Macht der Stimme Wie Manager den richtigen Ton treffen

Die Opernsängerin Alexandra von der Weth bringt Managern bei, wie man Reden hält. Im Interview spricht sie über verkümmerte Zwerchfelle, steife Kiefer und die Macht der Stimme.

Kristin Schmidt, wiwo.de | , aktualisiert


Foto: Kalim/ Fotolia.com

Frau von der Weth, Sie arbeiten als Stimmtrainerin mit professionellen Sängern und Managern. Was ist schwieriger?

Alexandra von der Weth: Technisch gesehen mit Sängern, weil professionelles Singen wie Hochleistungssport ist. Bei Managern geht es um grundsätzliche Probleme.

Welche?
 
Viele kommen, um das richtige Sprechtempo zu trainieren. Ihre eigentlichen Stimmprobleme aber erkennen sie nicht – etwa dass ihr Zwerchfell total verkümmert ist, weil in ihrer Familie nie gebrüllt wurde.

Was ja an sich nichts Schlechtes ist...

Nein, aber durch gute Erziehung sind viele Menschen stimmlos geworden. Denen muss ich beibringen, dass sie ein Tier sein dürfen und die ganze Wucht ihrer Stimme einsetzen können. Ich zeige ihnen, wie Theatralik funktioniert und wie man sein Publikum fesselt.

Die Hauptversammlung als Opernbühne, der CEO als Heldentenor – ist das nicht überzogen?

Ein Rednerpult ist nichts anderes als eine Bühne. Wenn ein Manager über die Performance seines Unternehmens spricht, kann er einen Spannungsbogen aufbauen, vergleichbar mit der Dramaturgie eines Musikstücks: Sie hat eine Exposition, eine Durchführung, eine Reprise und eine Coda – also eine Fragestellung, die bei den Zuhörern Denkprozesse anstoßen soll.


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Klingt, als schrieben Sie an der Rede mit?

Ich prüfe einzelne Formulierungen auf Authentizität. Aber meist geht es um Präsentationstechnik und Auftreten.

Wie gut schneiden Top-Manager da ab?

Ich beobachte oft ein unruhiges Wippen oder Festkrallen am Rednerpult. Das wirkt unsicher. Häufig haben Manager beim Vortragen einen steifen Kiefer und pressen die Worte durch ihren kaum geöffneten Mund. Vor allem, wenn sie etwas Unangenehmes vor sich haben und im Wortsinn die Zähne zusammenbeißen müssen.
 
Für eine kräftige, sonore, vertrauenswürdige Stimme braucht man aber eine entspannte Kiefermuskulatur.
 
Woher kommt diese Verkrampftheit?

Viele meiner Klienten definieren sich über ihren Erfolg. Auf ihnen lastet der Druck, nicht scheitern zu dürfen. Aber das ist falsch. Sie müssen sich von diesen Zwängen frei machen, sich selbst als Person finden. Nur dann können sie befreit atmen, aufrecht stehen, ruhig sprechen.

Trainieren Sie eher Frauen oder Männer?

Zu mir kommen sehr viele Managerinnen. Vermutlich, weil sie oft nicht gern im Mittelpunkt stehen. Da muss ich erst mal das Selbstvertrauen stärken – viele Frauen in unserer Gesellschaft haben davon immer noch zu wenig.
 
Wie gewichten Sie die Bedeutung von Inhalt, Stimme und Körpersprache für den Erfolg einer Rede?

20 Prozent für den Inhalt, 80 für Stimme und Körpersprache.


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Also können Manager schlechte Zahlen durch eine gute Präsentation kaschieren?

Kaschieren sicher nicht, aber mildern durchaus. Der CEO kann einen Gewinneinbruch zu positiven Entwicklungen in Relation stellen, etwa zu neuen Strategien. Wichtig ist, dass er sein Publikum direkt anspricht und ihm Anerkennung zukommen lässt.

Das durchschaut doch heute jeder...

Es geht nicht darum, sein Publikum zu täuschen, sondern eine positive Beziehung zu ihm aufzubauen.

Kann jemand ein guter Redner sein, ohne seine Stimme im Griff zu haben?

Nein. Ironie etwa kann ich nur über die Stimme ins Spiel bringen. Die Macht der Stimme wird unterschätzt.

Warum?

Weil unsere Gesellschaft sehr auf optische Reize fixiert ist. Aber stellen Sie sich einen Vampir mit Fistelstimme vor – da helfen die tollsten Effekte nichts.

Zuerst veröffentlicht auf wiwo.de

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