MBA Die Marke ist beschädigt

Die Marke MBA ist durch die Wirtschaftskrise beschädigt. Gerade den traditionsreichen Schulen in Amerika und England wird vorgeworfen, Ethik als Ausbildungsfach vernachlässigt zu haben. Hektisch bauen sie nun Kurse in den MBA ein. Doch kann man das überhaupt lernen?

Daniel Borchardt | , aktualisiert

"Politik, Marktwirtschaft und Demokratie können ohne einen Bodensatz von Ethik letzten Endes nicht existieren", sagte Richard von Weizsäcker vor Jahren - zu vielen Bankern und Managern drang die Botschaft nicht durch. Rendite und andere betriebswirtschaftliche Kennzahlen zählten lange mehr als Nachhaltigkeit und gesellschaftliche Verantwortung. Ganz vorn mit dabei waren zahlreiche MBA-Absolventen, nun spöttisch als Master of Business Apocalypse tituliert.

Traditionsreiche MBA-Schulen am Pranger

Mit ihnen stehen natürlich auch die Ausbildungsstätten am Pranger. Gerade den traditionsreichen MBA-Schulen in Amerika und England wird vorgeworfen, Ethik als Ausbildungsfach vernachlässigt zu haben. Lange wurden Fragen der sozialen Verantwortung eher belächelt.

Wer sich ihnen widmete, galt als Querdenker - auf der Karriereleiter war kein Platz für solche Leute. Doch ist Ethik überhaupt lernbar? Generationen von Philosophen haben sich diese Frage gestellt, nun beschäftigt sie auch die Dozenten an den Business Schools weltweit. "Der moralische Unterbau des ethischen Verhaltens wird in der Kindheit erlernt", sagt Thomas Cooley, Dekan der New Yorker Stern School of Business: "Was wir im MBA-Studium noch vermitteln können, ist ein besseres Verständnis der ethischen Voraussetzungen, Entscheidungen und Konflikte."

Die Studenten müssten begreifen, dass diese Punkte jeder wirtschaftlichen Entscheidung innewohnen. Das meint auch der deutsche Wirtschaftsethiker Jörg Althammer, seit kurzem Lehrstuhlinhaber an der Katholischen Universität Eichstätt-Ingolstadt: "Leitende Manager müssen in ihren Entscheidungen immer zwischen moralischen und ökonomischen Überlegungen abwägen. In der jüngsten Vergangenheit fiel die Entscheidung oft zulasten der ethischen Überzeugung."

Interesse an Ethikkursen ist groß

Stern-Chef Cooley sieht die wirtschaftlichen Verwerfungen schon als Lehrstück. Das Geschehen werde ausgiebig analysiert, die Kurse seien der Renner unter den Studenten: "Im Frühjahr haben wir eine MBA-Vorlesung über fünf Termine ins Leben gerufen: Sie basiert auf 18 Weißbüchern, die 33 Professoren der Stern School im März 2009 als Buch herausgegeben haben. Innerhalb weniger Minuten war der Kursus, für den es 450 Plätze gab, ausgebucht."

Der Titel: "Die Stabilität der Finanzmärkte wiederherstellen - Wie ein gescheitertes System repariert werden kann." Auch an der Wharton School in Pennsylvania starten allein in diesem Jahr mehrere Kurse zu Themen der Ethik und Verantwortung. "Ein Fakultätskomitee überdenkt den gesamten Studienaufbau, dazu gibt es eine systematische Analyse des Lehrplans", sagt Dekan Tom Robertson. Die Aufgabe der MBA-Schule sieht aber auch er nicht vorrangig in der Vermittlung ethischer Grundlagen: "Wir können sicher nicht aus schlechten Menschen gute machen. Aber wir können den Rahmen schaffen, um ethisch geleitete Entscheidungen herbeizuführen." Man wolle den Studenten helfen, ihre Handlungsalternativen besser zu verstehen, und ihnen die Eckpunkte von Wirtschaftsethik und die Verantwortung der Firmen verdeutlichen. "Wir schaffen Bewusstsein", sagt der Dekan.

In dasselbe Horn stößt auch die stellvertretende Dekanin der MIT Sloan School of Management, Jo Anne Yates. Sie versucht den Studenten zu vermitteln, dass das "alles nicht bloß ein großes Spiel mit Zahlen ist - sie sollen die Auswirkungen ihres Handelns begreifen".

Artikel teilen

Ihr Browser ist veraltet. Deshalb können Sie diese Webseite nicht korrekt darstellen!

Bitte laden sie einen dieser aktuellen, kostenlosen und exzellenten Browser herunter:

Für mehr Sicherheit, Geschwindigkeit, Komfort und Spaß.

Lade Seite...