MBA Interesse an sozialen Themen steigt

An vielen Business Schools steigt die Zahl der MBA-Studenten, die zuvor im Non-Profit-Sektor gearbeitet haben oder später dort arbeiten wollen. Und selbst Studenten aus der Wirtschaft interessieren sich immer mehr für soziale Themen - trotz niedriger Gehälter.

Stefani Hergert | , aktualisiert

Wenn Elisabeth Garrett mit Kommilitonen über den Emissionshandel diskutiert, prallen Welten aufeinander. "Das kann nicht komplett marktgetrieben sein", ist sie sich sicher. In diesen Momenten merkt die Amerikanerin, dass sie einen anderen Hintergrund hat als viele ihrer Mitstudenten im MBA-Programm der französischen Business School HEC. Garrett hat für eine Nichtregierungsorganisation (NGO) in New York gearbeitet.

Zwei ihrer Mitstudenten hätten einen ähnlichen Hintergrund, sagt sie. In ein paar Jahren wären es wohl einige mehr. An vielen Schulen steigt die Zahl der MBA-Studenten, die zuvor im Non-Profit-Sektor gearbeitet haben oder später dort arbeiten wollen. Und selbst Studenten aus der Wirtschaft interessieren sich immer mehr für soziale Themen.

Die Amerikanerin Garrett weiß, dass sie oft einen anderen Standpunkt vertritt, Projekte anders angeht, eine andere Jobkultur erlebt hat und auch eine andere Sprache spricht. Sie merkt aber, dass Themen wie Nachhaltigkeit oder soziale Unternehmen "in" sind. Projekte und Wahlpflichtkurse dazu boomen an vielen Schulen. Der Studentenclub am französischen Insead, in dem sich die Teilnehmer mit den sozialen Auswirkungen ihres Tuns beschäftigen, zählt heute zum Beispiel doppelt so viele Mitglieder als noch im Jahr zuvor.

Mehr Absolventen arbeiten im sozialen Bereich

NGOs, Regierungsorganisationen oder gemeinnützige Unternehmen werden für MBA-Absolventen trotz geringerer Gehälter auch als Arbeitgeber interessanter. "Es ist auch für Non-Profit-Organisationen wichtig zu verstehen, wie die Geschäftswelt tickt", sagt Esade-Studentin Suzanne Jenkins, die vor dem MBA in einer gemeinnützigen Firma gearbeitet hat. Am Insead hat sich die Zahl derer, die nach dem MBA in diesem Sektor anheuern, glatt verdoppelt - wenn auch auf bescheidenem Niveau. Vier Prozent der Absolventen des Jahrgangs 2009 stiegen in sozialen Firmen und NGOs ein, zwei Prozent waren es 2008.

An der HEC waren es im letzten Jahrgang gar acht Prozent. "Das zeigt uns: Die Studenten sind bereit, einen Mehrwert zu schaffen, der über den kurzfristigen Gewinn hinausgeht", sagt Valérie Gauthier, die den MBA der HEC leitet. In einen größeren Zusammenhang stellt Sandra Schwarzer, Direktorin des Karriereservices am Insead, den Trend. "Diese Generation hat miterlebt, wie die Wirtschaft zusammengebrochen ist. Vielleicht resultiert daraus der Ansatz, dass es auch anders gehen muss", sagt sie.

Auch Garrett kann sich vorstellen, in eine NGO zurückzugehen. Gerade reift aber auch die Idee, ein Unternehmen zu gründen. Natürlich eines mit sozialem Anspruch.

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