MBA Lichtblicke schaffen

Gutes tun und damit Geld verdienen ist ein Trend-Thema der Wirtschaft, das Business Schools und Absolventen herausfordert.

Stefani Hergert | , aktualisiert

Licht, sauberes Wasser und Netze, die Schutz vor den teuflischen Moskitos bieten: Millionen Inder in den ländlichen Gegenden haben das alles nicht. Rustam Sengupta will seine Landsleute damit versorgen. Dafür hat der Absolvent der französischen Schule Insead das Unternehmen Boond gegründet, das nur drei Grundprodukte – Solarlampe, Wasseraufbereiter und Moskitonetz – verkauft. Selbst sein Vertriebsweg ist eine Mission: Junge Menschen, die er zu Mikrounternehmern macht, verkaufen diese Waren.

Sengupta hat eine Lösung für ein gesellschaftliches Problem gefunden – und will damit Geld verdienen. Social Entrepreneurship nennt sich das. Das Gründen mit gesellschaftlichem Mehrwert, unabhängig von reinem Profitstreben, ist ein Trend und wird Teil von immer mehr MBA-Programmen. Doch das stellt Business Schools und Absolventen gleichermaßen vor Herausforderungen.

Die Disziplin ist so jung, dass es noch immer keine einheitliche Definition gibt. „Im Prinzip können Social Entrepreneure alle sein, deren Hauptgeschäftsziel nicht nur Gewinn ist“, sagt Pablo Martin de Holan, Professor für Unternehmensgründung an der spanischen IE Business School in Madrid. „Innovative Lösungen für soziale Probleme“, definiert Matthew Nash vom Center for the Advancement of Social Entrepreneurship (CASE) der amerikanischen Duke University den Anspruch an soziale Gründer. Und am französischen Insead, das 2006 eine Initiative dazu ins Leben gerufen hat, zielt man vor allem auf den sozialen Anspruch. „Ein soziales Unternehmen gewichtet dies immer höher als den Gewinn“, sagt Christine Driscoll vom Insead.

Eines haben diese Ansätze gemeinsam: Social Entrepreneurship muss nicht per se gemeinnützig oder ohne Gewinnorientierung sein, wie es zum Beispiel Muhammad Yunus verlangt. Der Gründer der Grameen-Bank, die Mikrokredite vergibt, erhielt 2006 für sein Engagement den Friedensnobelpreis. Fast alle Business Schools haben heute Wahlkurse, Vertiefungen oder Workshops und Projekte mit Sozialunternehmern im MBA-Programm.

Soziale Unternehmer

Denn auch soziale Gründer müssen wirtschaftlich tragfähige Konzepte entwickeln und Geldgeber überzeugen. Bei den in MBA-Klassen üblichen Fallstudien stehen die Business Schools aber erst am Anfang. „Es gibt erst einige Dutzend Fallstudien zu Social Entrepreneurship“, sagt Case-Geschäftsführer Nash. Vor allem aber fehlten solche, die auch das Scheitern sozialer Unternehmer beschreiben. „Einige Studien feiern die Gründer regelrecht“, sagt Nash. Das Problem: Lernen können Studenten aber am meisten von denjenigen, die gescheitert sind.



Vielleicht interessieren sich wegen des positiven Images so viele Studenten für das Thema – am Insead zuletzt rund ein Zehntel, an der Saïd Business School der University of Oxford schon mehr als die Hälfte der MBA-Klasse. „Mehr und mehr Studenten betrachten Social Entrepreneurship als Karriereoption und kommen schon mit dem Interesse daran zu uns“, sagt Case-Geschäftsführer Nash. Auch wenn an vielen Schulen nur fünf bis zehn Prozent der Absolventen tatsächlich in den sozialen oder öffentlichen Sektor gehen. „Früher wären diese Studenten an eine politikwissenschaftliche Fakultät gegangen.“

Geringes Einkommen, aber hohe Schulden aus dem MBA

Ein Problem nur haben diese Gründer: Mit sozialen Unternehmen lässt sich vielleicht irgendwann einmal Geld verdienen, die Absolventen müssen aber meist recht schnell ihre Kredite für den MBA zurückzahlen. Oft sind das mehrere zehntausend bis einhunderttausend Euro.

Auch Rustam Sengupta stand vor diesem Problem. Nach dem MBA nahm er einen Job als Finanzmanager an – obwohl das nicht sein Traum war. Doch allein mit dem ersten Bonus zahlte er die Hälfte des Studienkredits zurück. Erst dann ging er in sein Heimatland und gründete Boond. Über kleinere Beratungsaufträge finanziert er sich zum Teil noch heute.

An den Business Schools hat man das Problem erkannt. Insead will voraussichtlich im nächsten Jahr einen Fonds auflegen, der Absolventen unterstützt, die eine niedrig bezahlte Karriere anstreben. Und an der Duke University gibt es bereits ein Hilfsprogramm für Studenten, die nach dem MBA-Studium in den öffentlichen oder gemeinnützigen Sektor gehen. Zwischen 30 und 40 Ehemalige werden darüber gefördert.



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