MBA Frauen erobern Business Schools

Die Zahl der weiblichen Bewerber für MBA-Programme steigt. Die Schulen selbst sprechen mittlerweile gezielt Frauen an. So wird den Studentinnen neben den Vorlesungen auch Kinderbetreuung für den Nachwuchs angeboten.

Stefani Hergert, Carola Sonnet | , aktualisiert

Die Wharton School der University of Pennsylvania hat geschafft, worauf viele andere akribisch hinarbeiten: Im aktuellen Jahrgang sind 40 Prozent der MBA-Studenten Frauen. Das ist der höchste Anteil, den die Schule je hatte. Bei vielen Anbietern in den USA und Europa sind 20 bis 30 Prozent weibliche Teilnehmer die Regel. Den Anteil zu erhöhen, haben sich indes einige auf die Fahnen geschrieben.

Immer mehr Frauen erkennen, dass sich ein MBA für sie lohnt, die Bewerberzahlen steigen seit Jahren. Die Umfrage vom MBA-Messe-Anbieter QS unter Besuchern bestätigt das: "Die Anzahl der weiblichen MBA-Kandidaten ist größer als je zuvor", heißt es in der gerade veröffentlichten Studie. 46 Prozent der 4000 Umfrageteilnehmer sind weiblich. Wenn sie sich auch tatsächlich bewerben, könnten bald noch viel mehr Frauen in den MBA-Klassen sitzen.

Denn sie haben erkannt, dass auf MBA-Absolventen mehr wartet als Investmentbanking und Beratung und dass die Ausbildung vielseitig ist. "Gerade Frauen interessieren sich für flexiblere Arbeitszeitmodelle und unterschiedliche Karriereoptionen nach ihrem Abschluss", sagt Kathryn Bezella, die an der Wharton-School für das Zulassungsverfahren verantwortlich ist.

Das passt in den Trend, dass gemeinnützige Organisationen und Unternehmen aus dem Bereich Corporate Social Responsibility als Wunscharbeitgeber beliebter werden. 6,4 Prozent der Teilnehmer der QS-Umfrage - und damit doppelt so viele wie im Jahr zuvor - wollen nach dem MBA hier arbeiten.

Frauen brauchen Vorbilder aus der Wirtschaft

Dass Wharton seit Jahren den Frauenanteil erhöht, liege am guten Netzwerk, sagt Bezella. "Hier haben die Frauen schon in der Uni eine starke Gemeinschaft, die auch im Berufsleben hinter ihnen steht." An der Schule ist das Netzwerk "Wharton Women in Business" etabliert. Die Forté Foundation, ein Zusammenschluss verschiedener Business Schools und Unternehmen, setzt ebenfalls auf das starke Netzwerk und die Vorbildfunktion von Absolventinnen, um mehr Frauen für MBA-Programme zu begeistern.

Einige Schulen sprechen die Frauen gezielt an, haben wie die Stanford Graduate School of Business eigene Internetseiten für weibliche Bewerber. Stanford organisiert zudem Informationsrunden mit weiblichen Alumni, Mitarbeiter informieren bei Treffen von Organisationen wie "Future Women Leaders" über die Programme, mit einem Frauennetzwerk setzt sich das auf dem Campus fort. 32 bis 41 Prozent Frauen lernten seit 2000 im MBA.

Das allein reicht aber nicht. Frauen bräuchten noch viel mehr Vorbilder, sagt Wharton-Zulassungsleiterin Bezella. Noch immer fehlen Positivbeispiele in der Wirtschaft. Das schreckt Frauen ab, sich auf die Großinvestition MBA einzulassen.

Vor allem die Vereinbarkeit von Familie und MBA sorgt so manche Bewerberin, fällt das Studium doch oft in die Phase der Familiengründung. Auf die Familiefreundlichkeit setzen daher einige Schulen. Da gibt es Apartments für die ganze Familie, Betreuung für die Kleinsten und eine Jobvermittlung für den Partner. Auch hier spielt die Vorbildfunktion eine Rolle. "Nur Frauen, die zeigen, dass sie Kinder und Karriere gut vereinbaren können, motivieren", sagt Caroline Edwards von der französischen Business School Insead.

Auf 32 Prozent hat Insead den Frauenanteil angehoben -vor fünf Jahren waren es 17 Prozent. Viele kommen laut Edwards schon mit Nachwuchs zu Insead nach Fontainebleau. Die Partner seien in die Veranstaltungsplanung und die Familiengemeinschaft auf dem Campus eingebunden und es gebe Familienräume für die Kinder.

Auch ein Weg, mehr Frauen für den MBA zu begeistern, sind Stipendien für weibliche Teilnehmer. Neu ist das nicht: Auf diese Idee sind schon etliche Schulen gekommen.

Nur für Frauen

Einige deutsche Schulen haben schon heute einen recht hohen Frauenanteil. An der Gisma Business School waren es in den vergangenen zwei Jahren fast 45 Prozent, 2009 ist der Anteil gesunken. Im MBA an der Mannheim Business School lernen zwischen 30 und 45 Prozent Frauen, im neuen MBA der Goethe Business School sind es fast 40 Prozent. Spezielle Veranstaltungen oder Netzwerke nur für Frauen kennen sie bisher nicht. Allgemeine Stipendien, für die sich jeder MBA-Teilnehmer bewerben kann, haben alle Schulen, die Förderung nur für weibliche Teilnehmer einige wenige.

Je 10000 Euro nur für Frauen im Teilzeit-MBA in Bonn lobt die Tias Nimbas Business School aus, drei Studentinnen erhalten aktuell die Förderung. Die Mannheim Business School hat einen Fördertopf, aus dem sie jedes Jahr eine Handvoll Teilstipendien an Frauen vergibt. Die ESMT sponsert jedes Jahr mindestens zwei Frauen mit einem Vollstipendium, 2010 gibt es zudem eines für eine Teilnehmerin mit sehr gutem GMAT-Ergebnis und eines für eine Studentin aus den Bric-Staaten.

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