MBA in den USA Reformen im Mutterland der Managerausbildung

Als im Jahr 1902 Studenten an der Tuck School im Nordosten der USA und 1910 Absolventen der Harvard-Universität zum ersten Mal den MBA-Titel verliehen bekommen, ahnen sie nicht, dass sie den Grundstein für einen Mythos legen. Die Idee der praxisnahen Managerausbildung setzt sich in den folgenden Jahrzehnten durch – zunächst in den USA, dann im Rest der Welt. Kein Titel verspricht so sehr den Aufstieg in Top-Positionen der Wirtschaft wie der MBA.

Stefani Hergert | , aktualisiert


Foto: Tuck School

Gegen den Verlust von Ansehen

Anstatt sich aber auf dieser Erfolgsgeschichte mehr als 100 Jahre später auszuruhen, stehen ausgerechnet die Erben der MBA-Pioniere von der US-Ostküste heute vor großen Herausforderungen. Denn dem MBA geht es, wie der Wirtschaft selbst: Prozesse und Strukturen werden komplexer, die Globalisierung noch schneller, die Anforderungen an Manager immer höher.

Bei all diesen Aufgaben stehen die Anbieter der MBA-Programme, die Business Schools, erst am Anfang. Oder, wie es Dipak Jain, der Dekan der französischen Elite-Hochschule Insead jüngst auf einer Konferenz auf den Punkt brachte: „Business-Schools sind wie die US-Airlines.“ Beide seien ausgebucht, aber beide verlören dennoch. Die Fluglinien Geld, die Business Schools Ansehen.

Das Paradox, das er anspricht: Jedes Jahr bewerben sich mehr Nachwuchskräfte an den Business Schools, als diese aufnehmen können, die US-Schulen gelten ob ihrer langen Tradition als die beliebtesten weltweit. Mehrere Tausend Studenten absolvieren an den Top-Schulen einen MBA. An der Harvard Business School – der weltweit renommiertesten der Wirtschaftshochschulen – kommen auf einen Studienplatz zehn Bewerber. An den anderen Elite-Schulen sieht es ähnlich aus.

Lange Tradition

Das Managementstudium ist attraktiver denn je, das haben vor allem die vergangenen drei Jahre gezeigt. Denn noch immer verdienen Absolventen drei Jahre nach dem MBA an den Top-Schulen 110 bis 160 Prozent mehr als zuvor, führt für viele der Karriereweg irgendwann in den Vorstand eines Großkonzerns oder einer Bank. Vor allem, weil die Wirtschaftshochschulen starke Ehemaligen-Netzwerke aufgebaut haben und die Jobsuche für die Studenten schon vom ersten Tag auf dem Campus in das Studium integriert ist.


Foto: Tuck School

Zu einseitige Lehre?

Abendessen mit Personalern, Vorträge von hochrangigen Wirtschaftslenkern und Firmenpräsentationen sind festes Element des MBA-Studiums. Und doch stehen die Hochschulen unter Druck, sich selbst und ihre Ausbildung zu reformieren und ihre eigene Rolle zu überdenken.

Vor allem die Finanzkrise hat ihnen zugesetzt: Überdurchschnittlich viele in die Kritik geratene Top-Banker waren MBA-Absolventen. Kritiker werfen den Hochschulen vor, zu einseitig auf den Shareholder-Value-Kapitalismus gesetzt zu haben und mit dem Kern ihrer Programme – den Fallstudien, bei denen Studenten Unternehmensprobleme lösen müssen – zu sehr in der Vergangenheit der amerikanisch dominierten Wirtschaftswelt zu stecken.

„Die Business Schools werden Wege finden müssen, ihren Studenten und Professoren näherzubringen, wie man in den Entwicklungsländern Wirtschaft betreibt und wie man die Märkte in den verschiedenen Regionen zusammenbringt“, sagt Angel Cabrera, der lange die spanische IE Business School geleitet hat und heute Chef der Thunderbird School ist.

Neue Ära

Die Kritik kommt an den altehrwürdigen US-Institutionen an. „Das 20. Jahrhundert war das Amerikas, das 21. wird das globale Jahrhundert“, sagt Harvard-Dekan Nitin Nohria. Allein, dass mit ihm ein Inder auf dem Chefsessel der wichtigsten Business School sitzt, symbolisiert die neue Ära. Über Jahrzehnte war der Posten für weiße Amerikaner reserviert.

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