MBA für Fortgeschrittene Parallel zum Job zu mehr Führungsqualität

Wenn gestandene Führungskräfte ihren MBA machen, lernen die Teilnehmer vor allem voneinander. Internationalität ist Pflicht, Kooperationen werden beliebter.

Stefanie Hergert | , aktualisiert


Foto: WHU

Hohe Ansprüche – auch an die Profs

Jürgen Weigand wollte dem neuen Jahrgang eigentlich nur das Programm fürs Studium vorstellen. Doch im Herbst 2008, dem Herbst der Finanzkrise, lassen die Studenten ihn kaum zu Wort kommen, seine Folien kann er getrost zur Seite legen. Wie man denn bitte diskutieren könne, während im Kurs vielleicht zwei oder drei Teilnehmer sitzen, die in den nächsten Wochen ihren Job verlieren, fragen einige von ihnen.

Wirtschaftsprofessor Weigand, der an der WHU – Otto Beisheim School in Vallendar den Master of Business Administration für erfahrene Manager leitet, muss sich ganz schnell umstellen. Vor ihm sitzen schließlich keine Mittzwanziger, die Vollzeit studieren, sondern Führungskräfte, die schon etliche Jahre Berufserfahrung haben, die hohe Ansprüche an ihr berufsbegleitendes Studium im Executive MBA (EMBA) stellen – und damit auch an Weigand.

Im EMBA lernen Manager, die nach einigen Jahren im Job merken, dass sie ihre Führungsqualitäten verbessern können, und hier lernen Ingenieure oder Juristen, die große Teams leiten und denen der wirtschaftliche Rundumblick fehlt. Die anspruchsvolle Klientel – um die 35 bis 45 Jahre alt – zahlt für das zweijährige Studium an der WHU aktuell 70.000 Euro Gebühren. US-Wirtschaftshochschulen, die sogenannten Business Schools, verlangen bis zu 170.000 Dollar (124.000 Euro).

Kooperationsprogramme stechen hervor

Trotz der hohen Gebühren lernen die Teilnehmer vor allem voneinander. Internationale Klassen sind daher ein Muss. Und Kooperationsprogramme, bei denen sich zwei oder mehrere Wirtschaftshochschulen zusammentun, werden nicht nur beliebter, sondern auch besser bewertet.

Die drei besten Programme in der einflussreichen Rangliste der "Financial Times" (FT) sind Kooperationen, vor allem zwischen amerikanischen und europäischen oder asiatischen Hochschulen.


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Coaching statt BWL

Beim EMBA geht es nicht darum, nach dem Studium Branche und Position zu wechseln und damit einen kompletten Karrierewechsel zu planen. "Das ganze Programm ist eine persönliche Weiterentwicklung", sagt Nestlé-Managerin Kerstin Schmeiduch, die das Programm am schweizerischen Institut IMD absolviert hat.

Die meisten Teilnehmer wollen sich in ihrem Job weiterentwickeln, aussteigen können sie für das Studium nicht. Daher sind die EMBA Programme berufsbegleitend.

Auch Schmeiduch wollte Wissenslücken füllen. "Ich bin Juristin und hatte immer das Gefühl, dass mir die breite Basis Wirtschaftswissen fehlt. Diesen Helikopter-Blick habe ich bekommen", sagt die 41 Jährige.

Relevanz entscheidet

BWL, Fallstudien, Gruppenarbeiten – die bekannten Inhalte aus dem MBA gibt es auch im EMBA. Und doch ist hier alles ein wenig anders. "Als Dozent bin ich im EMBA Moderator oder Entertainer", sagt Weigand. Erst werde diskutiert, dann präsentiert er die Lösungswerkzeuge.

"Die EMBAler wollen stets die Frage beantwortet wissen: Warum ist das relevant für uns?" Nicht alle Professoren können das. "Daran scheitern auch einige Koryphäen."


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Jeder profitiert von jedem

Das Praxiswissen, das die Teilnehmer mitbringen, müsse man nutzen, sagt Weigand. Davon hat auch Schmeiduch profitiert. In Kleingruppen mit Teilnehmern aus der ganzen Welt arbeitete sie die Aufgaben ab, nach jedem Modul und jeder Gruppenarbeit bewerteten die Teilnehmer sich gegenseitig.

"Ich war überrascht und beeindruckt von dem Coaching durch die anderen Teilnehmer. Durch sie habe ich fast mehr gelernt als von den Dozenten", sagt IMD Alumna Schmeiduch.

Weil vor allem das Umfeld wichtig ist, werden Programme in den aufstrebenden Ländern Asiens beliebter. Viele der Business Schools dort haben sich für den EMBA renommierte Partner geholt.

Kellogg – gleich vier Mal unter den Besten

Eine solche Kooperation hat es auch an die Spitze des FT-Rankings geschafft. Die Hong Kong UST Business School bietet ihren EMBA mit der amerikanischen Kellogg School an.

Die Kellogg School, im Prinzip die Wirtschaftsfakultät der Northwestern  Universität, ist mehr als umtriebig. Im Ranking taucht sie allein unter den besten 20 Anbietern vier Mal auf – sie hat auch ein Kooperationsprogramm mit der deutschen WHU und der Schulich School der kanadischen Universität York. Hinzu kommt das eigene Programm ohne Partner.


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Hohe Kosten

Günstig ist ein Executive Master of Business Administration (EMBA) sicher nicht. 143.000 US-Dollar (104.000 Euro) zahlen Teilnehmer künftig für das beste Programm laut aktueller Rangliste der "Financial Times" (FT).

Top Programme in den USA sind teils noch teurer, für zwei Jahre Managementstudium zahlen die erfahrenen Führungskräfte bis zu 170.000 Dollar (124.000 Euro).

In den vergangenen vier Jahren sind vor allem die amerikanischen Teilzeitprogramme, die sich an all jene wenden, die schon viel Berufs- und Führungserfahrung haben, um rund 20.000 Dollar gestiegen.  Bisher war das kein Problem, weil die meisten Studenten von ihrer Firma gesponsert wurden.

Fianzieren aus der eigenen Tasche

Doch seit der Krise sind immer weniger Unternehmen dazu bereit. "Wir sehen nach wie vor den Trend, dass mehr Teilnehmer den EMBA selbst zahlen, es sind schon deutlich über 50 Prozent", sagt Jürgen Weigand, der das Programm an der WHU – Otto Beisheim School in Vallendar leitet.

"Es ist ja selten, dass Unternehmen ihrem Mitarbeiter den EMBA ans Herz legen", sagt auch Phil Rosenzweig, vom schweizerischen Institut IMD.


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Höhere Preise rufen nach besserer Qualität

Wenn die Studenten selbst zahlen, müssten sie die Gebühren sowie Reise- und Übernachtungskosten auch wieder hereinholen durch höhere Gehälter, sagt Weigand.

Und genau das ist das Problem. Den gestiegenen Gebühren stehen nur mehr geringer steigende Gehälter gegenüber. Das durchschnittliche Gehaltsplus sinkt laut FT-Liste seit Jahren und liegt nur noch knapp über 40 Prozent.

Weigand und viele seiner Kollegen wissen: "Man kann die Preisschraube nicht unendlich drehen. Wenn sich die Qualität nicht signifikant ändert, dann ist eine Preiserhöhung schwer zu rechtfertigen." Offenbar tun sich schon jetzt Anbieter schwer. "Momentan geben selbst einige Schulen in der Liga der Top-20 Rabatte. Hinter den Kulissen ist offenbar viel Spielraum bei den Gebühren", sagt WHUProfessor Weigand.

Geht die Rechnung auf?

Das IMD in Lausanne senkt nun offiziell den Preis – von 126.000 auf 105.000 Franken (rund 86.000 Euro). Grund dafür sei aber nicht der Markt, sondern die Neugestaltung des Programms mit weniger Kursen vor Ort. 

Ob sich die Investition in das Studium finanziell rechnet, gibt Rosenzweig zu bedenken, sei doch ohnehin zweitrangig. "Das Studium bringt den Studenten doch viel mehr als nur ein höheres Gehalt."

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