MBA Absolventen schwören ethisches Handeln

Die Krise hat an vielen Stellen gezeigt, dass wertgelenktes Handeln nicht überall an erster Stelle steht. Vor allem im Management scheint es Nachholbedarf zu geben. Das haben auch die Studenten erkannt. Immer mehr MBA-Absolventen schwören ethisches Handeln.

Daniel Borchardt | , aktualisiert

Ein nachdenklicher Artikel in der "Business Review" gab den Anstoß. Rakesh Khurana und Nitin Nohria, beide Professoren an der renommierten Harvard School, verfassten im vergangenen Herbst auf zehn Seiten ein Plädoyer für Ethik und Standards in der MBA-Ausbildung. Ihre Kritik: Anders als bei Rechtsanwälten und Ärzten müssen angehende Manager ihr Wissen nicht in einem Examen unter Beweis stellen, kein Kanon regelt Werte und Wissen der Absolventen am Ende ihrer Ausbildung - ein deutlicher Seitenhieb auf hoch bezahlte Manager, deren rücksichtsloses Gewinnstreben die aktuelle Wirtschaftskrise befeuert hat.

Die Initiative kam von der Basis der Studentenschaft

Eine Hand voll Studierende des Harvard-MBA-Programms nahm den Appell der Professoren auf und rief einen Eid als Bekenntnis zu grundlegenden Werten ins Leben. Eine "Grassroot"-Aktion aus der Studentenschaft, wie die Initiatoren selbst betonen. Zehn Prozent des Jahrgangs wollte das Team mindestens ins Boot holen, doch die Aktion wurde zum Selbstläufer: Mit rund 400 Absolventen legte Anfang Juni rund die Hälfte der Studierenden den Eid ab, über 1200 Unterzeichner aus aller Welt bekennen sich derzeit auf mbaoath.org zu den gemeinsamen Werten. Die Liste ist illuster bestückt, vom französischen Insead über die Said Business School der Universität Oxford bis zur Universität von Cape Town reichen die vertretenen Ausbildungsstätten.

"Als Manager ist es meine Aufgabe, der Gesellschaft zu dienen", heißt es in der Einleitung zu den acht Geboten. Rechtschaffend, nachhaltig und ehrlich wollen die Unterzeichner ihren Beruf ausüben. Die Quintessenz lautet schlicht "Gier ist nicht gut", womit sich die neue Garde der Manager in Kontrast zu manchem der Altvorderen sieht. Ob der Eid auch eingehalten wird, überwachen die MBAs kurzerhand selbst: "Ich erkenne meine Rechenschaftspflicht gegenüber anderen MBA-Absolventen an, nach diesem Eid zu handeln", lautet der letzte Satz des Schwurs.

Diese Initiativen können eine Trendwende sein

Die öffentliche Besinnung auf Ethik und Werte ist nach Ansicht der Initiatoren dringend nötig, spottet die Öffentlichkeit doch über gut bezahlte Manager als "Master of Business Apocalypse", seitdem die Wirtschaftskrise ihren Lauf nimmt. Ein Blick auf die Riege der Gescholtenen zeigt, dass die Kritik nicht von ungefähr kommt: Richard Fuld führte Lehman Brothers in die Pleite, Stanley O'Neal ging mit Merrill Lynch baden und Rick Wagoner besiegelte den Ruin von General Motors - sie alle sind Absolventen namhafter Business Schools und Träger des MBA-Titels.

Doch was halten die Ausbildungsstätten der Manager-Elite von dem öffentlichen Bekenntnis zu Ehrlichkeit und Ethik? Dipak C. Jain, Dekan der Kellogg School of Management (Northwestern University), kann die öffentliche Kritik verstehen: "Bei all dem Druck im Tagesgeschäft fehlt den Wirtschaftslenkern manchmal schlicht die Zeit, das eigene Handeln zu reflektieren." Oft stehe der von den Managern geforderte wirtschaftliche Erfolg im Konflikt mit Ethik und Werten. "Der Eid zeigt den Studierenden noch mal ihre Verantwortung auf", hebt Jain hervor. "Ich halte ihn für eine sehr gute Sache." Gleichzeitig betont der Professor aber auch, dass Ethik seit jeher fester Bestandteil der Ausbildung sei und er Pläne für einen eigenen Eid nicht in der Schublade habe.

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