergründung. Die HHL rühmt sich damit, "Deutschlands älteste betriebswirtschaftliche Hochschule" zu sein. Gegründet 1898 hat sie eine bewegte Geschichte hinter sich - durchgängig hat es sie aber nicht gegeben. Denn nach dem Ende des zweiten Weltkriegs wurde das als Handelshochschule gegründete Institut geschlossen und später der Leipziger Universität zugeschlagen. Nach einer kurzen Phase als Hochschule für Binnenhandel wurde 1969 in der DDR die staatliche Handelshochschule Leipzig aus der Taufe gehoben, die zwar nach der Wende 1992 den Betrieb einstellen musste, aber nur wenige Tage später wiedergeboren wurde - als Handelshochschule in privater Hand.

Das spiegelt sich in der Gesellschafterstruktur wider. Je 45 Prozent halten die Industrie- und Handelskammer Leipzig (IHK) und die Gesellschaft der Freunde der Handelshochschule, weitere zehn Prozent gehören der Kramerstiftung der HHL, die nach der Wende auf Initiative der IHK ins Leben gerufen wurde.

Tradition und Vertrauen

Die HHL hat somit - im Vergleich zu Konkurrenten - eine Tradition, mit der sie punkten kann und die ihr einen gewissen Vertrauensbonus gewährt. Schon Eugen Schmalenbach, einer der herausragenden Wirtschaftswissenschaftler des vergangenen Jahrhunderts, studierte hier. Während sich die staatlichen Universitäten nach der Wende erst einmal sammeln, sortieren und neu finden mussten, begann die HHL mit ihrem Aufstieg. Als einer der frühen Anbieter im jungen Markt setzte sie konsequent auf Qualität, was auch das wichtige Siegel der Organisation AACSB bezeugt.

Dennoch gibt es Herausforderungen, wie die gemeinsame Karrieremesse von HHL, Gisma Business School und weiteren Partnern zeigt. In diesem Jahr sind schon die beiden deutschen Schulen WHU - Otto Beisheim School in Vallendar und die Mannheim Business School, für 2010 auch die Universität St. Gallen abgesprungen. Zwar hat man mit Goethe Business School und europäischen Anbietern Ersatz gefunden, doch fehlten dafür in diesem Jahr die Unternehmen. Eine Handvoll sei nur nach Berlin gekommen, zehn aber als Minimum angestrebt, sagt Melanie Janke, die den Karriereservice der HHL leitet.

Die HHL steht noch vor ganz anderen Problemen. Auf dem deutschen Markt wird sich in den nächsten ein bis zwei Jahren herauskristallisieren, welche deutsche Schule auch international mitspielen kann. Die HHL gehört zwar mit zu den Favoriten, doch sucht sie gerade einen neuen Chef, der zudem den Weg aus den roten Zahlen finden muss. Das könnte sie gegenüber Konkurrenten zurückwerfen, befürchtet ein Branchenkenner.

Der Puffer zum Ausgleich der Verluste reiche noch Jahre

Sechs Millionen Euro kann HHL-Rektor Hans Wiesmeth im Jahr ausgeben, doch seit Jahren macht die HHL Verluste. Auch 2009 überstiegen die Ausgaben die Einnahmen, die Krise und Zurückhaltung der Sponsoren hat sicher einen Teil dazu beigetragen. Doch die HHL habe einen Puffer und der reiche noch etliche Jahre, sagt Wiesmeth. Wie die meisten Business Schools in Deutschland ist auch die HHL erst spät auf den Zug lukrativer kurzer Weiterbildungsprogramme für Manager und Unternehmen - der Executive Education - aufgesprungen. Das Geschäft sei zwar mühsam, sagt Wiesmeth, doch trotz Krise hätten die Kunden keine Aufträge storniert. Auch 2009 rechne er mit einem Gewinn bei der HHL-Tochter, sagt Wiesmeth. Doch das reicht nicht, um die Schule aus dem Minus zu bringen.

Erst 2012/2013 plant die Business School wieder schwarze Zahlen zu schreiben, vor allem mit höheren Einnahmen aus Studiengebühren. 40 Prozent machen die aktuell im Haushalt aus. Doch statt heute 300 sollen einmal 600 Studenten an der HHL lernen - ein ambitioniertes Ziel. Das muss allerdings ein neuer Chef in die Hand nehmen. Denn Wiesmeths Vertrag läuft fünf Jahre - und zum April 2010 aus. Bleiben wird er nicht. Obwohl er sich eine "Verlängerung schon hätte vorstellen können". Doch die Frage sei obsolet. Einen Nachfolger gibt es noch nicht.

Die HHL ist eine reine Graduate School, an keine Universität angedockt und hat als eine von wenigen privaten Hochschulen das Promotions- und Habilitationsrecht. Aushängeschild mögen Vollzeit- und Teilzeit-MBA sein, doch ihren guten Ruf hatte die Schule auch für den Diplomstudiengang, der 2006 auf den Master umgestellt wurde - und erst einmal die Studentenzahlen senkte. Denn Bachelorstudiengänge bietet sie nicht an. Rektor Wiesmeth hat momentan auch nicht vor, das zu ändern.

Der MBA dauert länger als bei der Konkurrenz

Ungewöhnlich im Markt ist auch der MBA. An der HHL dauert das Vollzeitstudium bis zu 18 Monate und damit länger als an vielen anderen deutschen Schulen. Wiesmeth begründet das mit der deutschen Regelung für die Vergabe der Kreditpunkte, der die HHL gerecht werden wolle. Ein Nachteil sei das nicht. "Bis jetzt gibt uns die Nachfrage recht", sagt Wiesmeth. Zwar ist auch in Leipzig - wie an den anderen renommierten deutschen Schulen - die MBA-Klasse mit aktuell 39 Studenten klein, doch wächst sie. Und ist mit einem Ausländeranteil von rund 70 Prozent bunt gemischt. Für die Studentin El-Khatib könnte dennoch die internationale Perspektive im MBA-Studium etwas größer sein. Doch die Entscheidung an die HHL zu gehen, hat sie nicht bereut. Schließlich stehe die Schule für starke Werte und eine klare Ausrichtung.

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