MBA Die Eliteschulen für Manager müssen den MBA neu erfinden

Hat sich der Titel überholt? Nein, aber er muss Führungskräfte besser auf die globale Wirtschaft vorbereiten.

Stefani Hergert | , aktualisiert

Die Eliteschulen für Manager müssen den MBA neu erfinden

Harvard-Chef Nitin Nohria

Harvard-Chef Nitin Nohria

Schon seine Berufung war ein Signal für die künftige Ausrichtung der Harvard Business School – und im Prinzip auch der MBA-Branche: Nitin Nohria, seit Juli vergangenen
Jahres Dekan der bekanntesten Wirtschaftsfakultät der Welt, hat keine weiße Hautfarbe und ist kein Amerikaner. Der gebürtige Inder wurde trotzdem – oder eben gerade deshalb – gewählt.

„Das 20. Jahrhundert war das Amerikas, das 21. wird das globale Jahrhundert“, sagte Harvard-Chef Nitin Nohria dem Handelsblatt. Das heißt für ihn: „Wir werden Neuerungen einführen müssen.“ Nohria glaubt, dass der MBA an Bedeutung gewonnen hat, die schiere Zahl von Business-School-Neugründungen in Indien, Lateinamerika, aber auch Europa und vor allem Deutschland bestätige ihn darin. Nohria gibt aber auch zu: „Business Schools sind noch sehr auf die amerikanische Wirtschaft fokussiert und sollten ihren Studenten mehr globale Erfahrung bieten.“

Harvard steht wie alle MBA-Schulen der Welt vor einer Herausforderung: Die Business Schools tun nicht genug, um ihre Studenten auf die immer komplexere globale Wirtschaftswelt vorzubereiten, sagen nicht nur Kritiker. Die MBA-Programmdirektorin am Schweizer IMD, Martha Maznevski stellt sogar  die Frage, ob der MBA überholt ist.

„Vielleicht, wenn er sich nicht verändert“, lautet ihre herausfordernde Antwort. Auch die amerikanische Hochschulorganisation Association to Advance Collegiate Schools of Business (AACSB), einer der drei wichtigen Akkreditierer für MBA-Programme weltweit, mahnte genau das vor kurzem an.

Grenzüberschreitendes Wirtschaften

Die Business Schools müssten strategischer die Themen Management in verschiedenen Kulturen und grenzüberschreitendes Wirtschaften in den Lehrplan integrieren. Zu dem Ergebnis kommen Professoren in einer AACSB-Studie unter der Führung von Robert Bruner, dem Dekan der Darden School der University of Virginia. Für ihn ist die nichts Geringeres als ein „Weckruf“ für die Business Schools. Die Ergebnisse sind für die Schulen wenig schmeichelhaft: Zwischen dem Anspruch einer globalen Managementausbildung und der Wirklichkeit klaffe eine große Lücke. Nur sechs Prozent hätten spezielle Zentren für  internationale Wirtschaft und das Thema Globalisierung werde selten als eigenes Fach unterrichtet. In der Studie geben sie eine Umfrage aus dem Jahr 2007 wieder: Von 51 führenden Schulen nutzte noch ein Drittel im Pflichtkurs „Strategie“ nur Fälle, die in den
USA stattfanden, es war also kein einziger aus den aufstrebenden Märkten Lateinamerikas oder Asiens dabei. „Die interkulturelle Kompetenz insbesondere in Bezug auf die Bric-Staaten und Asien sollte mehr gefördert werden“, sagt auch Personalberater Christoph Zeiss, der Top–Führungkräfte, viele mit MBA-Abschluss, vermittelt.



Für einen globaleren Ansatz wendet sich Harvard sogar etwas von seinem Heiligtum ab: den Fallstudien. Dekan Nohria hat vor kurzem umfangreiche Änderungen im MBA-Programm seiner Hochschule verkündet und ein mehrwöchiges Projekt im Ausland als Pflichtbestandteil Des MBA etabliert. Es gehe um mehr als die reine Wissensvermittlung, sagt Nohria. „Projekte geben Studenten die Möglichkeit, das Wissen auch in Handeln zu übersetzen.“

Ein Umsatzbringer

Ein Student sagt: „Für Harvard, dessen Lehrplan sich jahrzehntelang kaum geändert hat, ist das schon eine gewaltige Reform.“ Als Abkehr vonden Fallstudien will Dekan Nohria das aber keinesfalls sehen, eher als „Ergänzung“. „Fallstudien sind eine der wichtigsten Kreationen der Harvard Business School“, sagt er. Und ein Umsatzbringer. Denn fast alle Schulen weltweit verwenden die Studien und da immer neue Anbieter vor allem
in Asien auf den Markt drängen, steigen die Verkäufe jedes Jahr. Am IMD in Lausanne sollen sie aber künftig seltener eingesetzt werden. Auch Programmdirektorin Martha Maznevski sagt, dass MBA Programme ihre Studenten besser auf die Komplexität der Welt vorbereiten müssen. Doch die lässt sich mit Fallstudien nur zum Teil abdecken. „Das Schwierigste ist  doch, in der Fülle an Informationen die wichtigen Details zu finden“, sagt Maznevski. Fallstudien liefern die aber auf dem Silbertablett. Das IMD hat sie daher im MBA reduziert, 40 bis 50 Prozent sollen sie noch ausmachen. Stattdessen setzt man auch hier verstärkt auf Projekte mit Startups und multinationalen Unternehmen. Ein Drittel bis zwei Drittel ihrer Zeit widmen die Studenten den Projekten, der Rest ist reserviert für Vorlesungen und Nachbesprechungen. Denn die Rückkoppelung der Projekterfahrungen, sagt Maznevski, sei wichtig.

Eines aber lösen all diese Reformen nicht: Die Managementwelt ändert sich so schnell, dass kein MBA-Absolvent ein Leben lang von seinem Studium zehren kann. Das will die Wharton School an der University of Pennsylvania, eine der Top-Adressen, künftig berücksichtigen. Auch sie hat ihre Lehrpläne umfassend verändert. Vor allem will man dort, dass die Absolventen Schritt halten können. Alle sieben Jahre können sie daher kostenlos eine Weiterbildung buchen. Wenn sie wollen, ein Leben lang.



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