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Master für Wirtschaftsprüfer Auf der Überholspur

Das Examen für Wirtschaftsprüfer ist gefürchtet, denn für die Kandidaten bedeutet es Dauerstress und schlechte Noten. Jetzt soll ein neuer berufsbegleitender Masterstudiengang helfen: "Audit Xcellence" startet 2012 an vier Universitäten. Die Uni Mannheim sammelt bereits erste Erfahrungen.

Constanze Kindel | , aktualisiert


Foto: humblebee/SXC

Kein Mut zur Lücke

Respekt hatte er vor allem vor den Fragen zum Steuerrecht, "der Achillesferse für jeden, der in der Prüfung tätig ist", sagt Christian Steinwachs. Beinahe hysterisch hätten sie sich deshalb vorbereitet, sagt der 31-Jährige heute. Sie, das sind die Pioniere: Steinwachs gehörte zum ersten Jahrgang, den die Mannheim Business School im vergangenen Jahr mit einem Master of Accounting & Taxation entließ.

Gleich im Anschluss traten die Absolventen zum Wirtschaftsprüfer-Examen an – mit Erfolg. Das Examen der Wirtschaftsprüfer gilt als eine der anspruchsvollsten Prüfungen im deutschen Bildungswesen. So umfangreich ist das abgefragte Wissen aus Recht und Wirtschaftswissenschaften, dass, wer beim Lernpensum auf Mut zur Lücke setzt, praktisch schon durchgefallen ist. Im ersten Anlauf besteht nur etwa die Hälfte der Kandidaten.

Steinwachs dagegen hat die Überholspur für Wirtschaftsprüfer genommen: Anderthalb Jahre lang hatte er bereits bei der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft KPMG gearbeitet, als das Unternehmen ihm vorschlug, für den Weg zum Examen an die Hochschule zurückzukehren.

Big Four unterstützen den "Meisterweg"

Denn seit einigen Jahren können sich angehende Wirtschaftsprüfer auch per Masterstudium auf das Examen vorbereiten. Angeboten wurde diese Möglichkeit allerdings bislang nur an fünf Hochschulen.

Jetzt aber wollen die vier weltweit größten Prüfgesellschaften – Deloitte, Ernst & Young, KPMG und PricewaterhouseCoopers – diesen Meisterweg gezielt fördern: mit dem berufsbegleitenden Studiengang "Audit Xcellence". Gemeinsames Ziel der Rivalen: den Weg zum Examen erleichtern und verkürzen.


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"Audit Xcellence" erfolgversprechend gestartet

Denn bislang lag das Durchschnittsalter der Prüflinge bei Ende 30. Hinter sich hatten sie Monate als Einzelkämpfer, in denen sie entweder freigestellt vom Arbeitgeber oder neben dem Vollzeitjob lernen mussten.

Zusätzlich investierten sie Tausende Euro in Fernkurse, Seminare oder Klausurtrainings – für jeden Zweiten war der Aufwand umsonst: Er fiel durch.

Das soll sich mit "Audit Xcellence" ändern. Von den Studenten des Mannheimer Pionierjahrgangs bestanden 82 Prozent das Examen im ersten Anlauf, weitere elf Prozent erreichten die Ergänzungsprüfung. Diese Quote habe auch die Erwartungen der Hochschule übertroffen, sagt Professor Jens Wüstemann, Präsident der Business School: "Wir gehen davon aus, dass auch die Folgejahrgänge ähnlich erfolgreich das Berufsexamen absolvieren werden. Es wäre aber fast vermessen, ein derartig exzellentes Ergebnis jedes Jahr zu erwarten."

Schnellerer Jobeinstieg

Seit Mai läuft das neue Masterstudium nun in Mannheim unter dem Slogan der Big Four: Accelerate Your Career, zu Deutsch: Beflügle deine Karriere. Denn das neue Masterstudium soll nicht nur die Prüfungsergebnisse verbessern, sondern auch den Berufseinstieg beschleunigen: Drei der sieben Klausuren können auf das spätere Examen angerechnet werden.

Das macht das Lernpensum für die Kandidaten kalkulierbar - "bei mindestens gleichbleibender Qualität der Ausbildung", sagt Thomas Orth, Partner bei Deloitte.


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Hoher Bedarf an Weiterbildung

2012 startet "Audit Xcellence" an drei weiteren Standorten: Mit dabei sind dann neben Mannheim auch Lüneburg, Düsseldorf und Frankfurt. 2013 sollen weitere Universitäten im Osten und Südosten dazukommen, zurzeit laufen die Verhandlungen mit den Partnerhochschulen.

Bei aller Hoffnung auf schnellere Abschlüsse und bessere Examens-Ergebnisse zwingt aber vor allem Bologna die Branche zum Handeln: Die Hochschulreform beschert den Gesellschaften immer jüngere Bewerber mit wenig Berufserfahrung – die kurze Studiendauer lässt kaum Zeit für Praktika. Statt Diplom-Kaufleuten stellen die Gesellschaften mittlerweile Bachelorabsolventen ein, die entsprechenden Bedarf an Weiterbildung mitbringen.

Mit "Audit Xcellence" investieren die Big Four deshalb in ihren Nachwuchs: Die beteiligten Unis nehmen vorrangig Bewerber der beteiligten Unternehmen auf.

Nachahmer auf dem Plan

Aber auch Kandidaten anderer Unternehmen haben eine Chance. In Mannheim etwa liegt deren Anteil bei zehn Prozent. "Wir gehen aber davon aus, dass wir den Anteil in den kommenden Jahren deutlich steigern können", sagt Business-School-Präsident Jens Wüstemann.

Das Institut der Wirtschaftsprüfer (IDW), der Interessenverband der Branche, rechnet damit, dass sich auch andere Hochschulen am Modell der Big Four orientieren werden – zum Beispiel, indem sie von Vollzeit- auf berufsbegleitende Studiengänge umstellen.


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Essentielle Teamarbeit

Lehrpläne und Zulassungsvoraussetzungen der beteiligten Hochschulen werden sich leicht unterscheiden. Die Mannheim Business School zum Beispiel prüft Bewerber mit zwei Klausuren und einem persönlichen Gespräch: Man wolle geeignete Kandidaten über die "Papierform" hinaus kennenlernen, Motivation und Leistungsbereitschaft testen. Diese Soft Skills hat sich die Hochschule auch prominent in den Lehrplan geschrieben.

Um die Teilnehmer auf künftige Führungsaufgaben und das nötige Projektmanagement vorzubereiten, setzt Mannheim nicht nur auf Coachings und Kurse, sondern vor allem auf Gruppenarbeit: "Selbst die Masterarbeit ist als Gruppenleistung konzipiert", sagt Wüstemann.

Ganz bewusst gibt die Business School die Einteilung der Arbeitsgruppen meist vor – schließlich können sich die angehenden Wirtschaftsprüfer auch im Berufsalltag Kunden und Kollegen nicht aussuchen.

Konkurrenz steigert Produktivität

So viele angehende Führungspersönlichkeiten zusammen, so viel Selbstbewusstsein, so viel Durchsetzungsfähigkeit geballt in einer Gruppe: Anstrengend sei das bisweilen gewesen, sagt Absolvent Christian Steinwachs. Aber durchweg "produktivitätssteigernde Konkurrenz".

Die Unternehmenszugehörigkeit spielte für die Mannheimer Studenten bei allem Wettbewerb unter den Big Four nie eine Rolle: "Da ist man dem Berufsstand näher als dem Arbeitgeber."


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Dauer:

Der Masterstudiengang "Audit Xcellence" läuft berufsbegleitend über dreieinhalb Jahre. Vier bis fünf Jahre nach Eintritt in eine Wirtschaftsprüfungsgesellschaft können Berufsanfänger so den Sprung zum examinierten Wirtschaftsprüfer schaffen.

Zulassung:

Neben einem Bachelorabschluss in Mathematik, Jura, Wirtschafts- oder Ingenieurwissenschaften sowie verwandten Fachgebieten müssen Bewerber ein Jahr Berufserfahrung nach dem ersten Studienabschluss mitbringen, davon mindestens sechs Monate im Prüfungsbereich.

Programm:

Die Lehrveranstaltungen finden blockweise im Frühsommer und -herbst statt. In der "Busy Season" der Branche von Anfang November bis Ende März sind die Teilnehmer vom Studium freigestellt. Der Zeitaufwand für Berufstätigkeit und Studium soll sich die Waage halten.

Plätze:

An allen sechs geplanten "Audit Xcellence"-Standorten zusammen werden jährlich etwa 280 Plätze zur Verfügung stehen – auch für Bewerber aus den Reihen kleiner und mittelständischer Gesellschaften.

Kosten:

Die Studiengebühren von rund 25.000 bis 30.000 Euro werden weitestgehend von den Unternehmen getragen.
 
Abschluss:

Master of Science oder Master of Arts.

Infos:



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