Mappe Die richtige Bewerbung: Das muss rein!

Bevor man sich bei einem Unternehmen bewirbt, sollte man sich Gedanken über seine Bewerbungsmappe machen: Was darf rein? Was eher nicht? Karriere.de gibt hilfreiche Ratschläge. Dann klappt's auch mit dem Personaler.

Britta Domke | , aktualisiert

Fünf Minuten lang habe er sich die Bewerbungsmappe von Ralf Siempelkamp angesehen, sagt Ulf Marquardt. Dann entschied der Personalleiter von Bertelsmann Mohn Media: Den laden wir ein. Aber fünf Minuten nur für diese Mappe? Der Mann muss ein Schnellleser sein. Denn Siempelkamps Unterlagen wiegen schwer: drei Seiten Lebenslauf, eine Seite "Was Sie über mich wissen sollten ...", zwölf Zeugnisse, Zertifikate und Urkunden - selbst die Belobigung als "Mitarbeiter des Monats Januar ´96" bei seinem vorigen Arbeitgeber S. Oliver hat der Vertriebsexperte mit BWL-Studium hineingepackt.

Dass viele Bewerbungsexperten eher zu einer schlanken, abgespeckten Mappe raten, irritiert Ralf Siempelkamp nicht. "Wer weiß, vielleicht ist ja das eine, kleine Praktikum entscheidend", erklärt der 29-Jährige seine Bewerbungsstrategie.

"Außerdem war es mir wichtig zu zeigen, dass ich engagiert war, dass ich trotz eines recht kurzen Studiums nach links und rechts geschaut habe." Bei Personalchef Marquardt kam diese Gründlichkeit gut an - allerdings nur, weil Siempelkamp noch kein alter Hase im Vertrieb ist. "Wenn er schon Mitte 30 gewesen wäre, hätte er sich die Praktika im Lebenslauf sparen können."

Als er seinen Lebenslauf in der Online-Stellenbörse MLP Career Base (www.careerbase.de) eintrug, wusste Ralf Siempelkamp natürlich noch nicht, dass er mit seiner Bewerbung Ulf Marquardt auf sich aufmerksam machen würde. Obwohl der Personalleiter von Mohn Media regelmäßig im Netz auf die Suche nach neuen Mitarbeitern geht, fordert er anschließend immer noch eine schriftliche Bewerbung an. Im Mai 2000 suchte er jemanden, der das internationale Partnermanagement für Tec:inno organisiert. Die Bertelsmann-Tochter entwickelt und vertreibt Software für Wissensmanagement.

Seine Bewerbungsmappe hatte Ralf Siempelkamp schon fast komplett, als die Anfrage von Mohn Media kam. Schön gestaltet, ja edel sollte sie aussehen: "Ich habe mich für eine Vertriebsposition beworben, deshalb muss ich mich selbst gut verkaufen." Das fängt schon bei den Materialien an: Statt 08/15-Bögen wählte Siempelkamp ein schweres, glattes Papier, die übliche Plastikmappe ersetzte er durch eine Leimbindung wie bei einer Diplomarbeit. Das beeindruckte seinen potenziellen Personalchef: "Im Vertrieb ist es wichtig, auf Qualität zu achten", betont Ulf Marquardt. "Und in seiner Bewerbung hat Herr Siempelkamp nicht nur bewiesen, dass er den nötigen Management-Background hat, sondern auch die Fähigkeit zu präsentieren." 2.000 bis 2.500 Bewerbungen gehen pro Jahr über Marquardts Schreibtisch.

Kein Wunder, dass er übersichtliche Lebensläufe wie jenen von Ralf Siempelkamp zu schätzen weiß. "Das ist bequem zu lesen", lobt er - das Wichtigste fett gedruckt, Name und Anschrift auf jeder Seite. Auch Siempelkamp selbst misst seinem Curriculum Vitae zentrale Bedeutung zu: "Ich gehe davon aus, dass der Lebenslauf das entscheidende Kriterium ist. Das Anschreiben ist eher ein Türöffner, eine Visitenkarte, mit der man Aufmerksamkeit erregen möchte."

Deshalb hat er seinen eher konservativen Lebenslauf mit einem kreativ angehauchten Anschreiben kombiniert: Eine japanische Weisheit, "in der ich mich wiedergefunden habe", stimmt ein auf Siempelkamps knapp gehaltene Vorstellung seiner Person. Über seine Stärken und Ziele dagegen gibt er auf der so genannten Dritten Seite "Was Sie über mich wissen sollten..." Auskunft - die Idee hat er sich in einem Bewerbungshandbuch abgeguckt. So etwas macht viel Arbeit, bringt aber auch viel: Letztlich setzte sich Ralf Siempelkamp gegen 60 Mitbewerber durch.

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