MBA Business Schools denken um

Die üblichen Verdächtigen haben am Rednerpult erst mal ausgedient. Statt Vorstandschefs halten jetzt Gutmenschen oder Geläuterte die Eröffnungsreden in MBA-Programmen, hat Matt Symonds beobachtet.

Matt Symonds | , aktualisiert

Es ist gute Tradition an jeder Business School, die Neuankömmlinge eines MBA-Studiengangs mit einer inspirierenden Rede zu begrüßen. In den vergangenen Jahren gaben sich führende Vertreter aus Großkonzernen und Banken ein Stelldichein am Rednerpult und erklärten den Studenten, was diese tun müssten, um in ihre Fußstapfen zu treten.

Ausgelöst durch die Wirtschaftskrise und die Rolle, die einige führende Business Schools und ihre Absolventen nach Ansicht vieler Kommentatoren dabei spielen, haben die "üblichen Verdächtigen" als Identifikationsfiguren erst mal ausgedient. An ihre Stelle treten seit diesem Jahr Redner, die glaubwürdig weichere, grüne Themen vortragen können und an die soziale Verantwortung der angehenden Führungskräfte appellieren.

Ein Redner zur Abschreckung

An der Tuck School of Business in New Hampshire lauschten die Studienanfänger dieses Jahres den Ausführungen von David Stone. Stone, selbst Tuck-Absolvent, hat gerade Mikro-Unternehmen in Afghanistan aufgebaut. Zur Abschreckung hatte die Schule dazu noch einen ehemaligen Topmanager eines großen amerikanischen Unternehmens eingeladen, der wegen Betrugs im Gefängnis gesessen hatte.

An der Melbourne Business School in Australien veranlasste der Philosoph John Armstrong die MBA-Aspiranten zum Studienbeginn, ihre persönlichen Ambitionen zu hinterfragen. Sie sollten das Geschäftliche gedanklich enger mit Familie und Umwelt verknüpfen, empfahl Armstrong. Eine der führenden Schulen in Europa, die HEC Paris, verpflichtete den Umweltaktivisten Yann Arthur Bertrand, dessen Botschaft lautete: Nur ein verantwortungsbewusster Führungsstil könne den Planeten retten.

Die Frage ist, ob die Business Schools damit nur dem aktuellen Trend folgen? Werden nicht wieder die alten Industriekapitäne auftauchen und ihre "Gier ist gut"-Mentalität herausposaunen, sobald die globale Wirtschaft wieder auf die Füße kommt? Dagegen spricht, dass inzwischen auch die Unternehmen die Bedeutung von Themen wie Corporate Social Responsibility und Nachhaltigkeit erkannt haben. Härtere Gesetze, die Krise, Skandale, wie der um den Milliardenbetrüger Bernie Madoff, aber auch der Einfluss der Online-Kommunikation und die öffentliche Meinung haben diese Aspekte ins Zentrum der Aufmerksamkeit gerückt. In einer Ära schwindender Ressourcen erkennen viele Führungskräfte - und damit auch die Schulen, die sie ausbilden -, dass soziales und verantwortliches Verhalten tatsächlich wirtschaftlich sinnvoll ist.

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