Mangel an IT-Experten Gefahr im Verzug

Unzählige Unternehmen suchen nach Entwicklern und anderen IT-Experten. Cyber-Kriminelle freuen sich dagegen über den Mangel, denn er erleichtert Datendiebstahl. Wie Unternehmen ein wirksames IT-Sicherheitsprogramm aufbauen.

Kerstin Dämon, wiwo.de | , aktualisiert

Gefahr im Verzug

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Foto: Nomad_Soul/Fotolia.com

Cyberkriminalität hat in Deutschland Hochkonjunktur: Mehr als zwei Drittel der deutschen Industrieunternehmen sind dem Digitalverband Bitkom zufolge in den vergangenen zwei Jahren Opfer von Datendiebstahl, Wirtschaftsspionage oder Sabotage geworden.

Vor kurzem forderte die Telekom ihre Kunden auf, sämtliche Passwörter zu ändern. Im Internet sind Datensätze entdeckt worden, die Daten und Passwörter von T-Online-Kunden enthalten. Zwischen 64.000 und 120.000 Kundendaten sollen gehackt worden sein.

Bereits zuvor deckten Sicherheitsexperten den Diebstahl von E-Mail-Adressen und Zugangsdaten von mehr als 272 Millionen Benutzerkonten auf. Mit 57 Millionen Adressen war die Mehrheit der Betroffenen Nutzer von Russlands führendem E-Mail-Dienst Mail.ru, aber auch Yahoo, Microsoft und Google seien millionenfach betroffen. Einige Hunderttausend Konten stammten auch aus Deutschland.

Existenzbedrohende Akionen

Angriffe dieser Art beschädigen nicht nur das Vertrauen der Kunden in ein Unternehmen, sie können auch richtig teuer, wenn nicht sogar existenzbedrohend werden.

So kämpfte beispielsweise das mittelständische Unternehmen S&P Werbeartikel GmbH noch im vergangenen Jahr gegen die Insolvenz. Ein Internet-Betrüger hat bei dem Unternehmen aus dem nordrhein-westfälischen Meerbusch einen Schaden in Höhe von 160.000 Euro angerichtet.

"Das wäre der Todesstoß für ein Unternehmen unserer Größe" sagten die geschäftsführenden Gesellschafter Carsten Lenz und Daniel Meffert im Dezember der WirtschaftsWoche.

Laut Bitkom sind Hacker-Angriffe aber nicht nur für kleine und mittelständische Unternehmen ein Problem, auch Großkonzerne wie die Telekom stehen vor einer Mammutaufgabe.

Insgesamt entsteht der deutschen Industrie pro Jahr ein Schaden von rund 22,4 Milliarden Euro durch Cyberattacken, wie der Verband vorrechnet. Und die Gefahr wird durch fehlende IT-Sicherheitsexperten zukünftig noch verstärkt. Das zeigt eine Befragung des Personaldienstleisters Robert Half unter deutschen CIOs und CTOs.

Demnach glauben 66 Prozent der deutschen Technologieverantwortlichen, dass es in den kommenden fünf Jahren aufgrund des Fachkräftemangels in der IT-Sicherheit zu einem Anstieg bei Sicherheitsbedrohungen für Unternehmen kommen wird.

Die größte Gefahr sehen die Tech-Chefs in den nächsten Jahren beim Datenmissbrauch, gefolgt von Datendiebstahl oder Erpressung. An dritter Stelle steht Wirtschaftsspionage durch Spy- oder Ransomware.

"Durch die fortschreitende Digitalisierung und die komplexere Vernetzung von Prozessen steigt nicht nur die Wettbewerbsfähigkeit eines Unternehmens, sondern auch das Risiko, Opfer von Cyber-Kriminalität zu werden," sagt Sven Hennige, Europa-Chef bei Robert Half. "Technische Lösungen allein reichen nicht aus, um sich dagegen zu schützen" so Hennige. "Unternehmen sind auf qualifizierte IT-Sicherheitsexperten angewiesen, die für eine systematische Absicherung und die Umsetzung einer IT-Sicherheitsstrategie sorgen."

Investition in die IT-Sicherheit

Doch genau diese Fachleute mit den erforderlichen Kompetenzen sind rar – und heiß begehrt. Mit der Sicherheitsstrategie sollten Unternehmen allerdings nicht warten, bis der gesuchte IT-Experte vom Himmel fällt. "Die IT-Sicherheit gilt es fortlaufend zu kontrollieren und auf dem aktuellen Stand zu halten, denn die Professionalisierung der virtuellen Angreifer entwickelt sich ebenfalls weiter", so Hennige.

Deshalb rät er Unternehmen zu vier grundlegenden Dingen:

1. Umfassende unternehmensweite Kontrolle:
Die IT-Sicherheitsstrategie wirkt sich auf die gesamte Organisation aus. Sie muss auf die Geschäftsziele abgestimmt sein und regulatorische Vorgaben beachten.

2. Berücksichtigung aller betrieblichen Prozesse sowie der Lieferkette einschließlich externer Vertragspartner:
Die wachsende Zahl externer Cyber-Bedrohungen zwingt immer mehr Organisationen, auch die Sicherheitsvorkehrungen ihrer Lieferanten zu überprüfen.

3. Unterstützung durch die Geschäftsleitung:
Unternehmen, in denen die Geschäftsleitung sich in hohem Maße in die Sicherheitspolitik einbringt, setzen eher "State of the Art"-Sicherheitslösungen ein.

4. Förderung des Sicherheitsbewusstseins:
Angestellte müssen sich potenzieller Sicherheitsbedrohungen bewusst sein. Es sei unerlässlich, alle Mitarbeiter regelmäßig zu Sicherheitsrichtlinien und zur Unternehmenspraxis zu schulen.

Letzteres sei besonders wichtig, da immer mehr Firmen auf "bring your own device" setzen und es ihren Mitarbeitern gestatten, das private Smartphone oder das eigene Tablet auch dienstlich zu nutzen. "Mitarbeiter öffnen mangels besseren Wissens arglos E-Mail-Anhänge und schleusen damit unbemerkt Viren ein, oder sie versenden kritische Unternehmensinformationen ungeschützt per E-Mail", heißt es dazu in der Studie von Robert Half.

Zuerst veröffentlicht auf wiwo.de

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