Lügen erkennen 14 Anzeichen dafür, dass Sie belogen werden

Haben Sie Ihrem Kollegen heute einen schönen Tag gewünscht, obwohl Sie ihm eigentlich die Pest an den Hals wünschen? Wir alle lügen täglich. Warum es so schwierig ist, Lügen zu durchschauen und wie es trotzdem klappt.

Kerstin Dämon, wiwo.de | , aktualisiert

14 Anzeichen dafür, dass Sie belogen werden

Wie erkenne ich, dass jemand lügt? An der langen Nase vielleicht nur im Märchen, aber tatsächlich gibt es einige Anzeichen, um Schwindler anhand von Mimik und Gestik zu entlarven.

Foto: alphaspirit/Fotolia.com

Von Kind auf bringt man uns bei, dass Lügen das Schlimmste ist, was man tun kann. Und trotzdem lügen wir – täglich. Je nach befragten Experten zwischen einmal pro Stunde und zehn Mal pro Tag. Oft sind es nur kleine Notlügen oder Floskeln wie "danke, es geht mir gut", obwohl wir am liebsten heulen möchten. Es gibt aber auch Lügen, die nicht dazu dienen, das Zusammenleben mit anderen Menschen besser zu machen. Sondern um einen Job zu bekommen, für den wir nicht qualifiziert sind, unsere Partnerschaft zu retten, obwohl wir seit Monaten eine Affäre haben oder um uns sonst wie aus einer Situation heraus zu lavieren, an der wir selbst schuld sind. Diese Lügen zu enttarnen ist nicht leicht.

Menschliche Lügendetektoren

Anders als oft behauptet, lässt sich ein Lügner nämlich nicht einfach daran erkennen, dass er den Blickkontakt meidet oder sich an der Nase kratzt. Darüber, wie man Lügner erkennt, haben die CIA-Agenten Phil Houston, Michael Floyd und Susan Carnicero jetzt ein Buch geschrieben. Alle drei haben jahrelange Erfahrung mit Lügendetektortests.

Grundsätzlich gibt es drei Arten von Lügen: eine glatte Lüge, die Weglassung und das Ablenkungsmanöver. Auf die Frage, ob Sie letzte Nacht bei Ihrer Geliebten in Berlin waren, können Sie also antworten: "Ich habe keine Geliebte" (obwohl es so ist), "Ich war gestern geschäftlich in Berlin" oder "Ich bin seit 20 Jahren glücklich verheiratet und liebe meine Frau."

Nicht täuschen lassen

Das Paradoxe: "Wenn man wissen möchte, ob jemand lügt, muss man Verhaltenssignale, die auf Ehrlichkeit hindeuten, ignorieren." Denn wer lügt, wird sein Gegenüber davon überzeugen wollen, dass er die Wahrheit sagt. Außerdem versucht der Lügner, Sympathien zu gewinnen. Er will uns auf seine Seite ziehen. Denn je mehr wir jemanden mögen, desto eher glauben wir ihm. Und wir wollen unserem Gegenüber in der Regel auch glauben, weil wir nicht belogen werden wollen. Das macht es für uns so schwierig, eine Lüge zu erkennen, erklären die Autoren des Buches.

Es gibt jedoch Anzeichen, die bei der Entlarvung von Lügen hilfreich sein können. Aber Vorsicht: "Kein Mensch auf diesem Planeten kann hundertprozentig sicher sein, ob sein Gegenüber lügt oder nicht – es sei denn, diese Person behauptet etwas, wovon man schon von vornherein weiß, dass es nicht stimmt."

In Situationen, in denen wir nicht die Antwort bekommen, mit der wir gerechnet haben, greifen wir oft zu negativ formulierten Fragen. Angenommen, Sie fragen eine Autofahrerin, ob sie schon einmal die erlaubte Höchstgeschwindigkeit überschritten hat, und sie antwortet darauf: "Nein, noch nie." Diese Antwort wird Sie vermutlich überraschen, also haken Sie spontan noch einmal nach: "Sie haben noch niemals die Höchstgeschwindigkeit überschritten? Wirklich noch nie?" Doch damit bestärken sie Ihren Gesprächspartner, bei seiner Antwort zu bleiben.

Beginnen Sie Ihre Frage mit einer Einleitung: "Als Nächstes möchte ich Sie nach XYZ befragen. Bevor wir auf dieses Thema eingehen, will ich Ihnen erklären, warum diese Frage wichtig ist und worum es uns geht." Legitimierungen führen dazu, dass Menschen die Frage ehrlicher beantworten. Auch Rationalisierungen eignen sich sehr gut als Prolog zu einer Frage. Zum Beispiel: "Niemand ist perfekt" oder "Jeder macht einmal etwas falsch". Das kann enorm dazu beitragen, Ihren Gesprächspartner für die Frage zu öffnen, die Sie ihm stellen möchten. Auch durch Minimierung können Sie verhindern, dass sich jemand hinter seiner Lüge verschanzt – zum Beispiel mit Äußerungen wie: "Wir möchten diese Angelegenheit ja nicht unnötig aufbauschen."

Es ist wichtig, zwischen Verdachtsfragen und Suggestivfragen zu unterscheiden. Mit einer Suggestivfrage versucht man den Gesprächspartner zu beeinflussen und ihm eine bestimmte Antwort in den Mund zu legen: "Sie haben doch gestern Abend das Geld genommen?" Eine Verdachtsfrage ist: "Was ist gestern Abend mit dem Geld passiert?" Der Unschuldige sagt "Keine Ahnung." Wer schuldig ist, muss nachdenken und sagt also eher: "Sie fragen mich, was da passiert ist? Woher soll ich denn das wissen?"

Eine klassische Köderfrage wäre "Könnte es einen Grund geben, warum jemand behauptet, Sie hätten das Geld genommen?" Es handelt sich um eine hypothetische Frage, die auf einem psychologischen Prinzip namens "Gedankenvirus" beruht. Wenn der Kollege auf Sie zukommt und sagt: "Die Chefin möchte dich sofort in ihrem Büro sprechen", schlägt ein solches Gedankenvirus zu. Wir machen uns nämlich sofort Gedanken darüber, was wir angestellt haben könnten, was uns jetzt droht und spielen alle Konsequenzen durch.

Fragen Sie: "Was sollte Ihrer Meinung nach mit der Person passieren, die das getan hat?" Wenn Sie jemanden befragen, der kein reines Gewissen hat, fordern Sie die verdächtige Person mit dieser Frage im Grunde genommen dazu auf, sich selbst zu verurteilen. Dahinter steht die Theorie, dass jemand, der schuldig ist, naturgemäß eine ziemlich milde Strafe vorschlagen wird. Wer unschuldig ist, wird sich dagegen wohl für eine strengere Bestrafung aussprechen. Das Problem mit dieser Theorie ist nur, dass Lügner und Betrüger immer nach Möglichkeiten suchen, unsere Wahrnehmung ihres Charakters zu manipulieren: Ignorieren Sie also die Forderung nach einer harten Strafe, aber werden Sie bei zu milden Strafen hellhörig.

Mit solchen Fragen kann man Lügen vom Weglassungstyp auf die Schliche kommen. "Gibt es noch irgendetwas Wichtiges zu Ihrer Beziehung mit dieser Person, das wir bisher nicht besprochen haben?" oder "Gibt es noch irgendetwas, was ich wissen sollte und worüber wir bisher nicht gesprochen haben?"

Zeit ist Trumpf: Wer seinem Gegenüber eine Lüge nachweisen will, muss auf das erste Verhalten achten, das der Gesprächspartner innerhalb der ersten fünf Sekunden nach der Frage zeigt. So lange braucht unser Gehirn, um sich eine Strategie zurechtzulegen, wie wir auf eine Frage antworten sollen. Und in der Zeit reagiert unser Körper: Uns entgleist das Gesicht, wir zucken zusammen, wir stottern. Erst dann fangen wir uns und lügen, dass sich die Balken biegen. Deshalb ist es wichtig, zu sehen, wie jemand reagiert und zu hören, was er sagt. Gibt es da eine Diskrepanz? Dann ist das ein gutes Zeichen für eine Lüge.

Eine häufige Diskrepanz zwischen verbalem und nichtverbalem Verhalten, auf die Sie achten sollten, besteht darin, dass Ihr Gesprächspartner bestätigend nickt, während er gleichzeitig "Nein" sagt, oder umgekehrt: Er sagt "Ja" und schüttelt dabei den Kopf.

Wenn sich jemand die Hand vor den Mund hält, während er eine Frage beantwortet, hat das etwas zu bedeuten. Außerdem neigen wir alle von Natur aus dazu, uns vor der Reaktion eines Menschen abzuschirmen, den wir belügen. Wenn jemand bei der Antwort auf Ihre Frage also seine Augen abschirmt, verrät er damit auf unterbewusster Ebene womöglich, dass er Ihre Reaktion auf die faustdicke Lüge, die er Ihnen gerade erzählt, nicht mitansehen kann.

Wenn jemand sich vor seiner Antwort auf eine Frage räuspert oder deutlich spürbar schluckt, liegt hier womöglich ein Problem vor. Tut er das erst nach seiner Antwort, so brauchen wir uns keine Gedanken darüber zu machen.

Achten Sie auf alles, was Ihr Gegenüber als Reaktion auf Ihre Frage mit seinem Gesicht oder Kopf anstellt. Vielleicht beißt oder leckt er sich die Lippen oder er zieht an seinen Lippen oder Ohren. Oder die betreffende Person ringt die Hände oder reibt sie sich.

Wenn wir nervös sind, zeigt unser Körper das, beispielsweise durch sogenannte "Ankerpunkt"-Bewegungen. Die Ankerpunkte eines Menschen sind jene Körperteile, die ihn an einem bestimmten Punkt oder in einer bestimmten Position verankern. Wenn er steht, sind die Füße seine primären Ankerpunkte. Wer von einem Fuß auf den anderen tritt, gibt so seiner Anspannung ein Ventil. Wenn jemand auf einem Stuhl sitzt, sind die primären Ankerpunkte sein Gesäß, sein Rücken und seine Füße. Rutscht er im Stuhl hin und her oder wippt vor und zurück?

Manche Menschen versuchen ihre Nervosität auch durch Gesten zu vertreiben: Sie streichen oder zupfen an sich selber oder an irgendwelchen Gegenständen in ihrer unmittelbaren Umgebung herum.

Dass jemand schwitzt, ist unerheblich, aber wenn er sich bei seiner Antwort den Schweiß mit einem Taschentuch oder mit der Hand von der Stirn wischt, ist das ein Alarmsignal.

Manchmal räumt jemand, der eine Lüge erzählt, auch plötzlich sein näheres Umfeld auf: Man stellt ihm eine Frage und plötzlich muss das Telefon zurechtgerückt werden, das Glas Wasser steht zu nah oder der Bleistift liegt nicht am richtigen Ort.


Man sollte aber nicht davon ausgehen, dass einmal Zucken oder rot werden schon heißt, dass das Gegenüber lügt. Die Körpersprache lässt sich zwar durchaus als Anzeichen bewerten. Aber aufgrund eines einzelnen Indizes kann man noch lange kein pauschales Urteil fällen. Denn hinter einem Verhalten können die verschiedensten Gründe stecken. "Jeder Mensch hat individuelle Sprechgewohnheiten und auch typische physische Verhaltensmuster", heißt es in dem Buch "Den Lügner erkennen". Diese Muster haben gar nichts zu bedeuten, sie gehören einfach zu unserer Persönlichkeit.

Erst, wenn mehrere Indizien zusammen kommen, sollten Sie misstrauisch werden. Zupft sich das Gegenüber an der Nase, wippt mit dem Fuß, nestelt an den Klamotten rum und gibt dann auch noch ausweichende Antworten, sollten Sie dringend nachhaken. Und vergessen Sie nicht: Das erste Indiz muss innerhalb von fünf Sekunden nach der Frage erfolgen.

Doch wie unterscheidet sich die wahrheitsgemäße Aussage von einer Lüge? Ehrliche Antworten sind normalerweise direkt und spontan. "Nein, ich habe das Geld nicht gestohlen." Da es uns schwer fällt, anderen direkt ins Gesicht zu lügen, sagt der Lügner nicht: "Nein, ich habe das Geld nicht genommen", sondern nutzt Ausflüchte. Wer kein reines Gewissen hat, muss schließlich irgendetwas sagen, um seinen Gesprächspartner zu überzeugen.

Zum Beispiel fängt er an zu erklären, warum er niemals stehlen würde oder er wiederholt sich ständig: "So etwas würde ich niemals tun, wirklich nicht. Ich habe so etwas noch nie gemacht." Und auch wenn Franklin D. Roosevelt gesagt hat, dass eine Lüge durch Wiederholung nicht zur Wahrheit wird, halten wir es zumindest für wahrscheinlich, dass jemand Recht hat, wenn er es nur oft genug wiederholt.

Wer künftig also genau darauf achtet, was sein Gegenüber sagt und wie, hat eine gute Chance, so manche Lüge zu enttarnen. Allerdings wird er deshalb noch nicht selbst zum besseren Lügner. Denn das meiste, was uns enttarnt, machen wir automatisch und unterbewusst. Unser Körper lügt nun einmal nicht.

Zuerst veröffentlicht auf wiwo.de

Artikel teilen

Ihr Browser ist veraltet. Deshalb können Sie diese Webseite nicht korrekt darstellen!

Bitte laden sie einen dieser aktuellen, kostenlosen und exzellenten Browser herunter:

Für mehr Sicherheit, Geschwindigkeit, Komfort und Spaß.

Lade Seite...