Made in Germany Sie machen Flughäfen sicherer

Die Berliner Luftfahrttechniker Holger Schulz und René Dörries machen mit ihrer Firma Airsight Flughäfen sicherer. Ihre Software fahndet nach Risiken rund um Airports. Nachdem sie sicher in Deutschland Fuß gefasst haben, lockt nun der internationale Markt.

Chris Löwer | , aktualisiert

Manch ein Chefplaner schaute anfangs etwas verblüfft, als die beiden jungen Chefs der Berliner Firma Airsight mit ihrer neuartigen Software und ihrem Spezialwissen bei den ersten Gesprächen wie alte Hasen auftraten. Ihr Job: Flughäfen sicherer zu machen. Gut zehn Jahre ist das mittlerweile her. Holger Schulz und René Dörries holen sich dieses Bild noch manchmal vor Augen und staunen ein wenig, dass ihnen bei diesem hochsensiblen Thema, auf das sich ihre Firma festgelegt hat, fast vom Start weg so großes Vertrauen entgegengebracht wurde.

Mittlerweile ist das 15-Mitarbeiter-Unternehmen eine feste Größe für Flughäfen und Behörden, wenn es um die Flugsicherung, Flughafenplanung und Risikobewertung geht. Auf der Kundenliste stehen unter anderem die Airports in Berlin-Tegel, Düsseldorf, Frankfurt am Main oder Köln/Bonn. Das Team kommt meist dann ins Spiel, wenn mehr Flüge mit größeren Maschinen bei maximaler Sicherheit mit der vorhandenen Infrastruktur zu bewältigen sind. Die Risiken erschließen sich tückischerweise nicht auf Anhieb. "Vor allem Objekte in der Umgebung wie Häuser, Bäume oder Autobahnen können gefährlich werden", erläutert Schulz, warum Safety-Management immer wichtiger wird. Ein Thema, das die beiden promovierten Luft- und Raumfahrttechniker bereits in ihrem Studium beschäftigte.

Dörries hat während seiner Ausbildung an der TU Berlin eine Software geschrieben, die auf Basis der vielfältigen Vorschriften Hindernisse und Gefahren erkennt. Es müssen vorher nur aus Lage- und Stadtplänen die geografischen Informationen erfasst werden. Diese werden automatisch aus digitalen Unterlagen extrahiert und in die "obscalc" genannte Software eingelesen. Diese arbeitet mit einfachen Excel-Tabellen. Die Systemanforderungen, die das Programm stellt, sind extrem gering: Ein einfacher Rechner mit einem auch älteren Windows-Betriebssystem reichen aus.

Die Software kann mit jedem Rechner gefahren werden

"Manuelle Erhebungen und Routineberechnungen sind sehr zeitaufwendig und fehlerträchtig. Außerdem halten sie die Planer von ihrem eigentlichen Job ab", erklärt der 37-Jährige.

Die Ergebnisse werden übersichtlich in Excel-Tabellen ausgespuckt. Quasi als Training on the Job haben die Berliner die Spezialsoftware vor Jahren bei einem Projekt mit und für Fraport in Frankfurt weiterentwickelt. Dort werden die Dienste der Berliner immer noch gern nachgefragt: "Wir arbeiten schon lange eng mit Airsight zusammen und haben bei verschiedenen Aufträgen stets gute Erfahrungen gemacht", berichtet Fraport-Sprecher Klaus Busch. Die umfassende Sach- und Fachkenntnis mache das Team zu guten und klugen Beratern, ergänzt er.

Tatsächlich ist die Beratung mittlerweile der Hauptumsatzbringer, neben Lehrgängen und dem Vertrieb weiterer Softwareprogramme, beispielsweise für das Sicherheitsmanagement an Flughäfen. Letztere leisten freilich dem Team aus Ingenieuren, Informatikern, Luftfahrtspezialisten, Juristen und Statistikern selbst gute Dienste.

Dörries blickt zuweilen etwas wehmütig auf die erste Zeit zurück, als er selbst als Ingenieur noch stärker an den Themen dran war, die nun die Mitarbeiter bearbeiten. Er hatte Kompagnon Schulz 1995 noch während der Studienzeit nach Frankfurt geholt, um dort im Auftrag von Fraport am Flughafen Athen-Spata mitzuplanen. "Wir haben nächtelang durchgearbeitet, das schweißt zusammen. Man lernt sich zu schätzen - weiß, dass man sich aufeinander verlassen kann", erzählt Schulz. Zumal sich die beiden Studenten auf dem teuren Pflaster der Bankenmetropole irgendwie durchschlagen mussten.

Die beiden arbeiteten lange zusammen

Die Sache lief gut, und doch lockte Schulz ein Managementberaterjob in die USA. Er betreute dort ebenfalls Flughafenprojekte. Zur Promotion kreuzten sich ihre Wege wieder in Berlin. Schulz, selbst Flieger, glüht für die Luftfahrt, machte schon mit 19 Jahren den Pilotenschein und später den als Berufsflugzeugführer. "Ich wollte schon immer Luft- und Raumfahrttechniker werden", sagt der 38-Jährige.

Dörries ist da eher pragmatischer: Eigentlich wollte er Fahrzeugtechnik studieren, bekam allerdings einen Studienplatz in Maritimtechnik - das passte, schließlich stammt er aus einem Dorf bei Schwerin. Private Gründe führten ihn dann nach Berlin, wo er schließlich Luft- und Raumfahrttechnik studierte. "Die Branche ist für mich letztlich austauschbar", sagt der schlacksige Schweriner. Schulz, der Berliner, ist auch körperlich das genaue Gegenteil. Fast könnte man meinen, dass sich hier die Gegensätze anziehen und befruchten. Dörries: "Ich bin eher der Erbsenzähler und Aufräumer. Kollege Schulz ist eher der Vorprescher und Aufreißer. Und das meine ich positiv. Wir ergänzen uns blendend."

Das Ziel ist der internationale Markt

Schulz bestätigt: "Ich bin ein Aufbautyp." Jedenfalls hätte Denker Dörries ohne den Elan seines Studienkollegen wahrscheinlich nie den Schritt in die Selbstständigkeit gewagt. Über eine Kooperation mit dem Tüv Nord will Airsight nun noch stärker international Fuß fassen. Beim Tüv schätzt man die Expertise der Flughafensicherheitsexperten sehr, wie ein Sprecher bestätigt. Dazu gehört auch eine Datenbank, in der Daten von Hunderten von Havarien verzeichnet sind, die nach vielfältigen Kriterien statistisch aufbereitet werden können, um daraus Wahrscheinlichkeiten abzuleiten.

Keine Frage, die Vorschriften werden nicht weniger und die Flugzeuge nicht kleiner. So brachte allein das Großraumflugzeug A380 einen riesigen Auftragsschub, aber auch das Bemühen der EU, Vorschriften zu vereinheitlichen - ein Projekt, an dem Airsight beteiligt ist. Selbst wenn die Luftfahrtbranche unter der Wirtschaftslage ächzt, geht den Berlinern nicht die Arbeit aus. Sicherheit ist eben ein krisensicheres Geschäft.

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