Master in Europa Studieren in Großbritannien und den Niederlanden

Junge Karriere stellt die besten Universitäten und die wichtigsten Länder für einen Wirtschafts-Master im Ausland vor. Teil 1: Großbritannien und die Niederlande.

D. Fricke, U. Heitze | , aktualisiert

Dass mehr Studenten einen Teil ihres Studiums im Ausland verbringen, ist Ziel des so genannten Bologna-Prozesses. Dafür werden überall in Europa Bachelor- und Masterstudiengänge eingeführt und die Studienleistungen mit Kreditpunkten bewertet. Doch in den kurzen Bachelorstudiengängen bleibt oft wenig Zeit für einen Auslandsaufenthalt, so dass sogar weniger Leute für ein Semester die Koffer packen als in den alten Diplomstudiengängen. Eine Riesenchance, den verpassten Auslandsaufenthalt nachzuholen, ist es, den Master gleich ganz im Ausland zu absolvieren.

Ohnehin sind unsere Nachbarn teilweise um einiges weiter als die deutschen Hochschulen, wenn es um die Entwicklung von spezialisierten Masterprogrammen geht. Junge Karriere stellt in einer dreiteiligen Serie die wichtigsten Länder und die besten Schulen für einen Master im europäischen Ausland vor: Da es den Rahmen sprengen würde, das gesamte Fächerspektrum abzudecken, konzentrieren wir uns in diesem Master-Guide auf wirtschaftswissenschaftliche Programme. Doch auch für Bachelors, die ihren ersten Abschluss in einem anderen Fach gemacht haben und nun die Grundbegriffe des Managements draufsatteln wollen, bietet das Ausland - insbesondere Großbritannien und die Niederlande - gute Möglichkeiten, einen allgemeinen Wirtschaftsmaster zu machen.

Großbritannien: Ein Master von der Insel ist eine lohnende Investition

Zahlreiche britische Hochschulen haben einen hervorragenden Ruf, nicht nur die Elite-Unis Oxford und Cambridge. Leider müssen Studenten für die Studiengebühren und die Lebenshaltung vergleichsweise viel Geld einplanen. Vor einiger Zeit sorgte eine Meldung für Aufregung: Die britischen Hochschulen würden den dreijährigen deutschen Bachelor nicht für ein Masterstudium anerkennen, hieß es. Das hat sich zum Glück nicht bewahrheitet: Mit deutschen Bachelorabsolventen habe man sehr gute Erfahrungen gemacht, heißt es übereinstimmend aus den britischen Universitäten. Die endgültige Auswahl treffen die Hochschulen aber selbst. Voraussetzung für die Aufnahme ist in der Regel mindestens ein "Upper Second Class Degree" (entspricht etwa einem guten Zweierschnitt), der Nachweis von sehr guten Englisch-Kenntnissen und teilweise ein Graduate Management Admission Test (GMAT) oder eine Graduate Record Examination (GRE). Referenzen, etwa von Professoren, sind keine Formsache, sondern spielen eine wichtige Rolle im Auswahlprozess.

Bei der Suche nach dem richtigen Programm sollte die umfangreiche Datenbank unter www.prospects.ac.uk, der offiziellen Seite für Graduierte des Higher Education Careers Services Unit (HECSU), die erste Anlaufstelle sein. In Großbritannien wird zwischen "Taught Master" und "Research Master" unterschieden. Der "Taught Master" besteht vor allem aus Kursen und Vorlesungen und ist stärker anwendungsorientiert, die Abschlüsse sind meist der Master of Science (MSc) oder der Master of Arts (MA). Im "Research Master" wird stärker auf eigenständige Forschungsarbeit gesetzt, die Abschlüsse sind oft Master of Philosophy (MPhil) oder Master of Research (MRes).

Ein Knackpunkt sind allerdings die vergleichsweise hohen Studiengebühren für Masterstudenten: Sie liegen pro Jahr zwischen 5000 und 20000 Pfund (rund 6700 bis 27.000 Euro). Je nach Anspruch und Wohnort sollte man pro Studienjahr außerdem etwa 10.000 Pfund für die Lebenshaltung einplanen - das sind etwa 1125 Euro pro Monat. Trotzdem sollte man nicht verzweifeln: Die Chancen, ein Stipendium zu ergattern, sind gut.

Oxford University:

Die älteste Universität der englischsprachigen Welt ist zugleich auch eine der berühmtesten überhaupt. Der BWL widmete sie sich zwar erst relativ spät: Die aus der School of Management Studies hervorgegangene Said Business School wurde erst 1995 gegründet. Sie konnte sich aber - nicht zuletzt durch den guten Ruf der Uni - schnell etablieren. Neben dem MBA ist der einjährige MSc in "Financial Economics" das wichtigste Programm. Außerdem gibt es einen Master in "Management Research". 2010 geht der Master in "Law, Finance and Economics" an den Start. Zusätzlich zu den Angeboten der Said Business Schools bieten die verschiedenen Departments stark forschungsorientierte volkswirtschaftliche Programme an. www.ox.ac.uk

Cambridge University:

Eine nicht weniger schicke Adresse als Oxford ist Cambridge. Die angeschlossene Judge Business School, 1990 gegründet, ist in einem ehemaligen Krankenhaus untergebracht. Wer hier einen Master in "Finance", "Innovation, Strategy and Organisation", "Management Science" oder "Technology Policy" absolvieren möchte, sollte einen "First Class Degree" mitbringen: Ohne Einserschnitt dürfte man es also schwer haben. Ähnlich hoch sind die Anforderungen am Department of Economics der Universität für den dort angebotenen MPhil: Neben einem sehr guten ersten Studienabschluss werden exzellente mathematisch-analytische Fähigkeiten verlangt, die durch einen GRE belegt werden müssen. www.cam.ac.uk

London School of Economics and Politics (LSE):

John F. Kennedy, Romano Prodi, David Rockefeller, der norwegische Kronprinz Haakon oder auch Rockstar Mick Jagger haben hier studiert: Die LSE, die formal der University of London angehört, hat nicht nur zahlreiche Staatsoberhäupter, Nobelpreisträger oder andere Größen hervorgebracht, sondern gilt vor allem als die beste Adresse volkswirtschaftlicher Forschung in Europa. Allein für Graduierte, die 58 Prozent der Studierenden an der LSE ausmachen, bietet die Hochschule an die 150 verschiedene Programme, darunter etwa 120 Masterprogramme von "Accounting & Finance" über "Financial Mathematics" und "Management and Regulation of Risk" bis "Urbanisation & Development." www.lse.ac.uk

Cass Business School (London):

Die Cass Business School ist die Business School der City University. Sie liegt in unmittelbarer Nähe zum Finanzdistrikt der City of London. Die renommierte Wirtschaftshochschule ist bekannt für ihre engen Kontakte in die Wirtschaft - insbesondere in die Finanzwelt. Neben MBA-Programmen und einem "Master in Management" kann man an der Cass Business School 20 spezialisierte MSc- und MA-Programme von "Actuarial Management" (Versicherungsmathematik) über "Investment Management" bis "Voluntary Sector Management" (Management von Charity und Non-Profit-Organisationen) studieren. www.cass.city.ac.uk

Warwick Business School (WBS):

Die University of Warwick, die auf der grünen Wiese zwischen dem 25.000 Einwohner zählenden Städtchen Warwick und der Industriestadt Coventry liegt, ist eine vergleichsweise junge Uni. Sie wurde erst 1965 gegründet. Trotzdem hat sie sich inzwischen den Ruf als eine der besten britischen Forschungsuniversitäten erworben. Die nur zwei Jahre nach der Uni-Gründung eingeweihte Business School bekam als erste in Großbritannien die Akkreditierung der amerikanischen Agentur AACSB. Die Stärken der WBS liegen im strategischen Management, Marketing und Finance. Neben einem MBA führt die Schule zehn Masterprogramme im Portfolio: Zusätzlich zu den spezialisierten Programmen wie "Marketing & Strategy" gibt es den "Master in Management", eine Art pre-experience MBA für Nicht-Wiwis. www.wbs.ac.uk

University of St. Andrews:

St. Andrews ist die drittälteste Uni Großbritanniens und die erste Adresse in Schottland: Hier lernte nicht nur Prinz William seine Kate kennen, die altehrwürdige Hochschule hat auch für den Wirtschaftsnachwuchs einiges zu bieten. Stolz verweist man darauf, dass proportional zur Größe der Hochschule in keiner anderen Institution mehr Vorstände und Aufsichtsräte börsennotierter Unternehmen ausgebildet wurden. Die School of Management bietet sieben einjährige Masterstudienprogramme ("Marketing", "International Business", "Finance and Management" , "Management and Information Technology", "Management", "Human Resource Management" und seit 2008 "Managing in the Creative Industries"). Das Department für Economics & Finance bietet einjährige Masterprogramme in "Finance", "Internal Strategy & Economics" und "Analytical Finance". Den 25 besten Masterstudenten der Fakultät winkt ein Stipendium. www.st-andrews.ac.uk

Niederlande: Neue Meister aus Holland

Englisch ist hier die Uni-Sprache: Die Holländer haben den Bologna-Prozess konsequent und international umgesetzt. Stolz verweisen die Niederlande auf eines der am meisten internationalen Hochschulsysteme der EU - und das zu Recht. So war Holland nicht nur Vorreiter, als es schon 2002 begann, die Hochschulen konsequent auf Bachelor- und Masterabschlüsse zu trimmen. Unser westlicher Nachbar war auch das erste nicht englischsprachige Land, das früh in großem Stil Weiterbildungsangebote in englischer Sprache einführte. Mittlerweile gibt es mehr als 1300 solcher "International Education Programmes" (Überblick unter www.internationalstudy.nl).

Das Konzept geht auf: Bei ausländischen Studenten sind die Niederlande heiß begehrt. 50.000 zählte das Land im vergangenen Jahr, gut die Hälfte davon aus der EU. Die Deutschen stellen die größte Community. International hoch gelobt ist die an den Unis populäre Unterrichtsform "probleemgestuurd onderwijs" (PGO), bei der es kaum noch klassische Vorlesungen gibt. Stattdessen erarbeiten sich die Studenten den Stoff in Teams anhand von Fallstudien und gemeinsamen Projektarbeiten, die regelmäßig abzugeben und zu präsentieren sind. Bei der Suche nach dem passenden Studiengang hilft einem die Nuffic, die Netherlands Organization for international Cooperation in Higher Education, mit einer unschlagbar guten Datenbank (www.nuffic.nl).

Als ausländischer Bewerber an einer niederländischen Uni braucht man sich in Sachen Organisation und Anmeldung keine grauen Haare wachsen zu lassen. Die Beratungsangebote und Webseiten der Unis sind mittlerweile perfekt auf die internationale Klientel eingerichtet. Niederländisch-Kenntnisse werden nicht erwartet, dafür sehr gutes Englisch, nachzuweisen mit einschlägigen Tests wie dem Toefl, dem Cambridge- oder dem IELTS-Test. Je nach Uni und Fach wird auch ein GMAT verlangt. In Wirtschaftsfächern dauern die Masterprogramme meist ein Jahr. Deutsche Uni-Bachelors können direkt loslegen, FH-Bachelors müssen meist ein zusätzliches Vorbereitungsjahr absolvieren. Der Starttermin für die meisten Programme ist im September. In der Regel muss man sich spätestens bis zum 1. Juli beworben haben.

Die Studiengebühren sind mit gut 1500 Euro pro Studienjahr für unter 30-Jährige recht moderat. Für Ältere wird es ein paar Hundert Euro teurer. Die Lebenshaltung ist allerdings alles andere als billig. Vor allem in den Großstädten ist Wohnen recht teuer. Den Vogel schießt Amsterdam ab: Eine Winz-Wohnung gibt es für 350 bis 600 Euro, ein WG-Zimmerchen für im Schnitt 350 Euro. Anderswo kommt man mit 250 bis 300 Euro zurecht. Ausländer erhalten in Studentenwohnheimen meist eine bevorzugte Behandlung. Nach Berechnungen der Nuffic kommt ein Student inklusive Miete, Semesterbeitrag, Essen, Ausgehen und eventuell Krankenversicherung mit 700 bis 1000 Euro pro Monat aus.

Rotterdam School of Management (RSM):

Die Rotterdam School of Management (RSM) ist die Business School der Erasmus-Uni. Sie bietet für alle Business-Bachelor einen einjährigen Master of Science in "Business Administration", der die Spezialisierung in elf Bereiche erlaubt. Alle nicht wirtschaftsnahen Bachelors können in einem zweijährigen "Master of Science in General Management" die Grundbegriffe der Wirtschaft lernen. Das RSM-Sahnehäubchen ist der CEMS Master in "International Management". Dieser dauert drei Semester, eines davon im Ausland. Die Auslese ist hart, Bewerber müssen zum Beispiel drei Sprachen vorweisen können. www.rsm.nl

Universiteit Maastricht (UM):

Die Universiteit Maastricht ist sehr international: Unter den 12000 Studenten stammt knapp ein Drittel aus dem Ausland. Die Faculty of Economics and Business Administration (FEBA) bietet sechs einjährige, rein englischsprachige Masters of Science-Programme ("International Business", "Management of Learning", "International Economic Studies", "Infonomics", "Financial Economics" und "Econometrics and Operations Research"), unter denen man einzelne Spezialisierungen wählen kann. Der siebte Zweig, "Fiscal Economics", wird teilweise auch in Niederländisch unterrichtet. Zum Master of Philosophy kann man mit "Business Research" und "Economic and Financial Research" werden (Dauer: zwei Jahre): Ein wirtschaftsnaher Uni-Bachelor und ein GMAT sind Pflicht. www.unimaas.nl

Universiteit van Amsterdam (UvA):

Die UvA belegt im Welt-Uniranking der britischen "Times" Platz 69, unter den EU-Festlands-Unis ist das Platz zehn. Die internationalen Masterprogramme für Wirtschaftsleute werden an der Faculty of Economics and Business (FEB) gegeben. Zur Wahl stehen fünf verschiedene Master - "Accountancy and Control", "Business Studies", "Business Economics", "Economics und Econometrics". Innerhalb der Programme kann man sich meist weiter spezialisieren. Nach einem Jahr erhält man den Master of Science. Darüber hinaus gibt es "Economics" als zweijährigen Master of Philosophy. www.uva.nl 

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